Risse im System
OGBL drängt auf Maßnahmen gegen Mobbing im öffentlichen Dienst
Tausende Beschäftigte leiden still unter Mobbing und missbräuchlichem Verhalten im öffentlichen Dienst. Der OGBL mahnt: Luxemburg muss handeln, bevor das System versagt.
Mobbing am Arbeitsplatz belastet Tausende Beschäftigte im öffentlichen Dienst Foto: Editpress-Archiv/Alain Rischard
Die jüngsten Berichte des Tageblatt bestätigen, was der OGBL seit Jahren anprangert: Beamte und Staatsangestellte, die in Luxemburg Opfer von Mobbing oder missbräuchlichem Verhalten ihrer Vorgesetzten sind, werden vom System weitgehend im Stich gelassen.
Im öffentlichen Dienst seien Beschäftigte, die Mobbing oder missbräuchlichem Verhalten ausgesetzt sind, in der Praxis stark von der Unterstützung ihres zuständigen Ministeriums abhängig, damit ein Fall überhaupt geprüft werde. Diese Abhängigkeit zeige ein deutliches strukturelles Problem: Fehlt auf dieser Ebene der Wille, zu handeln, bleibe die Situation oft festgefahren – konkrete Fortschritte erfolgen selten, und Vorfälle werden häufig „unter den Teppich gekehrt“, schreibt der OGBL in einer Pressemitteilung am Mittwoch.
Diese Erfahrungen decken sich mit den Ergebnissen von zwei Umfragen, die die OGBL-Gewerkschaften „Service Public“ und „Education et sciences“ im November 2025 durchgeführt haben: Mehr als 70 Prozent der Befragten berichteten von respektloser Kommunikation am Arbeitsplatz. Auffällig häufig stammen problematische Verhaltensweisen von Vorgesetzten. Viele Betroffene leiden unter zunehmendem psychischem Stress und gesundheitlichen Problemen und kehren oft in unveränderte Arbeitsumfelder zurück, ohne dass die Täter disziplinarisch belangt werden.
OGBL fordert Schaffung einer unabhängigen Anlaufstelle
Die rechtliche Lage verschärfe diese Problematik: Während Arbeitnehmer im Privatsektor seit 2023 die ITM einschalten können, existiert für die öffentliche Verwaltung keine vergleichbare Schutzinstanz. „Diese Ungleichheit ist grundlegend ungerecht und stellt eine gravierende Lücke im Schutz der Beschäftigten in Luxemburg dar“, betont der OGBL. Das bestehende Pflichtschweigen der Beamten führe zudem dazu, dass sie in dysfunktionalen Strukturen eingeschüchtert werden und ihre Stimme verlieren.
Die OGBL-Gewerkschaften „Service Public“ und „Education et sciences“ fordern deshalb einen klaren Rechtsrahmen gegen Mobbing im öffentlichen Dienst und im Bildungswesen. Dazu soll eine unabhängige Anlaufstelle geschaffen werden, die vertrauliche Meldungen aufnehmen und selbstständig ermitteln kann. Weiterhin fordern die Gewerkschaften Schutz der Betroffenen während des Verfahrens, verpflichtende Schulungen für Führungskräfte und eine Reform des aktuellen Beschwerdeverfahrens, dessen Fristen nicht mit der Realität der Opfer vereinbar sind.
Tausende Beschäftigte leiden unter einem System, das ihre Rechte nur unzureichend schützt, schreibt der OGBL. Die Gewerkschaften mahnen, dass die Schaffung einer unabhängigen Untersuchungskommission keine Frage des Managements, sondern eine menschliche Dringlichkeit ist. „In einem Staat, der sich als modern, sozial und die Grundrechte seiner Beschäftigten achtend versteht, ist es schlichtweg nicht hinnehmbar, dass Beschäftigte still leiden, während der Staat wegschaut.“ (DJ)