Leserforum
GridX… ein Satz mit X
Ein Jubiläum ist normalerweise ein Grund zum Feiern. Bei GridX in Wickringen wurde daraus am Sonntag jedoch eher ein Tag zum Abhaken – und ein Lehrstück darüber, wie weit Werbung und Wirklichkeit auseinanderliegen können. Der erste Geburtstag war mit großem Tamtam angekündigt worden: ein „festliches Jubiläumswochenende“ mit Unterhaltungsprogramm und Workshops, einem Konzert sowie einem „Tag der offenen Tür“ mit Überraschungen von 10 bis 19 Uhr. Und die gab es tatsächlich reichlich! Ich hatte mir einen guten Plan ausgedacht: Während ich eine Versammlung in Niederkorn besuchte, konnte meine Frau im Vorzeigeprojekt der Baugruppe Giorgetti auf Shoppingtour gehen. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Meine Turnfreunde empfanden die Idee als genial.
Gegen 13 Uhr stieß ich zu ihr. Statt sie im Kaufrausch mit vollen Einkaufstüten anzutreffen, saß sie frustriert an der Bar. Nicht etwa, weil sie mich vermisst hatte, sondern weil die „Portes ouvertes“ offenbar auch bei den Öffnungszeiten für Überraschungen sorgten, wie sie mir verärgert mitteilte. Das exklusive Modehaus, das mit 15 Prozent Rabatt auf die gesamte Herbstmode warb, hatte noch geschlossen. Öffnung? Überraschung: erst um 14 Uhr. An der Rezeption empfahl man ihr als Trost einen dreistündigen Rundgang durchs Automobilmuseum. Glänzende Karosserien statt Shopping – für Chantal eher Zeitverschwendung als ein angemessenes Jubiläumsprogramm. Also blieb nur Kaffee. Und ein 14 € teurer Longdrink, um die Wartezeit zu verkürzen.
Immerhin versprach das Restaurant mit seinem exklusiven 30-Euro-Menü einen Lichtblick: „Découverte du chef avec 5 services“. Das Essen war zweifellos hervorragend. Allerdings wurden aus den angekündigten fünf Gängen nur vier. Der Küchenchef erklärte, es handele sich um einen „Schreibfehler der Marketingabteilung“. Das kann ja vorkommen. Eine kommerzielle Geste. Fehlanzeige. Für die musikalische Begleitung sorgten derweil Elektro-Gokarts, mit denen Kinder zwischen den Tischen der „Taste Food Hall“ herumkurvten. Familienerlebnis eben – ob man es nun wollte oder nicht. Nach einem Espresso ging es endlich los mit dem langersehnten Shopping. Ein T-Shirt und ein Blazer gefielen. Doch an der Kasse die nächste Überraschung: Flecken auf dem T-Shirt, eine defekte Aufhängekette am Blazer. Ob man beim Preis etwas machen könne? „Es sind doch bereits 15 Prozent weniger“, lautete die Antwort. Also blieb auch das erhoffte Schnäppchen im Geschäft. Jetzt konnte nur noch die Jubiläumslotterie den Tag retten. Sechs Zahlen, dazu die überall „versteckte“ Geheimzahl 1 – und mit etwas Glück 100.000 €.
„Was machen Sie, wenn Sie gewinnen?“, fragte mich der junge Mann mit dem Mikrofon. „Eine Weltreise“, antwortete ich spontan. Doch auch daraus wurde nix. Was blieb vom „festlichen Jubiläumswochenende“? Geschlossene Geschäfte. Vier statt fünf Gänge. Ware mit Flecken. Ein defekter Blazer. Und reichlich Überraschungen, auf die man gerne verzichtet hätte. Zum Abschluss gab es dann noch eine letzte Überraschung: 2,50 €. Fürs Parken. GridX – ein Satz mit X. Das war wohl nix.