Luxemburger Privatwinzer
Zwischen Jubiläum und Sorgenfalten: Guy Krier verabschiedet sich als Präsident
Es war seine letzte Rede als Präsident der Luxemburger Privatwinzer: Bei der Generalversammlung am Montagabend in Remich nutzte Guy Krier die Gelegenheit für mehr als Abschiedsworte. Nach rund 20 Jahren im Vorstand, zuletzt an der Spitze der Vereinigung, zog er Bilanz zur Situation der Privatwinzer und sprach über die Herausforderungen der Branche.
Zum Zeichen seines 20-jährigen Engagements gab es ein Gerät, mit dem sich auch größere Flaschen verlustfrei ausschenken lassen. Guy Krier, umgeben von Weinbauministerin Martine Hansen und Winzer Henri Ruppert. Foto: Marco Goetz
Die Luxemburger Weinwelt blickt derzeit auffällig oft zurück: 60 Jahre Vinsmoselle, 35 Jahre Luxemburger Crémant und zuletzt 100 Jahre „Institut viti-vinicole“. Auch die Privatwinzer reihen sich ein: Sie feiern in diesem Jahr ebenfalls ihr 60-jähriges Bestehen und wollen ihr Jubiläum im Juli mit einer Veranstaltung an der Mosel begehen.
Ausruhen sei jedoch keine Option, machte Guy Krier am Montag in Remich deutlich: „Wichtig ist, weiterhin zu erklären, warum es neben Weinhandel und Genossenschaften Privatwinzer braucht.“ Konkurrenz belebe das Geschäft, betonte Krier. Gleichzeitig sei Zusammenarbeit gerade für kleinere Produzenten entscheidend. Gemeinsame Initiativen und Veranstaltungen wie „Privatwënzer Uncorked“ seien wichtig, um Aufmerksamkeit und Wertschätzung für Luxemburger Weine zu stärken. Auch die Initiative „Domaine Tageblatt“ erwähnte Krier in dem Kontext ausdrücklich positiv.
Qualität statt Stillstand
Als besondere Stärke der Privatwinzer bezeichnete er ihre Individualität. Unterschiedliche Philosophien verbinde ein gemeinsames Ziel: höchste Qualität. Gleichzeitig mahnte Krier zur Selbstkritik: Wer glaube, bereits der Beste zu sein, habe schon verloren. „Es gibt noch Luft nach oben.“
Zugleich erinnerte er daran, dass Wein ein Naturprodukt bleibt: „Wir müssen uns immer bewusst sein, dass nicht alles in unserer Hand liegt.“ Die Launen des Wetters kenne die Branche nur zu gut. Trotz aller Unsicherheiten zog Krier für das vergangene Jahr eine positive Bilanz: „Wenn wir nun auf 2025 zurückblicken, können wir dennoch sehr zufrieden sein. Es sind wunderbare Weine entstanden, die teilweise bereits präsentiert werden konnten.“
Mehr Export, mehr Sichtbarkeit
Sorgen bereiteten ihm allerdings die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Der heimische Markt müsse weiter gestärkt werden: Von den insgesamt 43 Litern Wein, die durchschnittlich konsumiert würden, entfielen lediglich neun Liter auf Luxemburger Produkte. Deshalb werde der Export zunehmend wichtiger. Noch immer wüssten zu wenige Menschen, wie gut Luxemburger Wein tatsächlich sei. Entsprechend wolle man die Präsenz auf internationalen Fachmessen wie Wine Paris oder dem Cool Climate Summit weiter ausbauen.
Gleichzeitig fehle oft noch die Erfahrung, um auf Messen und Fachsalons die gewünschten Erfolge zu erzielen. „Veranstaltungen wie Wine Paris, der Cool Climate Summit in Kopenhagen oder ‚Bulles à la mer‘ im belgischen Middelkerke sind wichtige Plattformen. Es ist sinnvoll, dort weiterzuarbeiten und unsere Präsenz auszubauen. Dafür benötigen wir allerdings auch die nötigen finanziellen Mittel“, sagte Krier.
Geld bleibt die größte Baustelle
Als wichtige Termine für die Branche nannte Krier in diesem Jahr die „Fête des vins et crémants“ sowie die Expogast. Derzeit reiche das Budget des „Fonds de solidarité viticole“ allerdings nur für eine Teilnahme aus. Deshalb werde aktuell nach einer finanziell tragbaren Lösung gesucht, um auch eine Präsenz auf der Expogast zu ermöglichen.
Kritik übte Krier dabei an den Rahmenbedingungen: „Schade ist, dass die Luxexpo, der es wirtschaftlich nicht wirklich gut geht, uns bisher nicht entgegengekommen ist. Knapp 30 Prozent höhere Kosten als beim letzten Mal sind schwer zu akzeptieren.“
Fortschritte erhofft sich Krier auch bei der geplanten Reform des „Fonds de solidarité viticole“. Die Gespräche dazu liefen weiter, eine endgültige Lösung lasse jedoch weiterhin auf sich warten. Entsprechend zeigte sich Krier enttäuscht: „Wie so oft geht es letztlich ums Geld.“
„Mit 60 Jahren bekommt man zwar einige Falten, inzwischen machen uns aber eher die Sorgenfalten auf der Stirn zu schaffen“, sagte Krier. Gas-, Heizöl- und Stromrechnungen, Transportkosten oder Diskussionen über den Mindestlohn würden den Betrieben zunehmend Sorgen bereiten. Er selbst glaube inzwischen nicht mehr daran, dass Lösungen schnell kommen würden.
Abschied nach zwei Jahrzehnten
Zum Schluss wurde Guy Krier persönlich. „Meine Zeit als Präsident und als Mitglied des Komitees geht heute zu Ende“, sagte er. Nach rund 20 Jahren im Vorstand – wann genau er ins Komitee gewählt worden sei, wisse er selbst nicht mehr – spüre er, dass die Zeit gekommen sei, kürzerzutreten.
Auch Krier feiert in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag, genau wie die Vereinigung. „Ich denke, es ist an der Zeit, Platz für neue, motivierte Menschen zu machen“, erklärte er.
Als designierter Nachfolger gilt Jeff Konsbrück. Seine Ernennung soll bei einer kommenden Komiteesitzung offiziell bestätigt werden.

Jeff Konsbrück, designierter Präsident der Privatwinzer Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante