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Fast 44 Prozent – und was nun, Herr Merz?

Fast 44 Prozent – und was nun, Herr Merz?

43,8 Prozent. Eine Zahl, die einem Bundeskanzler eigentlich den Schlaf rauben müsste. Friedrich Merz hingegen bemüht den Taschenrechner und weist darauf hin, dass 56 Prozent der Wähler die AfD nicht gewählt haben. Rechnerisch korrekt. Politisch jedoch daneben. Denn die entscheidende Frage lautet nicht, wer die AfD nicht gewählt hat. Sondern: Warum haben sich fast 44 Prozent für die AfD entschieden und warum kam die CDU nur auf 17,2 Prozent? Die Generaldebatte lieferte darauf keine überzeugende Antwort – und offenbarte einen Kanzler unter Druck, dem eine dem Amt angemessene Rede nicht gelang. Wo ist seine politische Erzählung? Wo ist der Plan? Wohin soll Deutschland geführt werden? Auf diese Fragen blieb Merz die Antwort schuldig.

Anstatt die Sorgen der Bürger aufzugreifen, arbeitet sich der Kanzler an Alice Weidel ab. Immerhin hat die AfD-Chefin eine Erzählung – wenn auch eine düstere: eine Untergangserzählung, die hauptsächlich eines bewirkt. Sie schürt Angst. Deutschland stehe am Abgrund, die Zukunft sei bedroht, die Gegenwart von Dauerkrise geprägt. Krieg, wirtschaftlicher Abstieg, Armut, Migration: Aus jeder Sorge wird ein Schreckensbild gezeichnet. Die AfD nährt sich von den Ängsten der Menschen und macht aus Verunsicherung politische Munition.

Konkrete Antworten auf die drängenden Probleme des Landes? Fehlanzeige. Weidels Rhetorik bleibt destruktiv und dystopisch. Das Einzige, was ihr einfällt, ist, Russland Tür und Tor zu öffnen – einem Regime, das einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt und für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht wird. Offenbar reicht in Sachsen-Anhalt die Mischung aus Angst, Abschottung und Feindbildern aus, um fast 44 Prozent zu mobilisieren.

Wie reagiert Merz? Er verschärfte die Debatte, als er der AfD vorwarf, hinter dem Begriff „Remigration“ verberge sich der Plan einer „ethnischen Säuberung“. Ein historisch schwer belasteter Begriff, der mit schwersten Menschheitsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien verbunden ist. Ein schwerwiegender Vorwurf. Rhetorische Eskalation ersetzt jedoch keine politische Auseinandersetzung. Dabei hatte Merz angekündigt, es künftig anders und besser zu machen. Davon war wenig zu spüren: kein Aufbruch, keine Zuversicht, kein überzeugendes Angebot.

Viele Menschen erwarten jetzt vorwiegend konkrete Antworten: spürbare Steuerentlastungen, dauerhafte Entlastungen bei den hohen Spritpreisen und eine Politik, die verständlich erklärt, was sie tut – und warum. Merz räumte selbst ein, den Sinn seiner Reformen bislang nicht ausreichend erklärt zu haben. Er hätte diesen Fehler korrigieren können. Er tat es nicht. Und das alles unter dem unerträglichen Gebrüll und den Zwischenrufen der AfD‑Fraktion. Genau solche Bilder spielen der AfD in die Hände. Sie träumt davon, die CDU zu zerstören, die Vorherrschaft zu übernehmen und die Demokratie zu zertrümmern.

Es gilt, dagegenzuhalten – und das ist nicht nur, aber an erster Stelle Aufgabe des Kanzlers. Merz muss nicht lauter schreien als Weidel. Er muss besser antworten: mit konkreter Politik, mit Lösungen und mit einer glaubwürdigen Vorstellung davon, wohin er Deutschland führen will. Denn 43,8 Prozent sind kein Rechenspiel. Sie sind ein Warnsignal.

1 Kommentare
Luxmann 13.10.202608:15 Uhr

Bei Angela erinnert man sich an den spruch "wir schaffen das"
Bei Fritz Merz wird man sich erinnern dass er es nicht geschafft hat.

CG antwortete am 13.10.202610:43 Uhr

Herr Merz hat es fertig gebracht die CDU in den tiefsten Abgrund zu schicken. Er sollte schleunigst seinen Hut nehmen sonst drohen der CDU noch weitere Wahldebakel wo sie an der 5%-Klausel scheitern weitern.

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