Editorial

Es tut sich was: Über die Mobilität in Esch

Die fünf Schlüsselelemente im lokalen Mobilitätsplan 2035

Die fünf Schlüsselelemente im lokalen Mobilitätsplan 2035 Foto: Editpress/Julien Garroy

Es tut sich was in der Mobilität in Esch, auch wenn das durch das peinliche Intermezzo mit einer ebenso plötzlich wie ohne (Vor)Warnung an die Bürger verschwundenen Kreuzungsampel letzte Woche ein wenig unterging. Es dauert nicht mehr lange, dann ist die Radverbindung zwischen dem Vëlodukt und dem Kreisverkehr Däich fertiggestellt. Und schließt damit eine Lücke, die bereits vor zwei Jahren hätte geschlossen sein sollen. Damals fand es nur niemand für nötig, die Fertigstellung der längsten Radbrücke Europas zu antizipieren. Was sinnbildlich für die Escher Verkehrspolitik der vergangenen 20 Jahre steht.

Unter Schöffe Meris Sehovic scheint sich das so langsam zu ändern. Sehovic nimmt den lokalen Mobilitätsplan PLM 2035 offenbar ernst. Darin ist von einem Paradigmenwechsel von einer autogerechten zu einer autoarmen Stadt die Rede. Damit das geschehen kann, muss der sanften Mobilität im Straßenbild mehr Platz eingeräumt und der Durchgangsverkehr zurückgedrängt werden.

Genau das soll in der Kanalstraße geschehen. Auch wenn es Sehovic momentan nicht bestätigen mag, so wird die Kanalstraße in Zukunft zumindest zu einem Teil zur Einbahnstraße werden. Gleichzeitig werden dort an einer Seite Parkplätze verschwinden. Denn der Plan ist, dass Belval und das „alte“ Esch optimal miteinander verbunden werden. In Zukunft soll ein Radfahrer demnach von Beles über Belval bis zum Escher Rathaus auf einem vom motorisierten Verkehr getrennten, also sicheren Weg, gelangen können. 

Dass dafür in der Kanalstraße ein Einbahnsystem eingeführt wird, ist schon ein Paradigmenwechsel für sich. Schließlich hatte Ex-Bürgermeister und Mobilitätsschöffe Georges Mischo davon gesprochen, dass die Kanalstraße sicher für Fahrradfahrer sei, was sie wegen ihrer Abschüssigkeit, der zunehmenden Enge und der vielen Autos definitiv nicht ist. 2022 wurden dort 15.000 Bewegungen mit dem Rad in eine Richtung gezählt. Die spannende Frage ist, wie sich das Einbahn-Konzept auf die angrenzenden Straßen auswirkt, insbesondere die place des Remparts, die ebenfalls vom motorisierten Verkehr befreit werden sollte, die Barbarastraße, den Kohlenberg und vor allem die rue Victor Hugo mit ihren Nebenstraßen. Details hierzu soll es in der nächsten Gemeinderatssitzung Anfang April geben. 

Fest steht, dass weniger Verkehr vor der eigenen Haustür ein Plus an Lebensqualität bedeutet. Und eine bessere Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger automatisch weniger Autos bedeutet. Das wissen auch die Pariser, die sich am Wochenende dafür aussprachen, weitere 500 Straßen zu begrünen und für Autos zu sperren. Dabei war der Aufschrei groß, als Bürgermeisterin Hidalgo die Verkehrswende in Frankreichs Hauptstadt einleitete. Inzwischen haben die Bewohner verstanden, dass die drastische Reduzierung des Autoverkehrs ihre Stadt lebenswerter gemacht hat. 

In Luxemburg ist der Aufschrei auch oft riesig, wenn es darum geht, dem motorisierten Verkehr Platz wegzunehmen. In Esch wurden 78.000 ein- resp. ausfahrende Fahrzeuge pro Tag auf dem Stadtgebiet gezählt. Zudem ist die Parkplatzsituation der Anwohner je nach Stadtviertel mitunter katastrophal. Die neuen Stadtviertel „Rout Lëns“ und „Metzeschmelz“ werden aus Esch in wenigen Jahren eine 50.000-Einwohner-Stadt machen. Das muss verkehrstechnisch antizipiert werden. Und zwar jetzt.

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