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Schöne Grüße aus Guantanamo

Schöne Grüße aus Guantanamo

Wenn Sie in diesem Sommer vorhaben, Ihren Urlaub in den USA zu verbringen, so besteht die Möglichkeit, dass Sie bei Ankunft in Amerika verhaftet, eingesperrt und ausgewiesen werden. So erging es neulich einer jungen Schweizerin, die ihren 21. Geburtstag in New York feiern wollte. Am Flughafen sagte man ihr: „Sie haben kein Recht hier.“ Dann landete sie in einem verkommenen Gefängnis im Staat New Jersey, von wo sie in die Schweiz abgeschoben wurde. Von diesem Vorfall berichtete die NZZ in ihrer Online-Ausgabe.

Es gibt in den USA ungefähr 14 Millionen undokumentierte Migranten. Die meisten von ihnen leben dort seit Jahrzehnten, arbeiten, zahlen Steuern, Sozialabgaben und unterhalten eine Familie. Ohne diese Menschen würden ganze Zweige der Wirtschaft zusammenbrechen. Würde die Trump-Administration sich begnügen, nur alle straffälligen Migranten auszuweisen, so hätte sie der Sicherheit im Land einen großen Dienst erwiesen. Aber das würde keinen Protest auslösen und ergäbe keine Gelegenheit für Trump, sich in den Medien zum Retter der Nation aufzuspielen.

Im Zusammenhang mit den Protestaktionen gegen die Deportation von nicht dokumentierten Migranten ist dem Donald plötzlich eingefallen, dass man ja noch den Marinestützpunkt Guantanamo auf Kuba hat, wo viele Migranten und sonstige lästige Ausländer „untergebracht“ werden könnten. Guantanamo ist ein völlig rechtsfreier Raum. Er wurde nach den Anschlägen vom 9/11 berühmt und berüchtigt, als man alle schuldigen oder nur verdächtigen Islamisten wie Tiere dort einsperrte. Wer hier landet, sollte alle Hoffnung fahren lassen, denn er genießt keine Menschenrechte mehr. Hier gibt es keine Anwälte, keine Staatsanwälte, keine Prozesse, keine Berufung, keine Justiz. Es ist ein Hinterhof der Zivilisation. Zwei Europäer, ein Deutscher und ein Franzose riskieren hier untergebracht zu werden, berichten verschiedene Medien.

Vielleicht machen Sie auch noch Bekanntschaft mit Guantanamo, wenn Sie diese Warnung in den Wind schlagen. Dann werden Sie bereuen, nicht nach Nordkorea gefahren zu sein.

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