Der Tyrann von Düdelingen

Wie Direktor Gilles Zeimet das CNA zu einer dysfunktionalen Behörde macht und durch Angst regiert

Gilles Zeimet leitet das „Centre national de l’audiovisuel“ seit zweieinhalb Jahren. Seitdem haben zahlreiche erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Institution verlassen. Mehrere berichten von Einschüchterung, Demütigung und misogynem Verhalten. Das Kulturministerium schaut weg.

Montage: Tageblatt/Grafik

Sie haben Anwälte eingeschaltet, Briefe an das Ministerium geschrieben, die offiziellen Wege beschritten. Und dann geschwiegen. Denn wer in Luxemburg weiter für den Staat arbeiten will, so formuliert es ein Anwalt, der Betroffene beraten hat, solle besser stillhalten. Was am „Centre national de l’audiovisuel“ seit dem Amtsantritt von Direktor Gilles Zeimet im September 2023 geschieht, ist kein interner Konflikt. Es ist ein System.

Das „Centre national de l’audiovisuel“ in Düdelingen ist Luxemburgs nationales audiovisuelles Gedächtnis. Film-, Foto- und Tonarchive – das CNA bewahrt, was im Land gesehen, gehört und gedreht wird. Hier fragen Filmemacher Archivmaterial für Dokumentarfilme an, Familien geben Privataufnahmen ab, Wissenschaftler recherchieren.

Kein leichtes Haus

Das CNA ist kein leichtes Haus, das war schon vor Zeimets Ankunft kein Geheimnis. Unter seinem Vorgänger Paul Lesch hatte sich die Belegschaft dem Vernehmen nach in zwei Lager gespalten. Externe Beraterinnen aus England und den Niederlanden waren engagiert worden, um eine Modernisierung anzustoßen – die Zusammenlegung der drei Archive, die Digitalisierung der Bestände, die Online-Stellung der Materialien. Die Reformen waren nötig und vom Personal selbst seit Jahren gewollt. Was fehlte, war Führung.

CNA-Direktor Gilles Zeimet

CNA-Direktor Gilles Zeimet Foto: Editpress/Alain Rischard

Was die wenigsten außerhalb des CNA damals wussten: Vieles war bereits erledigt. Die technische Infrastruktur für die Onlinedatenbank war fertig. Hunderte Filmdokumente waren digitalisiert und bereit zur Veröffentlichung. Das Personal hatte die Vorarbeit geleistet. Was fehlte, war jemand, der die letzten Schritte geht.

Stattdessen kam jemand, der alles von vorn anfing.

Die Stelle wurde nach einer ersten ergebnislosen Ausschreibung erneut ausgeschrieben. Diesmal ging das Verfahren überraschend schnell. Gilles Zeimet, bis dahin am Nationalmuseum tätig, erhielt den Posten. In der Luxemburger Kulturszene, so berichten mehrere Quellen, habe man die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Er sei kein unbeschriebenes Blatt gewesen.

Einen Monat, um alle gegen sich aufzubringen

Er habe ungefähr einen Monat gebraucht, sagt eine Person, die das CNA über lange Jahre kannte. Einen Monat, um die Belegschaft gegen sich aufzubringen.

Was danach folgte, beschreiben frühere und aktuelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – unabhängig voneinander, in getrennten Gesprächen mit dem Tageblatt – mit bemerkenswerter Übereinstimmung. Zeimet führe nicht, er kontrolliere. Er höre nicht zu, er bestimme. Wer Widerspruch übt, wer eine andere Meinung vertritt, wer in einem Bereich mehr Expertise mitbringt als er, der werde ausgegrenzt. Nicht eingeladen zu den relevanten Sitzungen. Nicht mehr konsultiert, wenn Entscheidungen den eigenen Bereich betreffen. Einfach rausgenommen aus dem Informationsfluss.

Er duldet keine andere Meinung als seine eigene und keine Widerworte. Er will nur eine Resonanzkiste.

Eine frühere Mitarbeiterin

Das Muster wiederholt sich in konkreten Entscheidungen. Das Datenbankprojekt CNAsearch – eine Onlineplattform für das Archivmaterial, jahrelang entwickelt von einer erfahrenen Mitarbeiterin – erklärt Zeimet für hässlich und lässt es nicht online stellen. Stattdessen lässt er eine neue Mitarbeiterin dasselbe Projekt von Grund auf neu entwickeln, ohne sie darüber zu informieren, dass es bereits existiert. Zwei Teams, dieselbe Arbeit, kein Ergebnis.

Die Archivzugänge werden von einem Tag auf den anderen geschlossen. Das Personal, so berichten Mitarbeitende, erfährt von der unilateralen Entscheidung des Direktors über Social Media. Filmemacherinnen, Forscherinnen, Dokumentaristen, die mit laufenden Projekten auf Archivmaterial warten, stehen plötzlich vor verschlossenen Türen. Einige warten seit Monaten auf Rückmeldungen, die nicht kommen. Die „Lëtzebuerger Associatioun vun de Realisteuren a Scénaristen“, LARS, schreibt am 13. Februar dieses Jahres direkt an Kulturminister Eric Thill: Die Zusammenarbeit mit dem CNA sei von Intransparenz, Reaktionslosigkeit und herabwürdigenden Briefwechseln geprägt. Ein nationales Archiv, das Kreative bei der Arbeit nicht mehr unterstützt, sondern sie behindert.

Den Brief des LARS-Verbandes vom 13. Februar, in dem eine grundlegende Neubewertung der CNA-Leitung gefordert wird, bewertet das Ministerium auf Tageblatt-Nachfrage als „konstruktiven Beitrag“ und bietet ein Gespräch an.

Beschädigte Fotos

Im Mai 2025 eröffnet das CNA die Teutloff-Ausstellung – eine bedeutende Fotokollektion, jahrelang vom Haus restauriert und vorbereitet, ein Projekt mit internationalem Rang. Am 7. Juli wird sie geschlossen. Wegen technischer Probleme mit der Klimaanlage, heißt es knapp. Sie öffnet nicht mehr (das Tageblatt berichtete).

Am 11. Juli des gleichen Jahres fällt im Schloss Clerf die Klimaanlage aus. Hier stellt das CNA die „Family of Man“ aus, das Unesco-Weltdokumenterbe von Edward Steichen. Die Reparatur zieht sich über Monate, die klimatischen Konservierungsbedingungen der Ausstellungen sind laut Dokumenten, die dem Tageblatt vorliegen, nicht gewährleistet. Der Direktor und das Ministerium behaupten das Gegenteil.

Diese Fehler sind nach Tageblatt-Informationen keine Zufälle und keine einfachen Missgeschicke. Der langjährige Dienstleistungsvertrag mit dem Gebäudewartungsunternehmen Global Facilities – einem Anbieter, der seit 35 Jahren das System des CNA betreut – soll unter Zeimet geändert worden sein. Wahrscheinlich, um Kosten zu sparen. Die täglichen Kontrollberichte, die es seit Jahrzehnten gab und bei denen jede Temperatur- und Feuchtigkeitsabweichung sofort gemeldet wurde, existieren nach Tageblatt-Informationen seit Zeimets Amtsantritt nicht mehr.

Das Ministerium ist im Besitz detaillierter Berichte darüber, was in der Ausstellung passiert ist. Es hat sich dazu öffentlich nicht geäußert.

Hinzu kommt: Die erfahrene Leiterin des Fotodepartements war kurz zuvor unter Umständen, die mehrere Quellen als Mobbing beschreiben, aus dem Haus gedrängt worden. Sie hatte sich auch um die Teutloff-Ausstellung gekümmert. Ihr Know-how war weg. Jemand hätte warnen können, hätte die Anomalien bemerkt, hätte reagiert. Niemand hatte mehr die Autorität dazu.

Die Frauen, die gehen

Wer die Abgänge der vergangenen zwei Jahre betrachtet, sieht ein Muster: Es sind vor allem Frauen, die gegangen sind. Frauen mit langen Dienstzeiten, mit spezialisiertem Know-how, mit Verantwortung. Frauen, die das CNA mitgeprägt haben.

Mehrere Quellen berichten, Zeimet habe sinngemäß geäußert, er wolle keine weiteren Frauen einstellen – sie würden ohnehin schwanger. Eine der Quellen, die diese Aussage dem Tageblatt gegenüber bestätigte, arbeitete zum Zeitpunkt des Gesprächs noch im CNA.

Il a un problème avec les femmes. Il vit un peu dans les années 60.

Eine aktuelle Mitarbeiterin

Das Wort „Misogynie“ fällt häufig im Gespräch mit den Mitarbeitern. Zeimet sei nicht in der Lage, einer Frau in die Augen zu sehen. Sein Führungsstil betrifft allerdings nicht nur Frauen.

Was mehrere Quellen dem Tageblatt gegenüber konkret beschreiben: regelmäßige entwürdigende Kommentare über das äußere Erscheinungsbild oder die Kleidung von Mitarbeiterinnen – in einigen Fällen direkt an die Betroffenen gerichtet. Fragen nach dem Sexualleben von Kolleginnen, darunter die Frage, ob eine Person sexuelle Beziehungen mit externen Dienstleistern unterhalte oder unterhalten habe. Die Offenlegung privater Informationen von Mitarbeiterinnen in internen wie externen Besprechungen. Solche Kommentare über den Körper von Kolleginnen sollen auch bei öffentlichen Veranstaltungen gefallen sein.

Das Tageblatt hat Gilles Zeimet mit den Vorwürfen konfrontiert. In seiner schriftlichen Antwort bestreitet er die Behauptungen pauschal: Sie entsprächen nicht der Realität. Personalentscheidungen orientierten sich ausschließlich an den Bedürfnissen der Institution und den Kompetenzen der Bewerberinnen und Bewerber. Auf die konkreten Vorwürfe geht seine Stellungnahme nicht ein.

Das Ministerium weiß Bescheid

Es ist nicht so, dass das Kulturministerium nicht informiert wäre. Es ist so, dass es informiert ist – und nicht handelt.

Mindestens fünf ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben das CNA verlassen und ihren Weggang auf Zeimets Führungsstil zurückgeführt. Mehrere haben das Ministerium kontaktiert. Einige mit Anwalt. Aus den Antworten des psychosozialen Dienstes des Staates, der eigentlich zum Schutz der Bediensteten da sein soll, ergibt sich ein beunruhigendes Bild: Mindestens einem Mitarbeiter soll aktiv davon abgeraten worden sein, eine formelle Schutzanfrage einzureichen – nicht weil sein Fall nicht legitim sei, sondern weil das Verfahren psychologisch zu belastend für ihn sein würde. Das Ministerium gibt auf Tageblatt-Nachfrage an, hiervon keine Kenntnis zu haben.

Was das bedeutet, hat ein Anwalt, der eine der Betroffenen beriet, klar formuliert: Wer weiter für den Staat arbeiten wolle in Luxemburg, solle besser stillhalten.

Die Antwort des Ministeriums auf die wachsenden Beschwerden war ein Coaching. Zeimet wurde gecoacht. Konsequenzen hatte das Coaching keine. Weitere Maßnahmen legt das Ministerium unter Verweis auf den Datenschutz nicht offen.

Öffentlich hält Minister Eric Thill an einer Erklärung fest: Es handle sich um Widerstände gegen die Modernisierung. Die Mitarbeitenden seien mit ihrer neuen Situation unzufrieden. Das ist die Version, die aus dem Kabinett kommt, wenn man fragt. Die Einschätzung beruhe auf Austausch mit Beteiligten und Erfahrungswerten. Welche Beteiligten, welche Erfahrungswerte: keine Angabe.

Dee ganze Moderniséierungsdiscours ass e Virwand, fir dat, wat geschitt, ze legitiméieren

Eine frühere Mitarbeiterin

Die Mitarbeitenden, die dem Tageblatt Rede und Antwort gestanden haben, weisen diese Darstellung zurück. Sie haben die Reformen mitgetragen. Sie haben die Workshops gemacht, die Post-its, die Organigramme. Sie wollten die Modernisierung. Sie wollten keinen Direktor, der ihnen sagt, er wisse alles besser, und der das Kulturzentrum, das sie mit Herzblut mitaufgebaut haben, ins Chaos führt.

Wer noch übrig ist

Nach der Reorganisation unter Zeimets Regie wurden vier Hauptverantwortliche eingesetzt – eine neue Führungsstruktur für die Institution. Alle vier sind inzwischen weg, krank oder in offenem Konflikt mit der Direktion.

Die Verantwortliche für die Archive war ab Oktober 2024 mehrere Monate krankgeschrieben und hat die Institution schließlich im Februar 2026 verlassen. Die Verantwortliche für Produktion und Publikum war Ende 2025 kurzzeitig im Krankenstand, ist heute jedoch wieder arbeitstätig. Der langjährige Leiter der Technik wurde abgesetzt und durch eine Person ohne einschlägige Erfahrung ersetzt. Der Aufbauer des Tonarchivs – jemand, der das technische und intellektuelle Rückgrat dieses Bereichs über Jahrzehnte war – hat heute nichts mehr mit seinem Werk zu tun. Er ist isoliert und, nach Angaben von Personen, die ihn kennen, in einem schlechten Zustand.

Daneben gibt es den Fall eines Mitarbeiters, dem die RH-Direktorin mit rechtlichen Schritten gedroht haben soll – wegen einer nach Angaben mehrerer Quellen vollkommen legalen privaten Gesellschaft. Die Recherchen sollen tief in sein Privatleben gegriffen haben. Er erlitt eine schwere Depression, die eine seltene Erkrankung auslöste. Er wäre beinahe gestorben. Das Ministerium hat keine Konsequenzen gezogen.

Und es gibt einen aktuellen Fall – einen Namen, der dem Tageblatt bekannt ist –, bei dem offenbar wieder ein Anwalt eingeschaltet wurde, wieder ein langer Krankenschein folgte. Das Muster wiederholt sich, während das Ministerium zusieht.

Ech hunn e Bréif an de Ministère geschéckt. Mir hunn di offiziell Weeër respektéiert. Et ass hinnen egal.

Eine frühere Mitarbeiterin

Zu den Abgängen liefert Zeimet auf Tageblatt-Anfrage eine eigene Aufschlüsselung: Vier Personen hätten das CNA für eine berufliche Neuorientierung verlassen, fünf weitere seien in den Ruhestand gegangen – zwei davon hätten die Pensionierung bereits vor seinem Amtsantritt beantragt. Außerdem habe er seit seinem Amtsantritt elf neue Mitarbeitende eingestellt, darunter acht Frauen und drei Männer; eine weitere Frau werde am 15. März ihre Stelle antreten. Was Zeimet nicht erwähnt: die Krankenstände, die Anwälte, die Menschen, die gegangen sind, bevor sie offiziell gehen wollten.

Wie ist es möglich, dass in Luxemburg jemand, dem schwere Vorwürfe gemacht werden – Einschüchterung, Demütigung, sexuelle Belästigung –, eine Machtposition hält, während jenen, die sich beschweren, aktiv davon abgeraten wird, ihre Rechte geltend zu machen?

Für den öffentlichen Dienst in Luxemburg gibt es keine unabhängige Beschwerdestelle. Die Betroffenen wenden sich an Strukturen, die Teil des Problems sind. Sie werden begleitet bei ihrem Abgang. Und die Institution, die sie aufgebaut haben, wird weitergeführt von jemandem, der nach Angaben vieler Menschen, alle anonym, alle unter Schutz, ein Regime der Angst errichtet hat.

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5 Kommentare
Wums 12.03.202607:55 Uhr

Wie überall in der Vetternwirtschaft,
unkompetent,verantwortungslos,arrogant.

Marc Tesch 11.03.202617:32 Uhr

4/4
Was mich besonders traurig macht: Vor einigen Jahren war das CNA ein Ort, an dem viele im Milieu aktive unbedingt arbeiten wollten. Es hatte einen Ruf, weil es seine Mission ernst genommen hat: sammeln, bewahren, erschließen, zugänglich machen. Archive, Forschung, Betreuung der Bestände, echte Expertise. Heute hört man viel zu oft nur noch Spott oder Schulterzucken. Manche lachen nur noch darüber. Andere fragen sich, warum Ausstellungen organisiert werden, die mit den ursprünglichen Aufgaben kaum etwas zu tun haben, warum man After-Work-Abende mit Live-Musik und Alkohol veranstaltet, während gleichzeitig bei den Archiven, bei der Erschließung, beim Service nach außen oder bei zentralen Projekten nichts vorangeht. Das ist doch eine komplette Schieflage.

Yves ALTWIES antwortete am 12.03.202614:42 Uhr

Das muesste mal so deutlich gesagt werden.

Marc Tesch 11.03.202617:32 Uhr

3/4
Nebenbei passt für mich auch das Bild nach außen dazu: Das CNA hat am 31. Januar auf Facebook die Digitalisierung von „The Family of Man“ gezeigt, gemacht von einer britischen Firma. Bei diesen Bildern fragt man sich schon, warum das nicht auch ein(e) luxemburgische(r) Fotograf(in) hätte machen können. Und ob es dafür eine Ausschreibung gab.

Und am Ende sollte das Ministerium nicht nur reagieren, sondern transparent rechnen: Was hat uns Steuerzahlende dieses gesamte Chaos gekostet? Verlorene Arbeitszeit durch Krankmeldungen, externe Aufträge (inklusive der britischen Firma), Coaching, Krisenmanagement, Rechts- und Beratungskosten, Projektstopps und Verzögerungen. Wenn man Verantwortung ernst nimmt, gehört diese Zahl auf den Tisch.

Marc Tesch 11.03.202617:31 Uhr

2/4
Und noch etwas: In der Debatte geht es oft vor allem um die „Responsables“, die gegangen sind oder krank wurden. Aber es sind nicht nur diese Posten, die Kompetenz tragen, und deren Know-how mit jedem Abgang verloren geht. Was ist mit den Leuten, die das CNA jeden Tag am Laufen halten, in Ausführung und Support, in den Werkstätten, Depots, in der Erschließung, im Service, in der Technik, in der Verwaltung? Auch dort steckt enorme Fachkompetenz und Erfahrung, ohne die die ganze Maschine nicht funktionieren würde. Von ihnen hört man kaum etwas. Und ich kann mir gut vorstellen, dass der Druck dort mindestens genauso groß ist, vielleicht sogar größer, weil man weniger Sichtbarkeit hat, weniger Schutz und weniger Spielraum, sich zu wehren oder einfach zu gehen. Wenn es wirklich ein Klima der Angst gibt, dann sind genau diese Menschen oft die, die am stärksten unterdrückt werden, weil sie den Laden am Ende trotzdem irgendwie am Laufen halten müssen.

Marc Tesch 11.03.202617:29 Uhr

1/4
Wenn ich den heutigen Tageblatt-Artikel zum CNA lese, bleibt bei mir vor allem eines hängen: Das ist kein „normaler interner Streit“, sondern ein Klima, das eine Institution lähmt und Menschen krank macht. Da ist die Rede von Angst, Einschüchterung, Mikromanagement, Ausgrenzung von Fachleuten und einem massiven Aderlass an Erfahrung. Und gleichzeitig steht im Raum, dass das Kulturministerium informiert gewesen sein soll und trotzdem nicht gehandelt hat.

Genau da wird es für mich zur Grundsatzfrage: Der Staat ist Arbeitgeber. Santé et sécurité au travail ist keine Floskel, sondern Pflicht. Wenn Mitarbeitende physisch und psychisch leiden, dann reicht es nicht, „Prinzipien“ oder „Codes“ zu veröffentlichen. Dann muss man schützen und handeln. Umso irritierender ist, wenn man liest, dass auch der Service psychosocial offenbar nichts bewirkt hat. Wenn die Strukturen, die helfen sollen, nicht helfen, läuft etwas grundsätzlich schief.

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