Geschäftswelt Grevenmacher

Zwischen Moselpromenade und Fußgängerzone: Wie sich die Stadt neu erfinden will

Grevenmacher möchte sich stärker als Einkaufs- und Begegnungszentrum der Moselregion positionieren. Wohin die Entwicklung gehen könnte, war jüngst Thema beim Geschäftsverband.

Kleine charmante Seitengasse mit Potenzial für Ateliers, Ausstellungen und Gastronomie in urbanem Umfeld

Die kleinen Seitengassen gelten als reizvoll, werden bislang aber oft zu wenig genutzt. Denkbar wären Ateliers, kleine Ausstellungen oder zusätzliche Bars und Gastronomie. Foto: Marco Goetz

Wer durch die Gassen Grevenmachers geht, merkt schnell, wie eng Dienstleistungen, Handel, Gastronomie und öffentlicher Raum hier traditionell verbunden sind. Doch die Geschäftswelt der Moselstadt befindet sich im Wandel.

Geschäftsverbandspräsidentin Samantha Seil spricht offen über Probleme, mit denen viele Innenstädte kämpfen: hohe Mieten, leerstehende Ladenlokale, fehlende Geschäftsübernahmen und ein stark verändertes Einkaufsverhalten. Gleichzeitig will sie jedoch kein negatives Bild zeichnen. Die Fußgängerzone beginne sich wieder zu beleben, sagte sie. Neue Geschäfte hätten eröffnet, weitere seien angekündigt. Besonders hob sie hervor, dass Grevenmacher wieder über eine Buchhandlung verfügt. Im Sommer soll zudem erneut ein Blumengeschäft in die Fußgängerzone zurückkehren.

Vielfalt als Stärke

Vor allem aber bezeichnet Seil die Vielfalt als eigentliche Stärke Grevenmachers. Bäckereien, Metzger, Mode- und Dekogeschäfte, Friseure, Gastronomie, Dienstleister oder Spezialgeschäfte: Erst dieser Mix mache eine Innenstadt lebendig. Gleichzeitig dürfe man die Entwicklung nicht allein auf klassische Ladenlokale reduzieren. Auch Einrichtungen wie die Musikschule oder Initiativen wie der MIKO seien wichtig, weil sie die Stadt zusätzlich als Begegnungsort stärken.

Wie stark sich Innenstädte derzeit verändern, zeigte vergangene Woche eine Präsentation der Firma CIMA aus Deutschland. Das Unternehmen begleitet Städte bei Fragen des Struktur- und Funktionswandels und ist, in Luxemburg, unter anderem bereits in Clerf oder Ettelbrück aktiv. Nun soll auch Grevenmacher genauer analysiert werden. Vorgesehen sind Bestandsaufnahmen, eine Online-Bürgerbefragung und Workshops mit verschiedenen Akteuren.

Die zentralen Fragen formulierten die Berater bewusst einfach: „Warum Grevenmacher? Was unterscheidet die Stadt von anderen Orten? Welche Gründe gibt es für Besucher oder Einwohner, dort Zeit zu verbringen statt nur durchzufahren?“

An Potenzial fehle es Grevenmacher jedenfalls nicht, hieß es während der Präsentation. Mit der „Marie-Astrid“, dem Campingplatz oder dem Weintourismus gelangen regelmäßig Besucher bis in unmittelbare Nähe des Zentrums. Die Herausforderung bestehe nun darin, diese Menschen stärker in die Stadt zu holen.

Fußgängerzone in Grevenmacher mit Cafés, Geschäften und Menschen bei sonnigem Wetter

Die Fußgängerzone in Grevenmacher Foto: Marco Goetz

Mehr Aufenthaltsort

Mehrfach richtete sich der Blick dabei auch auf kleine Seitengassen und versteckte Winkel. Sie gelten als reizvoll und atmosphärisch, würden bislang aber oft zu wenig genutzt. Denkbar seien dort etwa temporäre Ateliers, kleine Ausstellungen, zusätzliche Gastronomieangebote oder Bars. Die Innenstadt müsse künftig stärker als Aufenthalts- und Erlebnisort verstanden werden, nicht nur als Ort für schnelle Einkäufe.

Etwas Neues gibt es bereits: den Maacher Bong. Das modernisierte Gutscheinsystem soll den lokalen Handel stärken und die gemeinsame Sichtbarkeit der Geschäfte erhöhen, etwa mit einem neuen Werbeclip von Fluo, der demnächst veröffentlicht werden soll.

Grevenmacher sucht nicht nostalgisch die Vergangenheit, sondern beschäftigt sich mit der Frage, wie eine lebendige Innenstadt im Jahr 2026 funktionieren kann. Dass der Moselort weiterhin anziehend wirkt, zeigt sich übrigens auch in der rue de Thionville, auf Höhe der Hausnummer 2: Dort, in der Fußgängerzone, hat das Tageblatt derzeit ein Büro eingerichtet.

Alt-Tag: Luftaufnahme von Grevenmacher mit Plänen zur Neugestaltung des Stadtzentrums und urbaner Entwicklung

Grevenmacher will sein Zentrum neu bespielen Foto: Marco Goetz

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