L’histoire du temps présent

Luxemburg und der Zweite Weltkrieg: Über den nationalen Tellerrand hinausschauen

In kaum einer Erklärung geschichtspolitischer Akteure im französischen Sprachraum zu den diversen Gedenk- und Jahrestagen, an denen an den Zweiten Weltkrieg erinnert wird, wie zum 8. Mai (Kriegsende in Europa) oder zum 10. Mai (deutsche Invasion Luxemburgs), fehlt der Hinweis auf das „devoir de mémoire“. Bei HistorikerInnen sorgt der Begriff jedoch nur noch für ein müdes Kopfschütteln. Der Aufruf zur Erinnerung wischt den Unterschied zwischen Geschichte und Erinnerung weg und bildet, darauf hat der Historiker Pieter Lagrou hingewiesen, allzu oft den durchsichtigen Versuch, durch den Verweis auf eine katastrophale Kriegsvergangenheit Kritik an den heutigen Zuständen zu entschärfen.

Einmarsch der Wehrmacht über den Pont Adolphe in Luxemburg-Stadt am 15. Mai 1940

Einmarsch der Wehrmacht über den Pont Adolphe in Luxemburg-Stadt am 15. Mai 1940 Foto: Archiv Revue

Mit etwas Abstand fordert der Blick auf die Ausstellungen und Erinnerungsfeierlichkeiten zum 75. Jahrestag des Kriegsendes zu einigen Überlegungen heraus. Zum einen fiel bei mancher Ausstellung auf, wie schwierig es offenkundig ist, die Forschungsergebnisse der HistorikerInnen in die festgefahrenen Narrative zum Zweiten Weltkrieg zu integrieren. Zum anderen stellt sich in Luxemburg jenseits aller Sonntagsreden die Frage, welche soziale Funktion der Geschichte zukommt. Wem erscheint der Blick in den Rückspiegel noch sinnvoll, um der Gegenwart zumindest einen Teil ihrer Kurzatmigkeit zu nehmen? Wie viel Geschichte braucht die Zukunft?

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