Stued-Theater Grevenmacher

Wo die Kleinkunstbühne zur Zeitreise wird

Das Stued-Theater in Grevenmacher lädt seit 18 Jahren zu Konzerten, Theater und Lesungen ein. Wer es bislang nicht kennt, kann dort auch ein Stück Stadtgeschichte entdecken. Auch am kommenden Wochenende.

Stued-Theater: Seit 18 Jahren gibt es hier Musik, Theater, Kabarett und Lesungen

Stued-Theater: Seit 18 Jahren gibt es hier Musik, Theater, Kabarett und Lesungen Foto: Marco Goetz

Es herbstet. Die Tage werden kürzer, die Abende kühler. Genau die richtige Zeit, um einen gemütlichen Moment in einem Kleinkunsttheater zu verbringen. Ein solches ist das Stued-Theater in Grevenmacher. Seit 18 Jahren gibt es hier Musik, Theater, Kabarett und Lesungen. Georges Urwald und Nadine Kauffmann gründeten es im Oktober 2008 in einer ehemaligen Wagenmacherwerkstatt. Seit 2018 organisiert die „Stued asbl“ die Veranstaltungsabende.

Georges Urwald

Georges Urwald Foto: privat

Schon der Name erzählt von der Moselmetropole. „Stued“ geht auf „Staden“ zurück: Ufer, Gestade, der Weg am Fluss. Gemeint ist die rue des Bâteliers, in Grevenmacher als „Stued“ bekannt. Wer dort den Theatereingang sucht, wird allerdings nicht fündig. Er liegt auf der anderen Seite, an der route du Vin, etwas versteckt hinter einer kleinen parkähnlichen Anlage, nahe der Moselbrücke.

Von Rädern zur Bühne

1880 kauften Jean-Pierre Urwald und Elise Kahn das Wohnhaus am Stued. Im ersten Stock waren angeblich ein Gebetsraum und ein Unterrichtsraum für jüdische Kinder untergebracht. Elise Kahn stellte der jüdischen Gemeinschaft auch nach dem Kauf ihre Stube zur Verfügung. Neben dem Wohnhaus lag die Wagenmacherwerkstatt.

Drei Generationen der Familie übten dieses Handwerk aus. Georges Urwalds Großvater Jean-Pierre war der letzte Wagenmacher der Familie. Bis 1994 liefen die Maschinen.

Die Spuren dieser Arbeit sind noch überall zu sehen. Wagenräder hängen unter der Decke, alte Werkzeuge an den Wänden. Historische Bier- und Schnapsflaschen, bedruckte Holzkisten und Werbeanzeigen Grevenmacher Betriebe erzählen vom Alltag vergangener Jahrzehnte. Auch eine alte Schreibmaschine gehört zur Sammlung. Ein Vorstellungsbesuch wird so zu einer kleinen Zeitreise.

Georges Urwald bewahrt zudem Auftragsbücher, Rechnungen, technische Zeichnungen und Korrespondenzen aus der Wagenmacherei seiner Familie. Seine Sammelleidenschaft gilt auch der Musik: alten Notenblättern, Liedmanuskripten und Schellackplatten, besonders mit historischen Aufnahmen in luxemburgischer Sprache.

Der Großvater hinterließ auch in der Politik Spuren: als Bürgermeister von Grevenmacher und als Abgeordneter. 1979 und 1984 leitete er als Alterspräsident Sitzungen der Abgeordnetenkammer. Und selbst der Familienname hat eine Geschichte: Das „Luxemburger Familiennamenbuch“ führt Urwald vermutlich auf Orval zurück.

Wo die Kleinkunstbühne zur Zeitreise wird
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Georges Urwalds Großvater Jean-Pierre war der letzte Wagenmacher der Familie. Bis 1994 liefen die Maschinen.

© Foto: Marco Goetz

Wo die Kleinkunstbühne zur Zeitreise wird
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Eingang zum Stued-Theater

© Foto: Marco Goetz

Wo die Kleinkunstbühne zur Zeitreise wird
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Am vergangenen Samstag stand die Dusty Jones Band aus Luxemburg zum Saisonauftakt im Stued-Theater auf dem Programm

© Foto: Maurice Molitor

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Secret Garden: Der Weg zum Stued-Theater führt durch eine kleine parkähnliche Anlage

© Foto: Marco Goetz

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© Foto: Marco Goetz

Cojellico’s Jangen

Eine Gelegenheit zum Kennenlernen bietet sich bereits am kommenden Wochenende. Am Freitag und Samstag, 16. und 17. Oktober, stellen d’Cojellico’s Jangen ihr neues Album „Hott an Har“ vor. Das Männersextett ist eine Art luxemburgische Antwort auf die Comedian Harmonists. Am 13. November folgt die Luxemburger Coverband Five Live, am 19. Dezember stehen Georg Ruby & Village Zone mit Jazz auf der Bühne. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 20 Uhr.

Wer vor allem das Haus und seine Geschichte kennenlernen möchte, muss nicht auf einen Vorstellungsabend warten. Interessierte Gruppen können, wie Urwald erklärt, auch außerhalb der Aufführungen einen Besuch vereinbaren.

Eingang: 18a, route du Vin. Reservierungen und Besuchsanfragen: stuedtheater@gmail.com. Programm und Geschichte: stuedtheater.wordpress.com.

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