Editorial

Offenheit ist Trumpf im Kampf gegen das Virus

Das richtige Gefühl für Distanz ist in Corona-Zeiten gefragter denn je

Das richtige Gefühl für Distanz ist in Corona-Zeiten gefragter denn je Foto: Editpress/Julien Garroy

Transparenz in Sachen Corona ist ein Thema, bei dem sich niemand einig ist. Die vor kurzem (versehentlich) veröffentlichte Karte, die die Neuinfektionen pro Gemeinde aufschlüsselt, hat bei der Lokalpolitik zusätzliche Ängste vor Stigmatisierungen geschürt. Da die Karte den Süden des Landes als Hotspot ausweist, haben einige Gemeindeverantwortliche Angst, dass diese Ortschaften nun gemieden werden könnten. Ob diese Befürchtung berechtigt ist, bleibt unklar.

Dabei zeigt die Karte keine überraschenden Erkenntnisse, sondern lediglich, dass es nach wie vor viele Neuinfektionen gibt, wo auch viele Menschen auf engem Raum zusammenleben. Gerade die zweite veröffentlichte Karte, die die Infektionen auf 10.000 Einwohner projiziert, hat für die breite Öffentlichkeit und ein kleines Land nicht viel Sinn.

Ortschaften mit niedriger Einwohnerzahl können dadurch an die traurige Spitze katapultiert werden, wie die Beispiele Kiischpelt oder auch Schieren zeigen. Was passieren kann, wenn Informationen ohne Weiteres übernommen werden, zeigt der momentane Wirrwarr mit dem deutschen Robert-Koch-Institut und der Einstufung Luxemburgs als Risikogebiet. Ob und wann das Großherzogtum wieder von dieser Liste entfernt wird, steht noch nicht fest. 

Ein weiterer Fakt ist, dass die Menschen innerhalb Luxemburgs viel unterwegs sind: Oft arbeiten sie nicht dort, wo sie ihre Wohnadresse haben. Zum Einkaufen geht es in den Nachbarort, wie auch für den Restaurantbesuch.

Des Weiteren ist mehr Transparenz von der Regierung gefragt. Vor allem die Gemeinden scheinen noch immer nicht genügend über die Situation in Kenntnis gesetzt zu werden. So wussten sie vor der Veröffentlichung der Karten nichts von den gesammelten Zahlen. Bei der Gesundheitsinspektion selbst haben viele Diskussionen darüber stattgefunden, welche Zahlen an die Öffentlichkeit gelangen sollen.

Einige Lokalpolitiker wie auch das Syvicol wünschen sich öffentliche Informationen darüber, wo sich die Infizierten angesteckt haben. Doch auch hierbei bleibt das Risiko der Stigmatisierung bestehen: Wenn sich die Infektionscluster nun in dieser oder jener Ortschaft befinden, könnten diese ebenfalls verstärkt gemieden werden.

Trotzdem ist Offenheit immer die beste Wahl, um Spekulationen vorzubeugen. Die Situation ist nun einmal, wie sie ist – unerwünschte Zahlen unter den Teppich zu kehren, hilft nicht beim Kampf gegen Corona.

Eine der Hauptursachen für Neuinfektionen sind nach wie vor Treffen im privaten Rahmen. Durch mehr Transparenz über die Infektionsherde würden sich vielleicht einige wieder des Ernstes der Lage bewusst werden – und darüber, wie schnell sich das Virus verbreiten kann, sobald es die Gelegenheit dazu bekommt.

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