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Bombenhagel auf den Iran: eine Strategie, die ihr eigenes Ziel zunichtemacht

Bombenhagel auf den Iran: eine Strategie, die ihr eigenes Ziel zunichtemacht

Die derzeitigen massiven Bombenangriffe auf den Iran werden von Washington und Tel Aviv mit einem klaren politischen Ziel begründet: Das Regime in Teheran soll geschwächt oder letztlich gestürzt werden. Doch gerade diese militärische Logik droht das Gegenteil zu bewirken. Selbst massive Attacken sind kaum geeignet, ein fest etabliertes Machtgefüge wie das der Islamischen Republik zu stürzen. Geheimdienstliche Einschätzungen in den USA deuten vielmehr darauf hin, dass die politischen und militärischen Strukturen des Regimes selbst unter starkem militärischem Druck stabil bleiben könnten.

Das ist kein neues Muster. In Momenten äußerer Bedrohung neigen Gesellschaften dazu, sich hinter ihre Führung zu stellen – selbst dann, wenn sie diese zuvor kritisiert oder abgelehnt haben. Der sogenannte „rally-around-the-flag“-Effekt stärkt nationalistische Reflexe und verschafft autoritären Regimen neue Legitimation.

Mit jedem Bombenangriff bestätigt der Westen genau das Narrativ, auf dem die Macht der Mullahs beruht: dass der Iran von äußeren Feinden bedroht werde. Die Bomben liefern dem Regime seine wirksamste Propaganda. Hinzu kommt eine zweite Ironie dieser Strategie. Politischer Wandel im Iran kann nur von innen entstehen – aus der iranischen Gesellschaft selbst. Doch sobald Bomben von außen fallen, werden genau diese Kräfte geschwächt. Oppositionelle lassen sich dann leicht als „fünfte Kolonne des Westens“ diffamieren.

Die Geschichte lehrt: Militärische Interventionen beschleunigen den Sturz eines Regimes selten – häufig verhindern sie ihn. Wer Bomben wirft, erzwingt nationale Geschlossenheit, nicht politische Selbstbefreiung. Der Westen sollte deshalb eine einfache Wahrheit bedenken: Regimewechsel fallen nicht vom Himmel – und erst recht nicht aus Bombern.

Wenn Washington und Tel Aviv wirklich einen anderen Iran wollen, sollten sie aufhören, genau jene Bedingungen zu schaffen, unter denen das bestehende System überlebt. Denn nicht selten erweist sich militärische Stärke als der sicherste Weg in politische Ohnmacht.

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