Leserforum
Die Kette reißt immer an ihrem schwächsten Glied
Luxemburg will innerhalb der NATO kein Mitläufer mehr sein. Die Verteidigungsministerin betont regelmäßig, wie stark sich unser kleines Land engagiert: Soldaten in Rumänien und Litauen, Unterstützung der Ukraine, Satelliten, neue militärische Fähigkeiten und stetig steigende Verteidigungsausgaben. Bis 2029 sollen diese bereits rund 1,7 Milliarden Euro jährlich erreichen. Das längerfristige NATO-Ziel von insgesamt fünf Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) würde, gemessen am für 2029 erwarteten BNE, rund 3,6 Milliarden Euro pro Jahr bedeuten – bei weiter wachsendem BNE entsprechend mehr.
Doch militärisches Engagement muss an einer einfachen Frage gemessen werden: Macht es die eigene Bevölkerung sicherer?
Die Ereignisse am Findel geben Anlass, genau darüber nachzudenken. Nicht identifizierte und nicht genehmigte Drohnen drangen in den Luftraum beim Flughafen ein. Der Flugbetrieb musste eingestellt, 19 Flüge mussten umgeleitet werden. Wer hinter diesen Drohnen steckt und welches Motiv vorlag, ist bislang ungeklärt.
Allerdings darf man die politische Frage nicht verdrängen, die der Vorfall aufwirft: Was nützt eine immer ehrgeizigere Militärpolitik nach außen, wenn elementare strategische Infrastruktur im eigenen Land verwundbar bleibt?
Luxemburg beteiligt sich an der Abschreckung weit über seine Grenzen hinaus. Allerdings beginnt die Verteidigung nicht in Litauen oder Rumänien. Sie beginnt über dem Findel, über unseren Kommunikationsnetzen, Energieanlagen und staatlichen Einrichtungen.
Ein kleines Land muss besonders sorgfältig zwischen Bündnissolidarität, Abschreckung und eigener Verwundbarkeit abwägen. Je sichtbarer es sich militärisch positioniert, desto wichtiger wird der Schutz der eigenen kritischen Infrastruktur. Nicht jede Form militärischer Profilierung erhöht automatisch die nationale Sicherheit.
Dabei sollte es auch nicht darum gehen, innerhalb der NATO als „Musterschüler“ wahrgenommen zu werden. Die Aufgabe einer Luxemburger Verteidigungsministerin besteht zuerst darin, die Sicherheitsinteressen Luxemburgs zu vertreten. Persönliche Motive oder spätere internationale Karrierepläne sollte man ihr nicht ohne Belege unterstellen. Die politische Bilanz dagegen darf und muss hinterfragt werden.
Der Vorfall am Findel sollte deshalb ein Warnsignal sein. Milliarden für Verteidigung sind nur dann überzeugend, wenn der Bürger erkennen kann, welche konkrete Sicherheit damit geschaffen wird. Drohnenerkennung, Drohnenabwehr, Schutz des Flughafens und kritischer Infrastruktur dürfen nicht hinter prestigeträchtigen internationalen Verpflichtungen zurückstehen.
Denn für Luxemburgs Mitgliedschaft in der NATO gilt, was für jedes Bündnis gilt: Eine Kette wird nicht dadurch stark, dass jedes Glied möglichst stark erscheinen will, sondern dadurch, dass jedes Glied tatsächlich belastbar ist.
Und eine Kette reißt immer an ihrem schwächsten Glied.