Auf Abstand bleiben, bitte!
Wintger will Mindestabstand von 1.000 Metern zu Wohnhäusern für neue Windräder
Wintger erhebt Einspruch. Das hat der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung Ende Februar 2026 einstimmig entschieden. Es geht um den Abstand von Windrädern zur Bebauung. Die Gemeinde im Norden des Landes verfügt mit 23 Windrädern über die meisten dieser energieerzeugenden Anlagen im Land auf Gemeindeterrain.
Das Foto zeigt ein zukünftiges Windrad auf Wintger Gemeindeterrain, das 2016 noch in Einzelteilen zu sehen war Foto: Editpress-Archiv/Hervé Montaigu
Die weitläufige Gemeinde, die aus 27 Ortschaften und 90 Einzelgehöften besteht, ist einer der größten Produzenten für grünen Strom im Land. 23 Windräder verteilen sich nach Rathausangaben auf dem Gemeindegebiet und es gibt immer wieder Wartungsarbeiten daran und neue kommen hinzu.
„Auf der Gemeindegrenze zu Clerf sollen demnächst zwei weitere Windräder entstehen“, sagt Bürgermeister Lucien Meyers auf Anfrage des Tageblatt. „Den genauen Standort kennen wir noch nicht.“ Zwei ältere Windräder werden zurzeit in Antoniushof auf einer Anhöhe durch größere neue ersetzt. „Repowering“ heißt das in der Fachsprache.
„Das läuft durchgehend bei uns“, sagt Meyers. In Sachen erneuerbare Stromerzeugung herrscht also stetiges Treiben in der Gemeinde. Nicht jeder ist darüber erfreut. Es gibt Beschwerden wegen Lärmbelästigung. „Die meisten dieser Beschwerden stammen von Anwohnern, wo die Windräder näher als einen Kilometer an den Wohnhäusern stehen“, heißt es vom technischen Dienst der Gemeinde.
Wintger hat Potenzial für 10.000 Einwohner
Deswegen wollte die Gemeinde im „Plan d’aménagement général“ (PAG), der in Wintger mit Verspätung fertig wurde, einen Mindestabstand zur Bebauung verankern. 1.000 Meter sollten es mindestens sein, um künftigen Beschwerden zuvorzukommen. Dem hat das Innenministerium, das den PAG absegnen muss, widersprochen. „Dagegen haben wir jetzt Einspruch erhoben“, sagt Gemeindechef Meyers.
Das Verwaltungsgericht muss entscheiden. Die Klage läuft vor dem Hintergrund, dass die Gemeinde mit den aktuell als Bauzonen ausgewiesenen Flächen das Potenzial hat, auf rund 10.000 Einwohner anzuwachsen. Das hat die gemeindeeigene „Etude préparatoire“ im Rahmen des PAG ergeben. Es wird also in absehbarer Zukunft gebaut.
Am 1. Januar 2026 hatte die Gemeinde 5.031 Einwohner und verzeichnete ein jährliches Wachstum von rund zwei Prozent. Natur, Weite und Ruhe ziehen viele Menschen an und es ist zu befürchten, dass das Wachstum nach Inkrafttreten des neuen PAG auf 2,5 Prozent oder sogar drei Prozent steigen könnte.
Es gibt viel Wind in der Gemeinde
Das ist eine Beobachtung aus anderen Gemeinden. In Wintger wurde der PAG am 30. Oktober 2025 vom Innenministerium genehmigt – genau ein Jahr, nachdem er eingereicht worden war. Die Verspätung rechtfertigt sich durch mehrere Tatsachen. Im ersten PAG-Anlauf hatte die Gemeinde versucht, weitere Windräder auf Gemeindegebiet zu untersagen.
„Da wurde uns gesagt, das ist ‚utilité publique‘ und geht nicht“, sagt Meyers. Der Wind in der Gemeinde ist Fluch und Segen zugleich. Außerdem gab es Reklamationen. Der zweite Versuch war die definitive Abstimmung über den PAG im Oktober 2024. Dessen Inhalt zog erneut Reklamationen nach sich.
Ein Gesetz, das den Abstand von Windrädern regelt, gibt es nicht. Um ein Windrad zu bauen und zu betreiben, sind nach Gemeindeangaben mehrere Genehmigungen erforderlich. Eine davon, die von der Naturschutzbehörde, regelt, dass der Betrieb keine zu großen Auswirkungen auf Umwelt, Lärmbelästigung oder Sicherheitsvorschriften hat.
„Der Abstand zur Bebauung ist nicht pauschal in einem Gesetz festgelegt, sondern ergibt sich je nach Situation und in Abhängigkeit von entsprechenden Studien“, heißt es vom technischen Dienst der Gemeinde. So ein Abstand kann die Stimmung in der Gemeinde kippen. „Dann ist es ein Windrad zu viel“, sagt Meyers mit Sorge und dem trockenen Humor des Nordens.