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Ein Tusch für die Heckenschützen? – Über den Kommentar-Irrsinn in der Online-Presse

Sind Presseleute besonders leidensfähig? Mögen sie es, wenn ihre Arbeit runtergemacht wird? Haben sie nichts einzuwenden gegen gehäufte persönliche Verunglimpfungen? Diese Fragen drängen sich auf, wenn man sich vor Augen führt, was in den sogenannten Kommentarspalten der Online-Zeitungen passiert. Sagen wir es kurz und knackig: Leserinnen und Leser dürfen hier die Sau rauslassen. Das tun die meisten Beteiligten ohne Anstand und ohne Hemmung, und zwar in einem Ausmaß, das mittlerweile jeden Rahmen sprengt. Der Erkenntnisgewinn aus ihren „Kommentaren“ tendiert in der Summe nachweislich gegen null. Aber die unbeherrschten Trolle werden offenbar wohl oder übel von den Redaktionen hofiert.

 

  Foto: dpa/Fabian Sommer

Warum? Die einzig nachvollziehbare Erklärung wäre, dass mit jedem Klick das Gewicht der Zeitung gegenüber ihren potenziellen Anzeigenkunden wächst. Das mag so sein, aber zu welchem Preis verlässt man sich auf eine solch unterschwellige Milchmädchenrechnung? Unter dem Strich wären neue Anzeigen ja dann mittels menschenverachtender „Kommentare“ erschlichen. Ein wahrhaft unappetitlicher Deal. Die große Frage bleibt: Wieso lassen sich die Journalisten regelmäßig von den unflätigen „Kommentierenden“ abschießen? Ist die Online-Zeitung mittlerweile eine Schießbude mit Journalisten als wohlfeilen Trophäen? Das wäre nichts anderes als ein Ausdruck sonderbarer Selbstverachtung.

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