Eurovision Song Contest
Wer ist eigentlich Luxemburgs Kandidatin Eva Marija?
Zwischen Tanzproben, Presseterminen und internationalen Reisen bereitet sich Eva Marija auf den größten Auftritt ihres Lebens vor. Im Gespräch erzählt die 20-Jährige, wie sie mit Druck umgeht, welche Rolle Musik in ihrem Leben spielt – und ob sie nun Luxemburgisch lernt.
Das Lächeln vergeht Eva Marija zu keinem Moment Foto: Editpress/Julien Garroy
Zwischen Proberaum und großer Bühne bewegt sich Marija derzeit auf ihr bislang größtes Ziel zu: den Eurovision Song Contest. Die Kandidatin aus Luxemburg arbeitet konzentriert auf ihren Auftritt hin – und bringt dafür mehr mit als nur Talent. Wir treffen sie bei einer ihrer zahlreichen Tanzproben, die derzeit neben Presseterminen und Reisen zu den Pre-ESC-Partys ihren Terminkalender füllen.
Im Proberaum dröhnt der Song „Mother Nature“. Gemeinsam mit Choreografin Melanie Marques werden Schritte wiederholt und Bewegungen präzise auf die Kameraführung abgestimmt. Jede Bewegung soll „Intention“ zeigen und gleichzeitig die Leichtigkeit des Songs unterstreichen. Die 20-Jährige, im weißen Tanktop und schwarzer Hose, probt barfuß, singt trotz Playback laut mit – und klingt auch nach dem zwanzigsten Durchlauf noch wie auf der Aufnahme. Dass sie dabei beobachtet wird, scheint sie nicht abzulenken. Zwischendurch wird gelacht, dann wieder konzentriert gearbeitet. Die Show wirkt – ähnlich wie ihr Auftritt – sehr dynamisch. Jeff Spielmann von RTL verrät, dass Eva Marija beim Contest in Wien ganz allein auf der Bühne stehen wird. Zwei kleinere Requisiten kommen zum Einsatz, außerdem ist eine visuelle Inszenierung über LED-Elemente am Boden geplant.
Eva Marija probt für den großen Auftritt in Wien Foto: Editpress/Julien Garroy
In Bartringen aufgewachsen
Eva Marija wurde am 24. Dezember 2005 in der Maternité in Strassen geboren. Ihre Eltern Natascha und Martin stammen aus Slowenien und kamen ursprünglich nach Luxemburg, um für die europäischen Institutionen zu arbeiten. Doch aus dem geplanten Zwischenstopp wurde ein dauerhaftes Zuhause. „Erst kam ich, dann meine drei Brüder Marko, Jakob und David – und irgendwann dachten meine Eltern: Vielleicht bleiben wir einfach hier.“ Die Familie lebt nun seit rund 25 Jahren in Bartringen.
„Wir sind alle sehr extrovertiert und auch ziemlich stur, jeder geht seinen eigenen Weg“, beschreibt Eva Marija ihre Familie. Gleichzeitig sei der Zusammenhalt groß. Ihre Eltern hätten immer vermittelt, wie wichtig es sei, füreinander da zu sein: „Familie sind die Menschen, die einen ein Leben lang begleiten.“ Bei wichtigen Momenten zeigt sich das besonders deutlich – etwa beim Luxembourg Song Contest, zu dem unter anderem Cousins, Großvater, Onkel und Tante angereist waren. Dieses familiäre Umfeld gibt ihr Halt, gerade in einer Phase, in der vieles in Bewegung ist. „Wenn draußen alles verrückt läuft, gibt es diesen Ort zu Hause, an dem man sich sicher fühlt“, sagt sie.
Eva Marija besuchte die Europaschule in Mamer, da es dort eine slowenische Abteilung gab. „Es war schön, meine Muttersprache weiterzulernen und diesen Teil meiner Herkunft lebendig zu halten“, sagt sie. Gleichzeitig bedauert sie, dass sie so nie gelernt hat, Luxemburgisch zu sprechen. Würde sie selbst Kinder in Luxemburg großziehen, würde sie eher das nationale Schulsystem wählen, sagt Eva Marija. „Wenn man hier geboren und aufgewachsen ist, sollte man auch die Sprache des Landes sprechen.“ Sie arbeitet derzeit daran, diese zu lernen. Ihr Lebensweg spiegelt eine typische Realität Luxemburgs wider: ein Leben zwischen verschiedenen Kulturen. „Luxemburg ist ein Schmelztiegel – und genau das macht es so besonders“, betont die Musikstudentin.

Lachen muss sein: Eva Marija und Choreografin Melanie Marques sprechen sich ab Foto: Editpress/Julien Garroy
Ein Leben voller Musik
Die Leidenschaft für Musik beginnt früh. Auslöser ist ein Moment, an den sich Eva Marija bis heute genau erinnert: der Sieg von Alexander Rybak beim Eurovision Song Contest 2009. „Ich war drei Jahre alt, er stand auf der Bühne, hat Geige gespielt und gesungen – und ich war sofort fasziniert.“ Kurz darauf steht für sie fest: Auch sie will Geige lernen.
Was als kindliche Faszination beginnt, entwickelt sich schnell zu einem zentralen Bestandteil ihres Lebens. Das Konservatorium wird für sie zum zweiten Zuhause. Proben, Unterricht und Übungen bis in den Abend hinein – auch samstags. „Es war intensiv, aber genau das, was ich machen wollte“, sagt sie rückblickend.
Ausgebildet wird sie klassisch an der Geige und in Solfège. Gleichzeitig erweitert sie ihr Repertoire um Jazz- sowie Rock- und Popgesang. Auch Jazztheorie und -geschichte gehören dazu. Mit der Zeit kommen weitere Instrumente hinzu: Neben der Geige spielt sie heute auch Gitarre, Klavier und Bass, gelegentlich probiert sie sich am Schlagzeug.
Musik ist auch in ihrer Familie präsent. Ihre Brüder spielen ebenfalls Instrumente und sind kreativ aktiv – von Gitarre und Klavier bis hin zu Tanz und Schauspiel. „Jeder geht seinen eigenen Weg“, sagt sie. Für Eva Marija steht fest, dass sie Musik zu ihrer Lebensaufgabe machen will: Nach dem Schulabschluss beginnt sie das Studium „Contemporary Songwriting“ am ICMP in London. Ihre Studienstadt hat sie ins Herz geschlossen – vor allem, weil London für die Verschmelzung von Musikstilen steht und ihr zahlreiche Chancen bietet. „Ich könnte dort jeden Tag auftreten.“
Eva Marija befindet sich nun im letzten Semester ihres Bachelors und kann einen Teil der Kurse online belegen. Die Universität habe großes Verständnis für ihre ESC-Teilnahme gezeigt und erlaubt es ihr, diese als Abschlussarbeit zu nutzen. Die Note ist allerdings nicht an die finale Platzierung gekoppelt. „Ich führe jeden Tag Tagebuch, um alle meine Erfahrungen aufzuschreiben. Nach dem Wettbewerb muss ich dann alles nur noch zusammenfügen.“

Kleine nervöse Ticks zeigen sich manchmal bei der Probe Foto: Editpress/Julien Garroy
Reaktion auf die Plagiatsvorwürfe
Luxemburg wird auch in Zukunft ihr Lebensmittelpunkt bleiben – gleichzeitig zeichnet sich ein mobiles Leben ab. Ihr Produzent arbeitet in Dänemark, ihr Label sitzt in Berlin. Reisen wird daher ein fester Bestandteil ihres Alltags sein. Tatsächlich freut sich Eva Marija darauf. Die Freundschaftsarmbändchen, die sie trägt, erinnern an verschiedene Orte, die sie bereits besucht hat. Allerdings will sie möglichst nachhaltig reisen: „Ich versuche, so oft wie möglich den Zug zu nehmen.“ Immerhin steht ihr Song „Mother Nature“ für einen respektvollen Umgang mit der Umwelt.
Ich bin mit dem ESC aufgewachsen. Es bedeutet mir sehr viel, die Show nun selbst vor Ort und sogar aus dem Green Room heraus miterleben zu können. Ich bin ganz aufgeregt.
Rund um ihren Song gab es einen kleinen „Skandal“ im Netz: Einige warfen vor, er sei von Birdys „Keeping Your Head Up“ abgekupfert. Eva Marija nimmt diese Vorwürfe ernst, weist sie jedoch klar zurück. Ein Plagiat liege nicht vor, das sei auch unabhängig überprüft worden. Die Kritik habe sie zunächst getroffen, räumt sie ein. Der Song sei im Rocklab gemeinsam mit ihren Songwritern entstanden, und niemand habe dabei an Birdys Song gedacht. „Man möchte nicht, dass die eigene Arbeit infrage gestellt wird.“ Gleichzeitig habe sie schnell gelernt, mit solchen Reaktionen umzugehen. Inzwischen betrachtet sie die Debatte nüchterner – und erkennt auch eine positive Seite: Die Aufmerksamkeit habe dazu geführt, dass sich mehr Menschen mit dem Song auseinandersetzen. „Am Ende ist wichtig, dass ich hinter dem stehe, was ich mache“, sagt sie.

Eva Marija versucht, hoch hinauszuspringen Foto: Editpress/Julien Garroy
„Hey Linda, ich bin hier!“
Den Eurovision Song Contest selbst sieht sie weniger als Wettbewerb, sondern als Plattform für Austausch. Sie freut sich darauf, Künstler aus verschiedenen Ländern kennenzulernen und Musik zu teilen. Ihre Haltung bleibt dabei bewusst offen und verbindend. „Ich gehe mit Frieden und Liebe dorthin“, umschifft sie geschickt die Frage, wie sie die Teilnahme Israels beim ESC sieht. „Ich respektiere die Entscheidungen, die die anderen Länder getroffen haben.“
Auf die Frage, ob sie sich die Konkurrenz und die anderen Songs angeschaut hat, erklärt Eva Marija, dass sie diese nicht als Konkurrenz, sondern vielmehr als Inspiration sieht. „Ich bin mit dem ESC aufgewachsen. Es bedeutet mir sehr viel, die Show nun selbst vor Ort und sogar aus dem Green Room heraus miterleben zu können. Ich bin ganz aufgeregt.“
Eva Marija wird übrigens nicht die Einzige sein, die mit einer Geige auftritt: Auch Finnlands Beitrag setzt auf die Kraft des Streichinstruments. Auf die Frage, ob bereits ein gemeinsames Duett geplant sei, antwortet sie: „Also von meiner Seite aus würde ich das gern. Hey Linda, ich bin hier!“
Am Ende bleibt vor allem die Vorfreude – auf die Bühne, auf den Moment und darauf, einen Kindheitstraum zu leben. Für Eva Marija schließt sich damit ein Kreis: vom dreijährigen Mädchen vor dem Fernseher zur Künstlerin auf der großen Eurovision-Bühne.

Die Geige ist ein wichtiger Bestandteil in Eva Marijas Leben Foto: Editpress/Julien Garroy