Echternach

Wo die Kirche Seitensprünge duldet: Tausende kommen zur Springprozession 

Etliche tausend Menschen dürften am Pfingstdienstag wieder bei der Springprozession dabei gewesen sein. Ob als Pilger, Zuschauer oder Springer. Die Tradition geht auf Willibrord zurück, jenen Missionar, der im 7. Jahrhundert aus Irland nach Echternach kam und dort auch seine letzte Ruhe fand.

          

           Foto: Editpress/Alain Rischard

Echternach. Leicht bedeckt, ein paar Sonnenstrahlen – vor allem aber trocken. Besseres Wetter kann sich die Springprozession kaum wünschen, meint Tageblatt-Fotograf Alain Rischard. Dem stimmt auch Carole Hartmann zu. Die Bürgermeisterin von Echternach findet am Dienstagnachmittag nur positive Worte für das Event. Alles sei in geordneten Bahnen verlaufen. Sie betont in dem Kontext aber auch, dass sicherheitstechnisch noch mehr getan wurde als in den vergangenen Jahren.

Schon im Morgengrauen treffen die ersten Besucher ein. Für die Messe um acht Uhr in der Basilika, für einen Blick in den Codex Aureus im Abteimuseum – oder ganz pragmatisch: um einen der raren Parkplätze im Zentrum zu ergattern.

Organisiert wird die Springprozession vom 1861 gegründeten Willibrordus-Bauverein und seinen vielen ehrenamtlichen Helfern. Seit 2010 zählt das Ereignis zum immateriellen Kulturerbe der Unesco.

Um halb 10 dann der eigentliche Auftakt der Prozession. Alles ist bestens vorbereitet. Ein Aufstellungsplan mit Nummern sorgt für Ordnung im tänzelnden Pilgerstrom. Tausende sind mit dabei – von nah und fern, aus Trier und Utrecht, manche kämen sogar aus Irland, heißt es. Was auffällt, sind die zahlreichen Kinder, die, ob alleine, mit Eltern oder Lehrpersonal, durch Echternachs Altstadt ziehen.

       

        Foto: Editpress/Alain Rischard

Musik gehört einfach dazu

Musik gehört einfach dazu Foto: Editpress/Alain Rischard

Im Unterschied zur Oktav kennt die Springprozession kein offizielles Motto. Und: Hier darf jede und jeder mitspringen – ganz gleich, ob katholisch, evangelisch, andersgläubig oder einfach nur freudvoll bewegungslustig. „Ein identitätsstiftendes regionales Ereignis“, nannte es Raoul Scholtes vom Bauverein im Tageblatt-Gespräch vergangenes Jahr.

          

           Foto: Editpress/Alain Rischard

Bei der Springprozession ist jeder auf seine Weise willkommen 

Bei der Springprozession ist jeder auf seine Weise willkommen  Foto: Editpress/Alain Rischard

Die oft kolportierte Vorstellung, man springe auch rückwärts, ist ein Mythos – wenngleich einer mit Ausdauer. „Wenn die Prozession stockt, springen manche auf der Stelle, wie früher, das kann nach einem Schritt zurück aussehen, ist es aber nicht“, erklären Kenner. Ansonsten geht’s eindeutig vorwärts: ein Schritt seitlich nach links, ein Schritt seitlich nach rechts. Aber immer nach vorne. Es dürften die einzigen Seitensprünge sein, die von der Kirche nicht nur geduldet, sondern offiziell abgesegnet sind.

      

       Foto: Editpress/Alain Rischard

Willibrord und die Springprozession

Willibrord wurde 658 im nordenglischen Northumbrien geboren und wuchs in einem Kloster auf. Mit 20 zog er nach Irland, wurde 688 zum Priester geweiht und ging bald darauf als Missionar aufs europäische Festland. Mit Unterstützung einflussreicher Gönner gründete er zahlreiche Klöster und Kirchen – darunter 698 auch das in Echternach, wo er 739 im Alter von 81 Jahren starb. Seinem Wunsch entsprechend wurde er dort in seiner eigenen Kirche beigesetzt.
Die Tradition der Springprozession dürfte kurz nach seinem Tod und der Heiligsprechung begonnen haben – Pilger strömten zum Grab des Heiligen, in der Hoffnung auf Schutz vor Krankheit, Epidemien und dem ewigen Verderben. Die tanzende Komponente der Prozession, die das Gemeinschaftsgefühl in den Mittelpunkt stellt, wurde erstmals um das Jahr 1000 erwähnt. Die zugrunde liegende Melodie entstammt einer einfachen Volksweise, die später erweitert und harmonisiert wurde.
(Quelle: cathol.lu)

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Bei der Springprozession ist jeder auf seine Weise willkommen
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Bei der Springprozession ist jeder auf seine Weise willkommen
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