Retro 2019
Warum Bratwurst im Stadion besser schmeckt als Broccoli beim Livestream
Da wären wir wieder. Beim traditionellen, zwanghaften Versuch, die emotionalste Erinnerungen der vergangenen zwölf Monate noch einmal aufblühen zu lassen. Doch welchen Eindruck vermittelt man eigentlich, wenn man die Höhepunkte eines Kalenderjahres auf einem Handybildschirm verfolgt hat? Und … gilt das überhaupt? Heben wir uns die Antwort auf diese philosophische Frage für 2020 auf und blicken zurück, was in diesem Jahr noch so alles schiefgelaufen ist.
Tom Schnell und der F91 Düdelingen spielten dreimal vor einer spärlichen Kulisse Foto: Editpress/Gerry Schmit
Man stelle sich vor: Als Düdelingen nach einer Achterbahnfahrt der Gefühle im dramatischen Elfmeterschießen gegen Ararat-Armenia die Gruppenphase der Europa League erreicht, sitze ich auf einem höchst allergieauslösenden Teppichboden des berühmtesten New Yorker Flughafens. Ein Auge gerichtet auf einen Rucksack-Turm und zwei aufgedrehte Kleinkinder, das andere auf Jonathan Joubert. Ende September dann sozusagen „Strike“ Nummer zwei: Die gleiche Mannschaft holt in Nikosia den allerersten Europa-League-Sieg überhaupt. Sie erahnen es: Der Standort an diesem Abend hat wieder einmal nichts mit Toren und Fußballtempel-Atmosphäre zu tun, sondern es handelt sich um ein enges Hotelzimmer im Kinderparadies namens Disneyland, Handy-Livestream und überdrehte Zweijährige inklusive.