Der Politflüsterer
Mischo und die Würstchen
Georges Mischo, die Winzer und die Würstchenbude in Osaka sind diesmal des Politflüsterers Themen.
Das Luxemburger Pavillon in Osaka Foto: Editpress/Chris Schleimer
Der Empfang im Weinbauinstitut in Remich war ganz nach des Politflüsterers Geschmack. Viele interessante Leute an einem Ort versammelt. Gute Kontakte, gute Informationen. Gelernt hat er dabei etwas Grundsätzliches: Winzer ticken anders als Bauern. Während Letztere beim Mercosur-Abkommen Schaum vor den Mund bekommen, sehen Erstere darin eine Tür zu fernen Märkten. Moselwein goes global. Mit Stil. Vielleicht desalkoholisiert, aber nicht desillusioniert.
Auch Georges Mischo, Kurzzeitarbeitsminister, war anwesend. Wieder unter „normalen Leuten“, hieß es. Offiziell begrüßt als Abgeordneter. Dabei ist er noch gar nicht vereidigt. Das folgt erst am Dienstag. Wobei der eine oder andere vielleicht lieber sähe, er würde sein Glück woanders suchen. Vor allem nach dem Rundumschlag-Interview mit Sprengstoffgarantie am Donnerstag bei RTL. Mal hören, welche Bilanz er am Montagmorgen im 100,7-Interview ziehen wird.
Apropos Bilanz. Da war doch noch etwas. Irgendwas mit O. O wie … Osaka. Klingt hart. Zerschmetternd. Gemeint ist die Weltausstellung in Osaka. April bis Oktober. Viel gehört hat man nicht. War wohl eine intime Angelegenheit. Kein normaler Luxemburger Steuerzahler jettet ja eben mal kurz nach Japan, um sich anzuschauen, wie ein großherzoglicher Pavillon für läppische 30 Millionen Euro aussieht.
„Designing Future Society for Our Lives“ lautete das Motto der Expo. Also in etwa: Wie wollen wir unsere Zukunft gestalten? Von offizieller Seite wurde die Teilnahme als Erfolg verbucht. Die Frage bleibt: Welcher genau? Wurde Luxemburg dem Anspruch gerecht? Was bringt das dem Land, den Betrieben, jenen, die hier tatsächlich Zukunft gestalten?
Immerhin: Zahlen wurden geliefert. Sie lesen sich allerdings eher wie die Bilanz eines größeren Schützenfestes. 379.000 Besucher. 19.500 Grillwürstchen. 52.000 Gläser Wein. 7.800 Gromperekichelcher und 3.700 Salat-Brioche-Kombinationen. Na bitte. Wer braucht schon Forschung, Innovation oder Wirtschaftsimpulse, wenn man Würstchen zählen kann? Zukunft geht durch den Magen. Luxemburger Grillwürste und Moselwein erobern den Weltmarkt. Exportschlager deluxe. Jetzt verstehen wir auch die Winzer.
Der Politflüsterer hat es immer schon gesagt: Wer dachte, Zukunft würde durch Strategie gestaltet, hat offenbar die Würstchen vergessen.