Wetterkolumne

Wie Wetter-Apps wirklich funktionieren

Wetter-Apps, wie sie auf den meisten Smartphones vorinstalliert sind, sind praktische Tools, um schnell aktuelle Wetterbedingungen und Vorhersagen abzurufen. Doch viele Nutzer haben oft unrealistische Erwartungen an diese Apps.

App-Darstellung in Echtzeit eines lokal begrenzten Gewitters in der Moselgegend am 31. August um 4 Uhr nachts. Entstehungsort und weitere Entwicklung sind bei solchen Wetterphänomenen nur sehr kurzfristig im Detail abzubilden. Die Gewitterzelle hatte eine „Lebensdauer“ von lediglich anderthalb Stunden.  

App-Darstellung in Echtzeit eines lokal begrenzten Gewitters in der Moselgegend am 31. August um 4 Uhr nachts. Entstehungsort und weitere Entwicklung sind bei solchen Wetterphänomenen nur sehr kurzfristig im Detail abzubilden. Die Gewitterzelle hatte eine „Lebensdauer“ von lediglich anderthalb Stunden.   Foto: Screenshot Wetteronline

Ein Großteil der normalen Nutzer geht davon aus, dass das Wetter exakt so eintreten muss, wie es durch das Symbol in der App angezeigt wird. Doch wie funktionieren solche Apps tatsächlich, und wo liegen ihre Grenzen? In manchen Situationen ist es nämlich besser, sich auf professionelle Wetterdienste oder Meteorologen zu verlassen.

In eine typische Wetter-App fließen viele verschiedene Datenquellen ein. Diese können aktuelle Messwerte von umliegenden Wetterstationen, Radarbilder oder Satellitendaten umfassen. Diese gesammelten Daten werden dann in sogenannte „numerische Wettermodelle“ eingespeist, die auf physikalischen Gleichungen basieren. Die Modelle berechnen, wie sich das Wetter in den kommenden Stunden oder Tagen entwickeln könnte. Diese komplexen Berechnungen werden in großen Rechenzentren auf sogenannten „Supercomputern“ durchgeführt, die in der Lage sind, riesige Datenmengen in Sekundenschnelle zu verarbeiten. Die am häufigsten genutzten Modelle sind das amerikanische GFS-Modell und das europäische ECMWF-Modell.

Numerische Wettervorhersagen basieren auf einem großen Gitternetz, das die gesamte Erde abdeckt. Für jedes Gitterfeld wird berechnet, wie sich die atmosphärischen Bedingungen in den verschiedenen Schichten verändern könnten. Allerdings sind diese Gitternetze relativ grob, was bedeutet, dass es in kleinen Ländern wie Luxemburg, die durch Hügel, Täler und Flüsse geprägt sind, oft zu lokalen Abweichungen zwischen der Vorhersage und den tatsächlichen Bedingungen kommen kann. Während die Vorhersagen großflächig oft gut funktionieren, kann es vor Ort erhebliche Unterschiede geben.

Viele Wetter-Apps nutzen entweder eines dieser Modelle oder eine Kombination aus beiden. Aufgrund der groben Auflösung der Berechnungen kommt es jedoch vor allem in gratis erhältlichen Apps oft zu Ungenauigkeiten – besonders bei kleinräumigen Phänomenen wie Gewittern. Solche Modelle erkennen aufgrund ihrer Größe die feinen Unterschiede in der topografischen Struktur eines Landes nicht ausreichend.

Wo Wetter-Apps an ihre Grenzen stoßen

Man muss sich stets vor Augen halten, dass die Atmosphäre chaotischer Natur ist. Das Wetter ist ein extrem dynamisches und sensibles System, bei dem schon kleinste Veränderungen große Auswirkungen haben können. Dieser sogenannte „Schmetterlingseffekt“ macht genaue Vorhersagen manchmal schwierig. Zwar sind Prognosen für die nächsten zwei bis drei Tage recht zuverlässig, doch darüber hinaus nimmt die Genauigkeit deutlich ab.

Einige Apps zeigen Radarbilder und simulieren daraus ein zukünftiges Radarbild, welches zeigt, wo Regengebiete oder Gewitter in den nächsten Stunden sein könnten. Diese Prognosen basieren jeweils auf dem zuletzt verfügbaren Radarscan. Da sich Gewitter jedoch schnell in Richtung und Intensität ändern können, sollten diese Schätzungen mit Vorsicht betrachtet werden. Komplexe Mechanismen wie Schauer und Gewitter verändern ständig ihre Form und sorgen gerne für Überraschungen, was diese „Vorhersagen“ unzuverlässig macht.

Für den alltäglichen Gebrauch, wie die Planung eines Grillabends oder die Wahl der richtigen Kleidung, sind Wetter-Apps durchaus ausreichend. Doch bei größeren Veranstaltungen, bei denen viele Menschen auf freier Fläche dem Wetter ausgesetzt sind, sollte man sich nicht nur auf eine Standard-App verlassen – besonders dann, wenn das Potenzial von Unwettern besteht. Nur ein einziger Blitzeinschlag genügt, dabei muss das Gewitter nicht einmal stark sein.

In kritischen oder anderen wichtigen Fällen, bei denen genaue Wetterprognosen erforderlich sind, wie etwa bei der Organisation von Großveranstaltungen, ist es ratsam, sich von einem Meteorologen oder professionellen Wetterdienst beraten zu lassen. Météo Boulaide erstellt zum Beispiel seine Vorhersagen durch eine eigene Analyse vieler Wettermodelle, kombiniert mit menschlichem Fachwissen. Diese Mischung führt meist zu den besten Resultaten.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Technische Störung

Notrufnummer 113 für Orange-Kunden zurzeit eingeschränkt erreichbar