Leserforum
Ginge es auch ohne?
Ginge es auch ohne Krieg im Iran? Abgesehen von den ermutigenden Worten Trumps an die iranische Bevölkerung, auf die Straße zu gehen, er käme, um zu helfen, abgesehen von dem darauffolgenden Blutbad, geht es in den letzten Wochen beim Angriffskrieg der USA und Israels nicht mehr um die Iraner, sondern um die atomare Aufrüstung des Irans. Trump sagt absolut Nein zu einer Möglichkeit des Irans, jemals über die Atomwaffe zu verfügen. Netanjahu sagt das Gleiche. Beide besitzen aber eine nukleare Abwehr. Putin, Xi und der pausbäckige Nordkoreaner auch. In Europa sind es Frankreich und Großbritannien.
Seit Hiroshima wurde die Atombombe nicht mehr zu Kriegszwecken eingesetzt. Die schwächste moderne Bombe ist 50-mal letaler als jene von Hiroshima. Es gibt deren Tausende über die Erde verstreut.
Wenn heute jemand eine Atombombe abfeuert, weiß er, dass er in den nächsten Minuten durch atomare Vergeltung vernichtet werden wird. Diese etwas halbwüchsige Reziprozität hat uns bis heute vor dem Schlimmsten bewahrt.
Weshalb haben wir mehr Angst vor einer iranischen Atombombe als vor einer nordkoreanischen, einer pakistanischen, einer israelischen oder einer amerikanischen? Die iranische Führung ist abscheulich, aber nicht dumm. Gerade sie, die so sehr auf ihr erhabenes historisches Erbe pocht, wäre doch die letzte, die ihr schönes Land in atomarem Schutt und Asche sehen möchte. Die Mullahs geben seit 40 Jahren vor, Israel von der Karte streichen zu wollen. Und wir nehmen ihnen das einfach so ab. Putin hat noch keine Atombombe in die Ukraine abgefeuert. Netanjahu noch nicht nach Teheran.
Weshalb sollten die intelligenten Iraner so was tun? Die Amerikaner griffen den Irak auf der gelogenen Basis weltdrohender Waffen an. Amerika und Israel greifen den Iran wegen noch nicht existierender Atomwaffen an. Wir wissen, dass ein konventioneller Krieg genauso viel Tod und Elend bringt. Tod und Elend sind augenblicklich der einzige Horizont für das iranische Volk. Ihren Führern ist es egal, Tausende zu morden, um an der Macht zu bleiben.
Trump möchte die Mullahs bezwingen, ohne einen einzigen amerikanischen Soldaten dabei zu verlieren. Darin liegt die wirkliche Asymmetrie, von der so viel die Rede ist. Jemand, der bereit ist, als Märtyrer für ein höheres Ziel zu sterben, ist einem Gegner unendlich überlegen, der nur mit Dollars dafür zu bezahlen bereit ist.