Hafen Mertert
Zwei Kilometer langer Ölfilm breitet sich auf der Mosel aus – „Marie-Astrid“ steckt fest
Ein Ölfilm hat sich am Sonntagabend vom Hafen Mertert aus auf der Mosel ausgebreitet. Die Wasserverschmutzung reichte bis zum zwei Kilometer entfernten Oberbillig. Der Besuch vor Ort am Montag zeigte: Weiterhin ist unklar, wie das passieren konnte – und um welche Art von Flüssigkeit es sich genau handelt.
Das CGDIS hat die Ausfahrt des Hafens in Mertert mit einer Ölsperre abgeriegelt (Bild links). Auf der Mosel ist der Ölfilm deutlich zu sehen (rechts). Fotos: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Was schwimmt da auf der Mosel? Wegen einer „öligen Substanz“, die auf dem Wasser gesichtet wurde, ist das CGDIS am Sonntagabend um kurz vor 19.00 Uhr zum Hafen in Mertert ausgerückt. Das bestätigte die Einsatzzentrale am Montagmorgen gegenüber dem Tageblatt. Die deutsche Wasserschutzpolizei hatte bereits am Sonntagabend eine „Gewässerverunreinigung auf der Mosel“ gemeldet.
Demnach wurde den deutschen Behörden am Sonntag von der Schleuse Grevenmacher mitgeteilt, dass sich in Höhe von Mertert eine „ölhaltige Substanz, vermutlich Diesel“, auf der Mosel ausbreite. Es sei eine „größere Menge“ der Flüssigkeit aus dem Hafenbecken in den Fluss gelaufen.
Tatsächlich hatten sich Bewohner aus Mertert am Sonntag gegen 18.30 Uhr bei der Schleuse in Grevenmacher gemeldet und eine geruchsintensive Substanz im Wasser signalisiert. Das berichtete eine Sprecherin der Hafenleitung dem Tageblatt am Montagvormittag bei einem Gespräch im Merterter Hafen. Die Feuerwehr habe daraufhin eine Sperre eingerichtet. Auch der Hafen wurde geschlossen: Zwei Schiffe, die vorher angelegt hatten, konnten nicht mehr raus, Schiffe von außen konnten nicht mehr einlaufen.
„Marie-Astrid“ bleibt im Hafen
Diese Maßnahme betraf am Montag auch Luxemburgs wohl berühmtestes Wasserfahrzeug: Das Museumsschiff Marie-Astrid – das im Hafen überwintert hat – sollte seine vorübergehende Anlegestelle eigentlich an dem Tag verlassen. Es bleibt jetzt ebenfalls erst einmal in Mertert. „Der Hafen kann erst wieder öffnen, wenn das Wasserwirtschaftsamt das Okay gibt“, so die Sprecherin der „Société du Port de Mertert“. Auf den laufenden Betrieb vor Ort hatte der Vorfall aber keinen Einfluss, am Kai wurde am Montag weitergearbeitet.
Im bzw. auf dem Wasser zu sehen waren am Montag eine dunkle Substanz und ein durchsichtiger Film. Dass die ausgelaufene Menge nicht klein war, zeigte die Reichweite des Ölfilms: Laut der deutschen Polizei erstreckte sich dieser mehr als zwei Kilometer lang – von Moselkilometer 208,48 beim Merterter Hafen bis nach Oberbillig, bei Flusskilometer 206. Wie viel Flüssigkeit insgesamt in die Mosel lief, wurde am Montag nicht beantwortet.
Unklar blieb auch, ob es sich tatsächlich um Diesel handelte. Denn, so die Sprecherin der Hafenleitung am Montag: „Wir wissen aktuell nicht, welche Substanz es ist.“ Später am Tag sagte sie gegen 17 Uhr am Telefon: „Es ist immer noch unklar, um welche Art von Flüssigkeit es sich handelt. Auch der Ursprung ist nicht bekannt.“ Bereits am Morgen hatte sie berichtet, dass nicht geklärt sei, wie der ölige Stoff in das Wasser gelangt sei.
Flüssigkeit bislang unbestimmbar
Die Hafendirektion teilte am Montag mit, dass die laufenden Ermittlungen nun Antworten auf diese Fragen liefern müssen. Gegen 13.30 Uhr informierte die Luxemburger Polizei darüber, dass sie eine Anzeige wegen Umweltverschmutzung aufgenommen hat. „Die Ermittlungen zu den Ursachen der Verschmutzung wurden eingeleitet und dauern an“, schrieb die Behörde. Deren Pressestelle konnte am frühen Montagabend nicht mehr zu dem Vorfall sagen, ebensowenig die Medienstelle der Justiz.
Die Sprecherin der Hafenleitung erklärte überdies, dass Mängel an der Hafeninfrastruktur als Grund für den Austritt der Flüssigkeit von der Straßenbauverwaltung ausgeschlossen wurden. Das bekräftigte die Pressestelle der „Administration des ponts et chaussées“ – die für die Hafeninfrastruktur zuständig ist – am Montag: „Wir bestätigen, dass es nicht von der Hafeninfrastruktur kommt.“
Die Bürgermeisterin von Grevenmacher, Monique Hermes (CSV), sagte gegenüber dem Tageblatt, dass die Substanz auch nicht von den im Hafen gelegenen Tanklagern stamme. Der Bürgermeister der Gemeinde Mertert, Jérôme Laurent (LSAP), wollte sich übrigens zu dem Vorfall nicht äußern und verwies auf nationale statt lokale Kompetenzen.
Abwarten und hoffen
Die Pressestelle des Wasserwirtschaftsamts teilte am Montagnachmittag mit, dass diese noch keine Details von den Expertinnen und Experten vor Ort erhalten habe. Wie man am Montagmorgen sehen konnte, nahmen sie Proben vom Wasser. Laut der Sprecherin der Hafenleitung wird es allerdings einige Tage dauern, bis die Art der Flüssigkeit im Labor definiert ist.
Auch zahlreiche Hilfskräfte vom CGDIS waren den ganzen Tag über im Einsatz. Noch am Sonntagabend hatten sie eine schwimmende Ölsperre aufgebaut und bereits einen Teil der Substanz abgepumpt – 30 Feuerwehrleute waren bis Mitternacht vor Ort tätig. Am Montag fuhren die Einsatzkräfte mit einem Boot durch das Hafenbecken und versuchten, noch mehr von der öligen Substanz aufzusaugen.
Am Dienstagmorgen nun werden die zuständigen Behörden zusammenkommen, wie die Sprecherin der „Société du port de Mertert“ am Montag ankündigte: „Dann wird entschieden, ob der Hafen seinen Betrieb wieder aufnehmen kann. Wenn während der Nacht keine weitere Flüssigkeit austritt, wird das wahrscheinlich der Fall sein.“ In Mertert hofft man, dass der Hafen bereits am Dienstag wieder genutzt werden kann, denn eigentlich wollten noch fünf Schiffe diesen in den kommenden Tagen ansteuern.