Plattformarbeit
Kampf gegen „mafiöse Methoden“: Lieferantenvereinigung und OGBL unterschreiben Kooperationsvertrag
Die ULL und der OGBL haben am Dienstagmorgen einen Kooperationsvertrag unterschrieben. Die Lieferanten sollen künftig auf Ressourcen des OGBL zurückgreifen können, ihre Unabhängigkeit jedoch behalten.
Lieferanten stellen die sichtbarste Form der Plattformarbeit dar. Doch auch weitere Sektoren sind betroffen. Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Die Vereinigung der Lieferanten Luxemburgs („Union des livreurs du Luxembourg“, ULL) und der OGBL haben am Dienstagmorgen einen Kooperationsvertrag unterschrieben. Damit formalisiert der OGBL die Zusammenarbeit mit den an Onlineplattformen gebundenen Lieferanten, die im Juni 2026 ihren Anfang genommen hat, als Mitarbeiter der Firma Wolt erstmals ihre Arbeit niederlegten. „Die Lieferanten wissen, was es bedeutet, in der Plattform-Ökonomie zu arbeiten, und möchten sich das nicht gefallen lassen“, begrüßt OGBL-Präsidentin Nora Back die formalisierte Zusammenarbeit. „Wir reden immer von neuen Arbeitsformen und kommen dann bei moderner Sklaverei heraus.“
Diesen Eindruck vermitteln auch die drei Gründer der ULL, Aymen Alibi, Dhia El Gafsi und Wassim Ben Ahmed, die fast 200 Lieferanten aus Luxemburg vertreten. Lange Arbeitszeiten von über 15 Stunden, keine Ruhetage, immer höhere Kosten und ein Mangel an Preistransparenz: Die Lieferanten sind den Plattformen und deren Algorithmen direkt ausgeliefert. Arbeitsbedingungen, die letzten Endes die Sicherheit der Mitarbeiter gefährden. Dass die Lieferanten freie Arbeitswahl haben, wie es Wolt im Sommer in einer Pressemitteilung vermitteln ließ, bestreiten die drei ULL‑Vertreter. „Es ist wirtschaftlicher Druck, der viele Lieferanten zur Arbeit zwingt“, sagt Aymen Alibi.