Luxembourg City Film Festival

Was uns „Human Resource“ zur Arbeitswelt und „On sera heureux“ zu schwulen Männern im Exil lehrt

Das Luxembourg City Film Festival (LCFF) läuft, das Tageblattübergibt an junge Filmfans: Was halten sie vom Festivalprogramm? Eine Schulklasse aus dem „Lycée Robert Schuman“ knüpft sich ausgewählte Filme vor. Heute sind Emma Mersch und Alessia Bernard mit „Human Resource“ sowie Lynn Lautem mit „On sera heureux“ dran.

War beim Luxembourg City Film Festival zu sehen: „Human Resource“ , ein thailändischer Spielfilm, geschrieben und inszeniert von Nawapol Thamrongrattanarit

War beim Luxembourg City Film Festival zu sehen: „Human Resource“, ein thailändischer Spielfilm, geschrieben und inszeniert von Nawapol Thamrongrattanarit Foto: Sarrote Sakwong

„Human Resource“ ist ein thailändischer Film, der von Nawapol Thamrongrattanarit produziert wurde und die brutalen Arbeitskonditionen sowie Korruption in Thailand thematisiert. Der Film feierte am 27. August 2025 Premiere bei den Filmfestspielen in Venedig, wo er den Preis der „Fondazione Fai“ gewann. Dieser Preis zeichnet Filme aus, die sich mit Themen wie Arbeit und globaler Gesellschaft befassen.

Worum es geht

Die Story handelt von einer Frau, Fren, deren Alltagsleben als Büroangestellte in Bangkok illustriert wird. Der Film beginnt mit dem Bild eines Ultraschalls und einer Ärztin, die Fren rät, es langsam anzugehen und sich nicht stressen zu lassen. Durch Druck auf der Arbeit und die Uneinigkeiten zu Hause ist dies oft nicht möglich. Dem Publikum wird vor Augen geführt, wie unsere Gesellschaft eigentlich funktioniert, wie unwichtig das Wohl der Menschen den meisten Vorgesetzten ist. Ebenso werden der Stress und die Lebensbedingungen, denen die Menschen deswegen ausgesetzt sind, thematisiert und was für Auswirkungen dies auf die Bevölkerung als Einheit hat. Der Film vermittelt uns ohne Worte Frens Emotionen und Gedanken: Sie fragt sich, ob es fair sei, ein Kind in solch einer Gesellschaft zu gebären.

Zur Form

Aufmerksamkeit erregende Aspekte sind unter anderem, dass nicht viel Dialog benutzt wird. Es gibt viele Szenen, in denen man nur ein Close-up einer Person sieht, die nicht spricht, sondern bei der man nur an der Mimik erkennt, was sie gerade denkt oder fühlt. Außerdem bleibt die Kamera oft statisch, sie dreht sich manchmal, um einem Objekt zu folgen, das im Fokus steht. Doch über weite Strecken gibt es keine Bewegung. Die Perspektive wird somit auch nur durch Cuts geändert.

Über Emma und Alessia

Emma Mersch schreibt über sich: „In meiner Freizeit spiele ich Cello und höre allgemein viel Musik. Ich interessiere mich vor allem für Coming-of-Age- und dystopische Filme.“ Dem schließt sich ihre Klassenkameradin Alessia Bernard an und fügt hinzu: „Ich interessiere mich viel für Musik und Filme aus allen Kulturen.“

Hintergrundmusik wird nicht eingesetzt, man hört nur zu der Szene passende Geräusche, wie zum Beispiel das Radio, Schritte, das Hupen von Autos oder sogar das Atmen einer Person. Um die Cuts weniger abrupt zu machen, fangen die Hintergrundgeräusche der nächsten Szene oft schon an, bevor man das dazu passende Bild sieht.

Was der Film lehrt

Die Schauspieler, vor allem die Hauptprotagonistin, sind sehr überzeugend. Als Zuschauerinnen haben wir auch ohne Dialog alles hautnah mitempfunden. Manchmal fühlt sich der Film der Stille wegen etwas langgezogen an, doch dies wird durch die Einblicke in die Großstadt und die Art und Weise, wie die Kamera sie erfasst, wettgemacht. Ein anderer wichtiger Aspekt, mit dem sich der Film befasst, ist der Anfang und das Ende des Lebens, welches uns viel zum Nachdenken bewegte. Für uns war dies eine Aufforderung, unser Leben zu leben – und dass Arbeit uns nicht umbringen soll.

Unserer Meinung nach hat der Regisseur genau die Botschaft herübergebracht, die er vermitteln wollte und die das Publikum auch sofort versteht. Es ist ein tiefgründiger, interpretativer Film, der definitiv sehenswert ist.


„On sera heureux“: Liebe, Flucht und Hoffnung

Der Film „On sera heureux“ von Léa Pool ist eine Co-Produktion zwischen Quebec und Luxemburg. Es handelt sich um ein Drama, das die Themen LGBTQ+ und Immigration behandelt. Gedreht wurde der Film in drei verschiedenen Ländern: in Marokko, Kanada und Luxemburg. Die Premiere war 2025.

Die Handlung des Films bezieht sich auf die Immigrations- und Liebesgeschichte zweier Männer. Karim Berrada und Reza Mohammadi waren aufgrund ihrer sexuellen Orientierung gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Ihre Reise führte sie aus dem Iran über Spanien und Frankreich bis nach Montréal, um sich dort niederzulassen. Karim erhält dort ein Visum unter dem Namen „Saad“ und beginnt, als Taxifahrer zu arbeiten. Jedoch wird Reza das Visum verweigert und ihm droht die Abschiebung.

Vom Fake zur Liebesbeziehung

Entschlossen, seinem Partner zu helfen, versucht Karim einen Weg zu finden, um Reza beizustehen. Dabei trifft er auf Laurent, der im Ministerium arbeitet. Anfangs geht Karim eine Beziehung mit Laurent ein, um diesen zu beeinflussen, damit er ihm hilft, das Visum für Reza zu erhalten. Was als Mittel zum Zweck beginnt, entpuppt sich schon bald als Beziehung mit wahren Gefühlen – vor allem vonseiten von Laurent, der Karim in sein Leben einbindet.

Über Lynn

Mein Name ist Lynn Lautem, ich bin 18 Jahre alt. Ich schaue gerne Filme und gehe auch oft mit Freunden ins Kino. Meine Filmpräferenzen liegen vor allem bei Komödien sowie bei Filmen, die sich mit dem Sozialsystem und der Psychologie beschäftigen. Es fasziniert mich, welchen Einfluss Filme auf die Denkweise des Zuschauers haben können. Deshalb zählt „Inception“ zu meinen Lieblingsfilmen, da er einige dieser Themen miteinander verbindet. Meine Motivation, den Film „On sera heureux“ auszuwählen, liegt darin, dass er eine bewegende Geschichte erzählt und zugleich eine tiefere Botschaft vermittelt. Der Film thematisiert Probleme und Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft, besonders in Bezug auf das Immigrationssystem und die sexuelle Orientierung.

Dennoch wird Karim durch seine Herkunft in seinem Umfeld immer wieder mit Vorurteilen und herablassendem Verhalten konfrontiert. Nach einiger Zeit durchschaut Laurent Karims Spiel. Trotz seiner Enttäuschung ist er bereit, ihm zu helfen und Reza zu retten.

Intoleranz als Motiv

„On sera heureux“ ist ein Film, der deutlich zeigt, wie intolerant unsere Gesellschaft teilweise ist und mit welchen Vorurteilen Immigranten konfrontiert werden. Die Filmemacher bezeichnen das Werk selbst auch als dramaturgisches Theater. Am Ende des Films erwähnen die Darsteller selbst, wie stark der Film und die Dreharbeiten sie berührt haben und wie bereichernd diese Erfahrung für sie als Individuen war. Gleichzeitig weisen die Darsteller auch auf die Schwierigkeiten hin, die durch diese sensiblen Themen während der Dreharbeiten entstanden sind. Es lag ihnen am Herzen, diese Themen auf die Leinwand zu bringen, da LGBTQ+ und Immigration im Kino noch viel zu wenig behandelt werden.

Aus meiner Sicht ist der Film bereichernd und eindrucksvoll dargestellt. Er spricht Themen an, die in unserer Gesellschaft oft vermieden oder verdrängt werden. Gerade dadurch entwickelt der Film eine besondere, fesselnde Wirkung auf den Zuschauer und regt zum Nachdenken an. Zudem ist die Geschichte bewegend, besonders das Ende hinterlässt einen starken Eindruck. Ein sehenswerter Film.

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