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Note ungenügend

Note ungenügend

Herr Hollerich ist Jesuit, also Mitglied einer Gemeinde, der man gerne Intelligenz, ja Gerissenheit zuschreibt. Beides aber sucht man vergebens in Kardinal Hollerichs Ausführungen im RTL-Interview. Im Gegenteil. Eine eher etwas tölpel- und pöbelhafte Weise, die Luxemburger Abtreibungspolitik der fast totalitären Überstülpung eines Meinungszwangs zu bezichtigen. Und dies in der karikatural arroganten Manier einer ehemalig mächtigen Kirche, die genau das während tausend Jahren tat. Nämlich den Menschen unter Zwang eine Meinung überzustülpen.

Ein Kardinal, der, in einem noch immer freien demokratischen Land, dem Staat totalitäre Tendenzen zuschreibt, mit schamlosen Unterstellungen von Meinungsfreiheit („wenn man sich nicht mehr frei äußern kann“), von deren Gegenteil er im selben Augenblick ganz ungeniert Gebrauch macht, ist nicht seriös. Darüber hinaus ist er sich sogar nicht zu schade, mit Rechtsextremismus zu drohen, wenn unsere Politiker je seine Anordnungen nicht berücksichtigen würden.

Die Gewissheit der Wahrheit birgt in sich die totalitäre Versuchung. Um sich vor dieser Versuchung zu schützen, ist die Verankerung des Rechts auf Abtreibung in der Verfassung eine gute Idee.

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