Jugendpolitik

Für mehr Screen-Life-Balance: Meisch stellt Jugendpakt vor

Mithilfe des neuen Jugendpaktes 2026-2030, den Bildungs- und Jugendminister Claude Meisch (DP) am Montag vorgestellt hat, sollen junge Menschen selbstbestimmt ihre Zeit gestalten und sie für ihre persönliche Entwicklung und für Engagement nutzen können. Es ist mittlerweile der vierte Pakt dieser Art.

SNJ-Direktor Georges Metz und Minister Claude Meisch präsentieren den Jugendpakt 2026-2030

SNJ-Direktor Georges Metz und Minister Claude Meisch präsentieren den Jugendpakt 2026-2030 Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Der Jugendpakt sei das Ergebnis eines breiten partizipativen Prozesses, betonte Minister Claude Meisch (DP) gegenüber Journalisten. Zum einen berücksichtige er die Jugendstrategie der Europäischen Union 2019 bis 2027 und jene des Europarats, die bis 2030 gültig ist, zum anderen seien sowohl Jugendliche als auch Akteure aus dem Jugendbereich einbezogen worden. Was nicht heißen soll, dass sie bei der Ausarbeitung mitwirkten, sondern dass im Rahmen einer Reise des Ministers im vergangenen Jahr durch vier Regionen des Landes Gespräche mit 250 jungen Menschen geführt wurden.

Bereits 2024 war eine Umfrage unter 500 Jugendlichen über ihre Erfahrungen in ihrer Gemeinde durchgeführt worden. Hinzu kam, dass der „Service national de la jeunesse“ (SNJ) zwischen Februar und April dieses Jahres sechs Fokusgruppen mit mehr als 40 Jugendlichen organisierte, auf Basis der Ergebnisse des vom Ministerium alle fünf Jahre in Auftrag gegebenen und von der Universität Luxemburg erstellten Nationalen Jugendberichts 2025. Außer dem wissenschaftlichen Teil, in den zudem unter anderem Resultate der Youth Survey Luxembourg, für den im vorletzten Jahr 4.779 Jugendliche befragt wurden, und des Eurobarometers einflossen, kam der Dialog mit Jugendorganisationen und Vertretern des Sektors: dem Dachverband der Jugendstrukturen, der „Fédération des acteurs du secteur social au Luxembourg“ und dem „Jugendrot“.

Konsequenz aus dem Jugendbericht

Der im März präsentierte Nationale Jugendbericht „Leben und Aufwachsen in Online- und Offline-Welten“ bestätigte, dass digitale Technologien das Leben und Wohlbefinden der Jugendlichen und jungen Erwachsenen entscheidend prägen. Das betrifft den großen Einfluss der sozialen Netzwerke ebenso wie die Omnipräsenz von Bildschirmen allgemein. Die gesellschaftsbezogenen Ängste der jungen Menschen bestehen vor allem aus jenen vor Krieg, Erkrankung, Umweltverschmutzung und Klimawandel. Ein Fazit des Jugendberichts war, dass das allgemeine Wohlbefinden der Jugendlichen seit 2019 gesunken ist. Der Kontext des Aufwachsens sei komplexer und komplizierter geworden.

Der rote Faden des neuen Jugendpakts heißt „De Jonken eng gutt Zäit erméiglechen“. Um ein besseres Gleichgewicht zwischen Bildschirmzeit und Offline-Aktivitäten (Screen-Life-Balance) zu fördern, konzentriert sich das Ministerium auf eine Jugendpolitik, die jungen Menschen Zeit ohne Bildschirme ermöglicht. Der Pakt besteht aus 48 Initiativen, verteilt auf fünf Achsen: „Méi Zäit mat Gläichaltrege verbréngen“, „Dat Bescht aus senger Fräizäit maachen“, „Seng Zäit fir d’Allgemengheet asetzen“, „Wëssen, wéi ee seng Zäit gutt notze kann“ und „Ënnerstëtzt ginn“.

18,2

Prozent der Jugendlichen fühlten sich in den vergangenen zwölf Monaten oft einsam

Eine Zeit ohne Bildschirm ermöglicht den Jugendlichen verstärkt, Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen zu sammeln, sich zu engagieren und ihren Weg zu finden oder, wie Minister Meisch mehrmals sagte: „Zeit mit anderen zu verbringen, um Neues auszuprobieren, ohne sich gleich zu engagieren.“ Ein Blick in die in dem Pakt aufgeführten Statistiken ist durchaus ernüchternd: Nur 13,3 Prozent der Menschen zwischen 12 und 29 Jahren treffen ihre Freunde 20 Stunden oder mehr pro Monat, und 18,2 Prozent der Jugendlichen haben sich in den vergangenen zwölf Monaten oft einsam gefühlt. Vor allem unter den Mädchen ist die Einsamkeit besonders ausgeprägt: 24 Prozent der Mädchen von 11 bis 18 Jahren erklärten, sie hätten sich oft einsam gefühlt, im Vergleich zu zwölf Prozent der Jungen.

„Wir wollen ihnen die nötigen Freiräume, Möglichkeiten und Unterstützung bieten, damit sie ihre Talente entfalten und neue Interessen entdecken können, aber auch Zeit mit Gleichaltrigen verbringen und Freundschaften knüpfen können“, betonte Meisch. Dazu bedarf es aber auch Räumlichkeiten. Unter den befragten Jugendlichen waren häufig Antworten wie diese zu hören: „Et gëtt och quasi keng Méiglechkeet, fir ze soen: Ech feieren elo gäre mäi Gebuertsdag op iergendenger Plaz hei.“ Oder: „Et wier cool, ëffentlech Plazen ze hunn, wou een och kann higoen, wann d’Jugendhaus zou ass, fir zum Beispill do mat Bäll zu spillen oder Sport ze maachen.“

SNJ-Direktor Georges Metz zufolge soll eine engere Zusammenarbeit mit den Jugendhäusern stattfinden. Mit der Initiative „Deng Gemeng, deng Infoen“ soll eine Vernetzung der Dienste stattfinden. Der Jugendpakt soll nun diese Möglichkeiten und Orte schaffen, an denen sich Jugendliche treffen und Zeit miteinander verbringen können. Die 48 Maßnahmen sollen bis 2030 schrittweise umgesetzt werden. Das Ministerium will Kommunen und lokale Akteure ermutigen, entsprechende Orte zu schaffen: etwa Jugendcafés oder Jugendzentren. Für jede der fünf Prioritäten sind konkrete Projekte geplant. Zum Beispiel bündelt die neue Online-Plattform JugendAkademie (JAK) Weiterbildungsangebote für junge Menschen und präsentiert etwa Angebote des SNJ. Die Jugendlichen sollen sich auch außerhalb von Vereinsstrukturen treffen, so Metz.

Wir können vielleicht sagen, wie viele Jugendhäuser eröffnet werden. Aber den Erfolg können wir nicht mit einer Zahl bemessen.

Georges Metz

SNJ-Direktor

Darüber hinaus sollen junge Leute durch ihr Engagement Verantwortung übernehmen, zum friedlichen Zusammenleben beitragen und ihre Meinung deutlich machen, heißt es seitens des Ministeriums. Der „Jugenddësch Bénévolat“, organisiert vom „Jugendrot“ in Partnerschaft mit dem Bildungs- und dem Familienministerium, werde die Akteure zusammenbringen, um konkrete Maßnahmen zur Förderung der Freiwilligentätigkeit von Jugendlichen zu fördern. Für Kinder gebe es Spielplätze und auch Orte für ältere Menschen, wo sie sich treffen können, aber für Jugendliche kaum etwas. Vor allem im ländlichen Raum herrscht Mangel. Vielen Jugendlichen bleibe nichts anderes als das nächste Bushäuschen.

Ins Jugendhaus statt ins Bushäuschen: SNJ-Direktor Georges Metz

Ins Jugendhaus statt ins Bushäuschen: SNJ-Direktor Georges Metz Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Ob die ministeriellen Maßnahmen „top down“, also von oben, etwas bewirken und genügend Freiräume und Jugendliche an der Basis dann etwas aufbauen lassen, gewissermaßen „bottom up“, muss sich noch herausstellen. „Wir können vielleicht sagen, wie viele Jugendhäuser eröffnet werden“, so Georges Metz. „Aber den Erfolg können wir nicht mit einer Zahl bemessen.“ Der Dialog, der die Ausarbeitung des Jugendpakts begleitet hat, soll während der gesamten Umsetzung fortgesetzt und die Maßnahmen in Absprache mit den Jugendlichen und den Akteuren des Sektors regelmäßig überprüft werden. Sie sollen laut Ministerium den wandelnden Bedürfnissen und Herausforderungen Rechnung tragen.

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