Der Politflüsterer

Grenztheater

Trump-Lob der US-Botschafterin, royales „Law & Order“, Saum-Metaphysik auf der Berlinale: Der Politflüsterer protokolliert grenzwertige Szenen. Polittheater in mehreren Akten.

Theaterbühne mit dramatischer Beleuchtung und der Aufschrift „All the world‘s a stage“ als literarisches Zitat

„All the world‘s a stage“ Foto: U.S. Embassy Luxembourg (auf Facebook)

„Die ganze Welt ist eine Bühne“, schrieb Shakespeare. Und Luxemburg spielt gerade in einer sehr speziellen Inszenierung: Politkabarett mit internationalen Gaststars, Eintritt frei, Kontrolle am Ausgang.

Erster Akt: Die U.S. Embassy Luxembourg postet zum Präsidententag ein Foto mit Botschafterin Stacey Feinberg. Sie gratuliert Donald Trump mit den Worten „Greatest President in History“. Ein Liebesbeweis, der wehtut, denkt der Politflüsterer. Im Publikum: abertausende lachender Emojis. Selten war Diplomatie so unfreiwillige Stand-up-Comedy. So ist das eben: Wenn Pathos zu dick aufgetragen wird, rutscht es auf der Bananenschale der Kommentarspalte aus.

Zweiter Akt: In London wird es plötzlich dokumentarisch. Andrew Mountbatten-Windsor, „formerly known as Prince“, wird wegen Verdachts auf Amtsmissbrauch im Zusammenhang mit Epstein festgenommen, rund elf Stunden auf der Wache, dann „released under investigation“. Man möchte sagen: Die Monarchie probt jetzt auch „Law & Order“, nur ohne Drehbuchsicherheit. Staffel offen, Würde geschlossen.

Dritter Akt: Berlinale. Während draußen die Weltlage knirscht, gönnt sich Luxemburg ein Feuilleton-Intermezzo. Premier Luc Frieden, nicht gerade ein Mann, der Konfetti atmet, findet Zeit, über Dua Lipas Auftritt und das dazugehörige Kostüm zu sprechen. Wenn der Stoff knapp wird, wird die Aussage plötzlich groß, und wer sonst über Haushaltszahlen spricht, entdeckt die Metaphysik des Saums. Grenzwertig.

Vierter Akt: Munich Security Conference, 14. Februar, Valentinstag. Yuriko Backes und Xavier Bettel lächeln geschniegelt in die Kameras, während US-Außenminister Rubio Europa in höflichem Ton die Leviten liest: Allianz ja, aber bitte nach Drehbuch Washington. Eine Ohrfeige mit Samthandschuh. Wer „Partnerschaft“ sagt, meint wohl manchmal „Regieanweisung“.

Finale: Im Dreiländereck an der Mosel sind Feiern nicht immer Grund zum Feiern. Wenn die deutsche Polizei kontrolliert, sind die Nachbarn etwas enerviert. Der Perler Bürgermeister Ralf Uhlenbruch, CDU wie Kanzler Merz, deutete an: Wenn er könnte, wie er wollte, gäbe es das so nicht. Applaus in Schengen und Apach. Grenzkontrollen, eben noch Relikt, sind heute die kleine Vorschau auf eine ungemütliche Zukunft. Léon Gloden ruft nach Schengen-Geist. Drüben hört man kurz zu – und sagt dann lächelnd Nein.

Abspann: Applaus, Abgang, Ausweis. „Exit, pursued by a bear“, aber bitte nicht Putin – im Pelz.

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