Steigende Gaspreise, fehlende Wärmenetze
Beim Heizen riskiert die Energiewende zur sozialen Frage zu werden
Wärmepumpen gelten als Schlüsselelement der Energiewende und werden vom Staat bezuschusst. Die Fördergelder kommen aber vor allem Haushalten im ländlichen Raum zugute. Für dicht besiedelte Gebiete sind sie ungeeignet. Dort soll künftig mit Wärmenetzen geheizt werden. In Luxemburg sind sie aber noch selten und es fehlt an einem kohärenten Rechtsrahmen. Das könnte mittelfristig neue soziale Ungerechtigkeiten schaffen.
Der „Klimabonus Wunnen“ für Wärmepumpen kommt bislang vor allem Eigentümern von Einfamilienhäusern im ländlichen Raum zugute Foto: Editpress/Julien Garroy
Dieses Jahr würden die Gaspreise nicht steigen, doch für 2027 gehe Enovos „derzeit schon davon aus, dass sich die aktuell sehr hohen Gaspreise auch auf die Kunden niederschlagen werden“, sagte der CEO des Energieunternehmens, Erik von Scholz, am Donnerstag im Radio 100,7. Wie hoch, das könne man aus heutiger Sicht noch nicht ermitteln. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine belegte die EU den russischen Öl- und Gassektor mit Sanktionen. Der Krieg im Nahen Osten treibt die Marktpreise zusätzlich in die Höhe. Um die Preissteigerung abzufedern, hatte das „Comité de coordination tripartite“ im Juni eine staatliche Bezuschussung von 15 Cent pro Kubikmeter Gas für Privathaushalte ab dem 1. August beschlossen. Am 31. Dezember läuft diese Subvention der Netzkosten aus. Ob sie verlängert wird, ist bislang nicht bekannt, die nächste Tripartite soll spätestens im Oktober stattfinden.
Dass der Gaspreis steigt, ist in der EU politisch gewollt. Um die Energiewende zu beschleunigen und bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen, hat die Vorgängerregierung 2021 eine progressive CO₂‑Steuer mit Sozialausgleich auf fossilen Brennstoffen eingeführt (ab 2028 will die CSV-DP-Regierung die CO₂‑Steuer aufgeben und sich dem europäischen Emissionshandel „ETS-II“ für Transport und Gebäude anschließen). Gas und Erdöl sollen in den nächsten 25 Jahren kontinuierlich teurer werden, während der Strompreis sinkt. Damit sollen die Bürger dazu ermutigt werden, auf Elektroautos umzusteigen und ihre Gas- oder Masutheizung durch eine Wärmepumpe zu ersetzen. Je stärker der Gasverbrauch sinkt, desto höher werden die Netzkosten pro Kubikmeter, was Gas noch teurer machen wird.