Leserforum
Warum erst nach 2040? Luxemburgs verpasste Chance im Bahnnetz
Nach 2040 soll eine bessere Verbindung über Konz nach Saarbrücken und Mannheim entstehen – so zumindest die politischen Aussagen. Doch es stellt sich eine einfache Frage: Warum eigentlich erst dann?
Technisch ist vieles schon heute möglich. Über Konz kann man bereits seit Langem nach Saarbrücken fahren – es müsste lediglich die entsprechende Weiche gestellt werden. Allerdings wäre diese Verbindung langsam und damit wenig attraktiv. Auch eine andere Route existiert bereits: Über Metz, Straßburg und weiter mit dem ICE nach Mannheim kommt man vergleichsweise schnell ans Ziel. Doch diese Umwege zeigen vor allem eines – eine direkte, leistungsfähige Verbindung fehlt.
Dabei liegt eine naheliegende Lösung auf dem Tisch: eine Strecke von Bettemburg über Merzig nach Saarbrücken. Kein utopisches Großprojekt, sondern eine realistische Ergänzung des bestehenden Netzes. Eine solche Verbindung würde Luxemburg deutlich besser an das europäische Bahnnetz anbinden.
Die Idee ist keineswegs neu. Schon im vorletzten Jahrhundert gab es entsprechende Pläne. Damals gelang es zwischen 1862 und 1867, trotz schwieriger Topografie mit Tunneln und Brücken eine Bahnstrecke von Ettelbrück nach Ulflingen zu bauen. Heute erscheint eine rund 59 Kilometer lange Neubaustrecke bis Merzig dagegen fast bescheiden.
Die Vorteile liegen auf der Hand: Eine Verbindung Mannheim - Saarbrücken - Luxemburg - Brüssel könnte zu einer neuen, attraktiven ICE-Achse werden. Luxemburg hätte die Chance, sich – neben oder sogar zusätzlich zu Metz – als zentraler europäischer Eisenbahnknotenpunkt zu etablieren. Doch dafür braucht es politischen Willen und vor allem: Investitionen. Wer ernsthaft über Klimaschutz und die Verlagerung von Verkehr auf die Schiene spricht, kann es sich nicht leisten, solche Projekte auf die lange Bank zu schieben.
Ein Blick nach Frankreich zeigt, was möglich ist. Ohne den Ausbau des TGV-Netzes wären schnelle Verbindungen nach Paris, Straßburg oder in den Süden des Landes heute undenkbar. Die Entscheidung ist letztlich eine Frage der Prioritäten: Wollen wir weiter im Autoverkehr ersticken – oder rechtzeitig in eine nachhaltige, leistungsfähige Bahninfrastruktur investieren?