Drei Fragen an Viviane Reding

„Wir müssen unsere eigene Souveränität aufbauen und weiterentwickeln“

Die ehemalige EU-Kommissarin Viviane Reding leitet künftig den Tech-Ausschuss bei der Europäischen Investitionsbank. Ein kurzes Gespräch.

„Wir müssen unsere eigene Souveränität aufbauen und weiterentwickeln“

Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Tageblatt: Sie leiten künftig ein Beratungsgremium, das sich mit investitionslohnenden neuen Technologien befassen soll. Wie blicken Sie auf die derzeitige Debatte um Künstliche Intelligenz?
Viviane Reding: Panik ist nie ein guter Berater. Das ist bei jeder Technologie, die nicht durch und durch kontrolliert wird, der Fall. Bei der Künstlichen Intelligenz sind wir aus einer Phase der langsamen Evolution längst in eine Phase der Revolution übergegangen. Das muss natürlich kontrolliert werden – nicht um Innovation zu stoppen, sondern um die Entwicklung entsprechend zu leiten.

Sie haben in ihrer Pressemitteilung mitgeteilt, dass es darum gehe, eine europäische technologische Souveränität zu wahren. Ist Europa, wenn wir auf Google, Apple, Windows und Co. blicken, nicht längst abgehängt?

Europa steht tatsächlich nicht ganz gut da. Wir haben jedoch eine sehr gute Forschung. Das Problem besteht, wenn aus neuen Start-ups große Unternehmen werden sollen. In dem Fall sind meist nicht genügend Privatgelder da, um diese Unternehmen zu fördern. Wir reden hier nicht in einer Größenordnung von mehreren Millionen Euro, sondern von ein oder zwei Milliarden Euro. Und weil dieses Risikokapital in Europa nicht zur Verfügung steht, gehen sie stattdessen in den USA an die Börse.

Der Blick richtet sich nicht nur in Richtung USA, sondern auch immer mehr nach China. Wie kann Europa gegenüber den zwei Mächten bestehen?
Wir brauchen die USA mit all ihren Problemen nicht unbedingt als Vorbild zu nehmen. Wir müssen unsere eigene Souveränität aufbauen und weiterentwickeln. Es gibt Unternehmen, die haben ihren amerikanischen Konkurrenten einiges voraus. Das ist jedoch noch viel zu selten, weil das entsprechende Kapital fehlt. Diese Unternehmen gilt es zu identifizieren und zu unterstützen. Da setzt der Tech-Ausschuss der EIB an.

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