Editorial
Keine VARsagerei: Schiedsrichtervideoassistent bleibt fragwürdiges Werkzeug
Stecker raus: Am vergangenen Sonntag kappten Fans von Preußen Münster in der 2. Bundesliga eine VAR-Leitung. Die Abneigung gegenüber dem Videoschiedsrichter nimmt zu, von zunehmender Gerechtigkeit ist nämlich keine Spur.
Felix Bickel musste blind auf den „Keller“ vertrauen Foto: dpa/Bernd Thissen
Der deutsche Schiedsrichter Felix Bickel blickt am Sonntag auf einen schwarzen Schirm. Die Nachspielzeit der ersten Hälfte läuft bereits. Seine Hand geht zum Ohrstöpsel. Er lässt sich die Anspannung bei der kuriosen Szene nicht anmerken. Zunächst sieht es nach einer technischen Panne im Stadion aus. Die Bilder, die ihm bei der Entscheidung – Elfmeter oder nicht – hätten helfen sollen, erscheinen aber nicht mehr auf dem Monitor. Der Hauptschiedsrichter unterhält sich über sein Mikrofon mit den Kollegen im „Kölner Keller“ und entscheidet sozusagen blind: Er vertraut auf die Einschätzung der Kollegen im „Kölner Keller“ – und gibt den Strafstoß.
Binnen weniger Sekunden hat diese Aktion des Zweitliga-Duells zwischen Preußen Münster und Hertha BSC eine weitere, neue Grenze des Videoassistenten aufgezeigt. Im Fanblock ging zeitgleich ein Spruchband hoch: „Dem VAR den Stecker ziehen.“ Ein einziger Zuschauer hatte das System lahmgelegt. Auf den Fernbildern ist zu erkennen, wie eine Person zurück über den Zaun in den Fanblock springt. Später stellt sich heraus: Der Zuschauer hatte ein Kabel gezogen und damit die Verbindung gekappt.