Kommentar
Die Zukunft der Erinnerung: Die Shoah und das identitätsstiftende Gedenken
Ort des Schreckens und der Erinnerung: das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau Foto: AFP
Zum 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau stellen sich zahlreiche Fragen. Eine davon ist: Wie können wir an die Schrecken der NS-Zeit erinnern, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt? Mit einer digitalen Erinnerungskultur, mit „Hologrammen, die vom Holocaust berichten“, wie die Wochenzeitung Die Zeit vor vier Jahren einmal thematisierte. Doch rückt die Auseinandersetzung mit dem „Zivilisationsbruch“, wie der deutsch-israelische Historiker Dan Diner den Holocaust nannte, dadurch nicht in immer abstraktere Ferne, wenn wir von einer Online-Ausstellung zum nächsten digitalen Archiv surfen? Wird der Holocaust den Menschen nicht gar „entfremdet“, wie der ungarische Schriftsteller Imre Kertész einst schrieb?