Editorial
Wer die Jugend abschreibt, hat schon verloren
Die „Jugend von heute“ steht schnell in der Kritik. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Hinter Schulabsentismus und Rückzug stehen oft komplexe Ursachen – und eine Gesellschaft, die zu schnell urteilt.
„Die Jugend von heute ist dauernd am Zocken“ ist ein gängiger Vorwurf. Doch für manche stellen die Spiele auch eine Flucht aus der eigenen Lebenswelt dar. Foto: Editpress/Alain Rischard
Die Klagen über die „Jugend von heute“ sind alles andere als neu. Schon der römische Dichter Horaz hielt fest: „Eine Generation von Eltern, schon schlechter als ihre Vorfahren, hat uns hervorgebracht – und wir werden noch schlechtere Kinder zeugen.“ Und Johann Wolfgang von Goethe bemerkte Jahrhunderte später: „Die Jugend will lieber angeregt als unterrichtet sein.“ Ein Gedanke, der auch auf jene Jugendlichen zutreffen könnte, an die sich Outreach-Angebote von Jugendzentren wie in Düdelingen richten.
Wer Schulschwänzern beim Herumhängen begegnet, fällt oft schnell ein Urteil. Dann fallen Begriffe wie „faul“, „asozial“ oder „Absteiger“. Man unterstellt ihnen Drogenkonsum, kriminelle Tendenzen oder eine künftige Belastung für die Gesellschaft. Doch abgekanzelt, ignoriert oder vorschnell abgeschrieben – so ist ihnen nicht geholfen.