Forum von André Wilkens
Europas Stärke von unten: Warum Zivilgesellschaft und Erasmus für die EU-Zukunft entscheidend sind
Wenn Europas Staatsoberhäupter über die gemeinsame Zukunft beraten, bestimmen stets die gleichen Krisen die Tagesordnung: industrielle Stagnation, nachlassende Wettbewerbsfähigkeit, Umweltzerstörung, Sicherheitslücken und ein wachsender Fachkräftemangel. Doch hinter diesen Themen verbirgt sich eine tiefer liegende Realität: Europa steht nicht nur unter wirtschaftlichem und geopolitischem Konkurrenzdruck, sondern erlebt auch einen sich verschärfenden Kulturkampf um Narrative, Sinn und Identität.
Ein handfester Ausdruck der europäischen Integration: Das Erasmus-Programm wird 2027 sein 40-jähriges Jubiläum feiern Symbolbild: Friso Gentsch/dpa
Die Politik reagiert darauf reflexartig eher top-down-orientiert – durch Nachbesserungen von Vorschriften, Anpassungen der Kapitalanforderungen oder staatliche Beihilfen. Solches technokratisches Vorgehen übersieht jedoch regelmäßig eine entscheidende historische Tatsache: Europas bahnbrechendste und Paradigmenwechsel bewirkende Ideen entstanden nicht in den Fluren Brüssels oder in Ministerien, sondern in der Zivilgesellschaft.
In entscheidenden Zeiten waren es immer die gesellschaftlichen und kulturellen Strukturen, die abstrakte Werte in gelebte Realität umsetzten. Ein gutes Beispiel ist das Erasmus-Programm, das nächstes Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert.