Kommentar
Engel & Streff: Zwei neue Sterne am Himmel der Populismusik
Sachpolitik nervt. Das scheint der neue Slogan der LSAP-Fraktion zu sein. Georges Engel und Ben Streff wildern nun in musikalischen Gefilden und stechen mit ihrer neuen Single durch wahrlich singulären Blödsinn hervor.
Schlagen Sie in den Kommentaren gerne einen Namen für dieses Folk-Duo vor Bild: Screenshot Instagram
Luxemburg hat den Eurovision Song Contest fünfmal gewonnen und dafür nie einen Luxemburger gebraucht. Jean-Claude Pascal war Franzose, France Gall auch, ihr Siegerlied schrieb Serge Gainsbourg. Vicky Leandros stammt aus Griechenland, Anne-Marie David und Corinne Hermès kamen aus Frankreich. Das Land hat die Trophäen trotzdem behalten, und niemand hat je behauptet, diese Siege seien weniger luxemburgisch gewesen, nur weil die Sängerinnen beim Bäcker Französisch sprachen. Ein kleines Land, das sich die Welt ins Haus holt, sieht auf großen Bühnen meistens gut aus. So viel Geschichte kann man kennen. Man muss aber nicht.
Ben Streff und Georges Engel müssen offenbar nicht. In einem Instagram-Video fordern die beiden LSAP-Abgeordneten im Brustton der Überzeugung, Luxemburg solle beim ESC künftig nur noch von Luxemburgern vertreten werden, vom Künstler über die Komponisten bis zur Produktion. Oder von Menschen, die mindestens seit drei Jahren in Luxemburg leben oder in der Szene verankert sind. Begründung: die zwei Millionen Euro Steuergeld, die der Staat ab 2027 jedes Jahr für die Teilnahme bereitstellt. Geld, das selbstverständlich nur Luxemburger erwirtschaftet haben. Hust, hust.
Die Forderung ist aus so vielen Gründen dumm, dass man damit die halbe Zeitung füllen könnte. Aber Papier ist teuer und meine Zeit kostbar, deshalb reichen drei.
Erstens das Regelwerk, das man vor einem solchen Video vielleicht einmal hätte lesen können. Die Europäische Rundfunkunion kennt keine Nationalitätsklausel, jeder Sender bestimmt selbst, wie er seinen Beitrag auswählt. RTL hat das längst geregelt. Beim Luxembourg Song Contest tritt nur an, wer den Pass besitzt, seit drei Jahren hier lebt oder nachweislich in der hiesigen Szene aktiv ist. Also genau die Forderung der beiden Singvögel aus der Chamber.
Zweitens die Luxemburger Szene selbst, die international ist, seit es sie gibt. Der erfolgreichste Musikexport der Gegenwart heißt Francis of Delirium, ein kanadisch-amerikanisches Projekt mit Sitz in Luxemburg. Tali wurde in Jerusalem geboren. Wen wollt ihr eigentlich auf diese Bühne stellen? Nur noch, wer vier luxemburgische Großeltern nachweisen kann? Der Ahnenpass als Eintrittskarte zur Rockhal, das wäre immerhin eine Show, über die Europa redet.
Drittens, ganz ehrlich: Die Regierung hat diese Woche die Russlandsanktionen der EU in Geiselhaft genommen, um Michail Fridman von der Liste zu holen, jenen Oligarchen, der das Land auf 16 Milliarden Dollar verklagt. Eine Steuerreform rollt auf uns zu, die Wirtschaft kommt nicht in Fahrt, über unsere Köpfe fliegen Drohnen. Und das ist euer Problem? Was soll das werden? Wollt ihr jetzt der ADR die Wähler abgraben? Apropos ADR: Die Rechten schalten auf Instagram gerade eine Kampagne gegen Gewalt an Frauen, bebildert mit ethnisch diversen, KI-generierten Frauen. Das ist progressiver als euer Unfug. Steht das L in LSAP neuerdings für „Lost“?