Tierfreunde
Zwischen Bambus, Baumkronen und Bedrohung: Der Alltag der Roten Pandas
Der Rote Panda war 2025 eines der meistbeachteten Tiere in den Luxemburger Medien. Diese Woche wirft das Tageblatt einen genaueren Blick auf seine Herkunft, Lebensweise und Bedeutung im Artenschutz.
Wichtig: Nicht anfassen – auch wenn sie unheimlich süß sind! Das dürfen nur die Pfleger, die sie seit Jahren gut kennen. Carole Theisen
Im Dickicht von Laub und Bambus streifen sie fast unsichtbar durchs Geäst des östlichen Himalaya und Südwestchina: Rote Pandas, auch Katzenbären genannt. Seit Jahren leben sie im „Parc merveilleux“ in Bettemburg und sind längst ein Publikumsliebling. Doch die Zuneigung ist verdient: Mit ihrer rötlich-glänzenden Tarnfärbung, ihrer kletterfreudigen Eleganz und einem Verhalten irgendwo zwischen Hauskatze und scheuem Bären sind sie eine Tierart, die fasziniert – und gefährdet ist.
Steckbrief
Foto: Carole Theisen
Größe: ca. 60-65 cm Körperlänge und 55-60 cm Schwanz
Gewicht: 4-6 kg
Lebenserwartung: 8-16 Jahre (in Gefangenschaft)
Lebensweise: Einzelgänger, nacht- und dämmerungsaktiv
Ernährung: hauptsächlich Bambusblätter, ergänzt durch Obst, Eier, Insekten
Verbreitung: Himalaya, Südwestchina
Habitatverlust, Wilderei und Klimaveränderungen bedrohen sie massiv. Die Weltnaturschutzunion führt sie seit 2008 als „gefährdet“. In freier Wildbahn leben vermutlich weniger als 10.000 erwachsene Exemplare.
Die stillen Wächter des Geästs
Die Tiere im „Parc merveilleux“ – darunter das Panda-Elternpaar Reva und Nishu – sind geborene Kletterer. Mit ihren nach innen gedrehten Pfoten und scharfen Krallen balancieren sie selbst auf schmalsten Ästen. Ihre Sohlen sind dicht behaart – für sicheren Halt auch bei Nässe und Schnee. Der buschige Schwanz, fein geringelt in gelblichen und ockerfarbenen Tönen, dient als Balancehilfe, beim Ruhen als Wärmeschutz.
„Die Kleinen haben sich prächtig entwickelt“, sagt Tierpflegerin Corinna Müller. „Rajan frisst schon mit, am liebsten gekochte Rüben, ein paar Erbsen, das lieben sie.“ Die Tiere seien von Beginn an neugierig gewesen. „Sie erkennen dich sofort wieder. Auch wenn man länger nicht da war – sie merken sofort, ob du Freund oder Fremder bist.“ Die Zwillinge, die im Sommer 2023 geboren wurden, sind mittlerweile schon groß und quicklebendig.
Ein zartes Gleichgewicht
Trotz ihres niedlichen Aussehens: Rote Pandas sind Einzelgänger. In der Natur treffen sich Männchen und Weibchen nur zur Paarungszeit.

Auch wenn sie wie Kuscheltiere wirken – Rote Pandas bleiben Raubtiere mit ausgeprägtem Territorialverhalten und scharfen Krallen Carole Theisen
„Dementsprechend haben wir im Park zwei getrennte Gehegebereiche mit Durchgang, den wir bei Bedarf schließen können“, so Müller. Nach dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) entscheidet ein Koordinator, ob ein Paar Nachwuchs bekommen darf. Dieses Jahr war das der Fall – nächstes Jahr könnte die Erlaubnis ausbleiben.
Die Aufzucht übernehmen meist die Mütter allein, doch in Bettemburg kümmert sich auch Vater Nishu liebevoll um seine Nachkommen. „Er ist sensibel, zurückhaltend – ganz anders als Reva, die verfressen und neugierig ist“, beschreibt Müller. „Und bei den Jungtieren? Genau umgekehrt. Die Tochter ist wie ihr Vater. Der Sohn wie die Mutter.“

Ihr Hauptnahrungsmittel: frischer Bambus aus dem hauseigenen Anbau im Park Carole Theisen
Auch eine Kühlkammer wurde im Park eingerichtet – denn bei Temperaturen über 25 Grad wird es den Tieren schnell zu warm. „Alles unter 20 Grad ist ideal“, erklärt Müller.
Bambus, Bambus, Bambus
Obwohl sie zur Ordnung der Raubtiere zählen, ernähren sich Rote Pandas fast ausschließlich vegetarisch. „Was die an Bambus fressen – das ist Wahnsinn“, sagt der zuständige Tierarzt der Parks, Guy Willems. Dabei sind es nicht die Stängel, sondern fast ausschließlich die Blätter, die sie bevorzugen.

Ruhephasen nehmen einen Großteil des Tages ein Foto: Carole Theisen
Daneben gibt es Pellets für Blattfresser, etwas Obst, gelegentlich ein Ei – aber das meiste geht als fast unverdaute Masse wieder hinaus. „Der Panda frisst viel, aber verwertet wenig“, sagt der Arzt. Entsprechend wichtig sei es, dass der Park eigenen Bambus anbaut – trotz Trockenperioden und Lichtmangel im dichten Wald.
Auch wenn die Tiere zahm wirken, sind sie Raubtiere mit messerscharfen Krallen. „Streichen darf man sie nicht – in der freien Wildbahn springen sie dich an, wenn sie sich bedroht fühlen. Die Krallen sind ihre einzige Waffe.“
Guy Willems betont abschließend: „Unsere Aufgabe ist nicht nur die Haltung, sondern der Erhalt.“ Und dazu gehört auch Aufklärung. Wer sie in den Baumwipfeln entdeckt, sieht nicht einfach ein niedliches Tier. Er sieht ein Symbol für ein fragiles Ökosystem – und für die Verantwortung, die wir tragen.