Niederanven
Wieso Wasserleitungen bis zu 150 Jahre unter dem Boden liegen
Fließendes Wasser gehört zum Alltag. Die Leitungen sind aber teilweise uralt. Warum das kein Problem ist und wie die Wasserversorgung sichergestellt wird.
Die Wasserversorgung in Niederanven sei sicher, trotz teils jahrzehntealter Rohre Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Den Hahn aufdrehen und „Wasser marsch“: Die Trinkwasserversorgung gehört zu den Aufgaben der Gemeindeverwaltung. Das ist auch gesetzlich festgehalten. Und doch sind in vielen Kommunen die Wasserleitungen teils Jahrzehnte alt. Warum das so ist und wieso das kein Problem ist, erklären Fréd Ternes (CSV), Bürgermeister der Gemeinde Niederanven, und Marc Haan, Abteilungsleiter beim technischen Dienst. Dieser möchte kein Foto von sich in der Zeitung haben.
„Wasserleitungen haben eine Lebensdauer zwischen 50 und 150 Jahren“, sagt Haan. Alte Rohre sind also keine Seltenheit – und voll funktionsfähig. Eine genaue Übersicht über das Alter der Infrastruktur hat die Gemeinde nicht, wohl aber darüber, welche Leitungen aus welchem Material bestehen. „Daraus können wir ein wenig auf das Alter schließen.“ Denn: Die Materialien, aus denen Rohre bestehen, haben sich im Laufe der Zeit verändert. „In der Nachkriegszeit wurde viel mit Rohguss gearbeitet – das war etwas spröde.“ Später kam Stahl, heute wird Plastik (Polyethylen) verwendet.
Die Leitungen liegen über einen Meter unter dem Boden – denen passiert nichts
Marc Haan
Abteilungsleiter beim technischen Dienst der Gemeinde Niederanven
Infrastruktur muss überprüft und gegebenenfalls erneuert werden. Bei den Wasserleitungen hängt das von vielen Faktoren ab, zum Beispiel von dem Material, der Bodenbeschaffenheit oder auch der Art und Weise, wie die Rohre verlegt wurden. „Man kann nicht generell sagen, nach X Jahren muss eine Leitung ersetzt werden“, sagt Haan. Sein Dienst analysiert, wie häufig Rohre pro Jahr und Kilometer Schäden aufweisen. „Bei zu vielen Vorfällen sollte die Leitung ersetzt werden.“ Auch bei Anomalien beim Wasserverbrauch würden die Techniker Untersuchungen durchführen. „Wenn der Verbrauch sprunghaft steigt, suchen wir nach der Ursache.“ Bei einer Kontrolle kommen spezialisierte Wagen zum Einsatz, die Niederanven wegen der hohen Kosten mit anderen Gemeinden teilt. Auch gebe es heutzutage Geräte, die anhand von Geräuschen Lecks lokalisieren können, sagt Haan.
Wasser ist wie Strom
Die Wasserversorgung in der Kommune sei aber grundsätzlich sicher: „Die Leitungen liegen über einen Meter unter dem Boden, denen passiert nichts“, so Haan. „Eine Wasserleitung ist wie ein Stromkabel: Solange der Strom fließt, ist alles gut. Wenn er nicht mehr fließt, führen wir Untersuchungen durch.“ Präventive Wartung gibt es bei der Wasserversorgung nicht, erst bei Problemen kann die Gemeinde aktiv werden. Sanierungen im Wassernetz werden daher mit anderen Projekten wie Straßen- oder Kanalarbeiten verbunden. „Die Gemeinde plant keine Projekte spezifisch nur für Wasserleitungen.“ Ein Beispiel: In der rue des Romains entsteht ein Radweg. Da die Arbeiter die Straße dafür ohnehin aufreißen mussten, werden hier auch die Wasserleitungen ersetzt. Das heißt, die neuen Rohre werden parallel zu den bestehenden verlegt. „Dadurch ist die Wasserversorgung nur kurz unterbrochen“, erklärt Haan.

Fréd Ternes sagt, es sei die Pflicht der Gemeinde, für sauberes Trinkwasser zu sorgen – auch wenn die Ausgaben unpopulär sind Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Die Instandhaltung der Wasserversorgung ist laut dem Bürgermeister teuer – und die Ausgaben dafür nicht immer populär. Wenn die Gemeinde ein Stück Gehweg baut und gleichzeitig die Wasserversorgung saniert, komme oft Kritik an überzogenen Kosten – wie in der vergangenen Gemeinderatssitzung seitens der DP-Opposition am Radweg in der rue des Romains. Jedoch kämen auch die Investitionen für die Instandhaltung der unterirdischen Infrastruktur dazu. „Das sehen die Menschen nicht, sie würden es nur sehen, wenn es nicht mehr funktioniert.“ Mit diesen Ausgaben würden Politiker keine Wahlen gewinnen, so der Bürgermeister.