Der Politflüsterer
Lex D., Léon G. und der Traum vom großen Los
Lex Delles scherzt. Léon Gloden spielt. Esch jagt den Leerstand. Die Verteidigungsdirektion rüstet den Euro auf. Und der Politflüsterer macht Pause. Bis September.
Lex Delles bringt sogar Léon Gloden zum Lachen Foto: Editpress/Julien Garroy
Es irrt der Mensch, solange er bierernst grantelt. Deshalb hält es der Politflüsterer mit Humor und Ironie. Denn wer über die Politik nicht mehr lachen kann, dem bleibt nur noch die Verzweiflung.
Lex Delles versteht sich aufs Scherzen. Bei der Einweihung des neuen Pontons in Schengen erklärte er augenzwinkernd, Innenminister Léon „Safety“ Gloden habe sich bereit erklärt, Schwimmwesten zu verteilen. Der Angesprochene lachte. Leider hielt kein Fotograf den raren Moment fest. Aufnahmen eines lachenden Innenministers sind vermutlich seltener als jene eines badenden Tourismusministers.
Auch als Léon Gloden jüngst EuroMillions gespielt haben soll, war kein Knipser zur Stelle. Dem Politflüsterer wurde zugetragen, seine Lose habe er in der Hauptstadt, rue Porte-Neuve, gekauft. Ist es um die Staatsfinanzen bereits so schlecht bestellt, dass nun schon ein Minister auf das große Los hoffen muss?
Um ein Eigenheim muss sich der Innenminister jedenfalls nicht sorgen. In Esch fehlt dagegen vielen ein menschenwürdiger Schlafplatz. Gleichzeitig stehen Wohnungen und ganze Häuser leer. Der Widerspruch ist unübersehbar: Hier ungenutzter Raum, dort Menschen ohne Raum zum Leben. Die Escher Stadtverwaltung will dem Leerstand jetzt an die Pelle rücken. Mit einer hohen Straftaxe. Die Absicht ist richtig. Ob die Taxe wirkt, muss sich zeigen. Denn jede Regel kennt Ausnahmen, und jede Ausnahme lädt dazu ein, sich auf sie zu berufen. Und wie wird die Taxe bei Häusern eingetrieben, um die sich ihre Eigentümer nicht mehr kümmern? Und was gilt für leer stehende Wohnungen in Appartementhäusern? Bürgermeister Christian Weis sollte diese Fragen beantworten. Denn eine Taxe allein öffnet noch keine verschlossene Wohnungstür.
Der Politflüsterer dankt der Direction de la défense für die treffendste Satire auf den europäischen Rüstungswahn: Panzer, Pistolen und Kampfjets auf KI-generierten Euro-Scheinen. Die Direktion wollte die Militarisierung vermutlich nicht salonfähig machen. Sie hat nur gezeigt, dass sie im eigenen Salon längst Platz genommen hat.
Nun denn. Der Politflüsterer verabschiedet sich in die Sommerpause. Was könnten Politiker in diesen Wochen tun? Zuhören. Dazu riet am Mittwoch auch die Lieblingszeitung des Politflüsterers. Zuhören heißt nicht, wie Populisten, dem Volk nach dem Mund zu reden. Es heißt, die Menschen ernst zu nehmen. Vielleicht hören manche Politiker sogar einmal in sich selbst hinein.
Wir flüstern uns. Im September. (Marco Goetz)