Liberty Steel
Vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind
Ein Betrieb, der nichts mehr produziert, wird künstlich aufrechterhalten. Die Beschäftigten haben nichts mehr zu tun, werden aber nach wie vor bezahlt. Was sie plagt, ist die Ungewissheit und die Angst, nach einem Konkurs auf der Straße zu stehen.
Nichts geht mehr: Liberty Steel in Düdelingen Foto: Editpress/Julien Garroy
„So etwas hatten wir noch nicht“, sagt Stefano Araujo. Zumindest hat dies der OGBL-Zentralsekretär des Syndikats Hüttenindustrie und Bergbau noch nicht erlebt. Liberty Steel in Düdelingen, spezialisiert auf die Galvanisierung von Stahl, produziert nicht mehr, weil für die Produktion kein Geld mehr vorhanden ist. Und trotzdem erhalten die rund 170 Mitarbeiter noch ihre Löhne. Das Geld kommt von den anderen Teilen des Stahlkonzerns Liberty Steel, der 1992 von Sanjeev Gupta gegründet wurde und zu dessen Familienholding GFG Alliance gehört. Das Werk wurde vor vier Jahren von ArcelorMittal gekauft, als es noch gut 280 Mitarbeiter hatte – entlassen wurde niemand, doch Abgänge wurden nicht ersetzt. Noch vor drei Jahren hatte der in Indien geborene britische Geschäftsmann Gupta verkündet, er wolle 100 Millionen Euro in Liberty Liège-Dudelange investieren. Davon bleibt bis heute nichts zu sehen. Mittlerweile hat Liberty Galati, die rumänische Tochtergesellschaft von Liberty Steel, die Lütticher Fabrik mit ihren 500 Beschäftigten übernommen. Und in Düdelingen?