Esch
Warum die Stadt ihre Straßen unterschiedlich beleuchtet
Wie ist das Beleuchtungskonzept der Stadt Esch ausgelegt? Warum sind einige Straßen taghell und andere nur wenig beleuchtet? Fragen, die Patrick Wagner, Zuständiger für den Elektrizitätsdienst, und André Zwally (CSV-Schöffe) uns beantworten.
Die Alzette-Straße ist bewusst überbeleuchtet, um das Sicherheitsgefühl zu verbessern Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Wer abends durch Esch spaziert, merkt schnell: Während einige Straßen hell ausgeleuchtet sind, wirken andere vergleichsweise dunkel. Diese Unterschiede werfen Fragen auf – und es gibt auch Kritik. Doch hinter der öffentlichen Beleuchtung steckt ein Konzept, das technische, gesetzliche, ökologische und sicherheitsspezifische Aspekte miteinander verbindet.
„Beleuchtung ist immer ein Balanceakt“, erklärt Schöffe André Zwally (CSV), der gemeinsam mit Patrick Wagner, dem Chef des Beleuchtungsdienstes, Einblick in das System der öffentlichen Beleuchtung der Gemeinde Esch gibt. Ziel sei es, Sicherheit zu gewährleisten, Energie zu sparen und gleichzeitig die Lichtverschmutzung zu reduzieren.
Patrick Wagner (l.) und André Zwally (CSV) erklären, warum sich das Escher Beleuchtungskonzept von Viertel zu Viertel unterscheidet Foto: Editpress/Julien Garroy
Die Stadt Esch betreibt derzeit über 5.700 Straßenleuchten. Seit 2017 setzt die Gemeinde konsequent auf LED-Technologie: Rund 61 Prozent der Leuchten – etwa 3.000 Stück – wurden bereits umgerüstet. Innerhalb von fünf bis sechs Jahren sollen laut Zwally sämtliche alten Leuchten ersetzt sein. Für das öffentliche Beleuchtungssystem sind 2026 mehr als drei Millionen Euro im Budget vorgesehen.
Mehrere Beleuchtungsklassen
Die Modernisierung erfolgt meist im Rahmen von Straßenbauarbeiten. „Dann wird nicht nur die Leuchte ausgetauscht, sondern auch die Verkabelung erneuert und manchmal sogar die Position angepasst, um die Lichtverteilung zu optimieren“, erklärt Wagner.
Regelmäßige Rundgänge durch den fünfköpfigen Gemeindedienst, um mögliche Ausfälle zu prüfen, werden aktuell nicht durchgeführt. „Wenn wir komplett auf LED umgestiegen sind, werden wir eventuell Rundgänge einführen müssen“, so Wagner. Die Instandhaltung wird sich dann nämlich ändern: Während die ursprünglichen Glühbirnen eine Lebensdauer von maximal vier Jahren hatten, liegt diese für LED-Leuchten bei etwa 30 Jahren.
Die beiden Pavillons auf dem Brillplatz sollen für Helligkeit und Sicherheitsgefühl sorgen Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Ein Teil der Leuchten – insbesondere im Stadtzentrum – meldet Ausfälle bereits automatisch, in den meisten Vierteln ist diese Technik allerdings noch nicht vorhanden. Deswegen müssten dann regelmäßige Kontrollen durchgeführt werden. Leuchten mit Bewegungssensoren, die die Lichtverschmutzung stellenweise reduzieren sollen und bereits in anderen Gemeinden eingesetzt werden, sind aktuell in Planung, etwa für einen Fahrradweg im Neudorf – sie werden aber vorerst geprüft.
Es wirkt vielleicht widersprüchlich – wir versuchen auf der einen Seite Lichtverschmutzung zu reduzieren und setzen auf der anderen Seite auf die Beleuchtung unserer Strukturen. Diese gehören eben einfach zu unserer Stadt.
André Zwally
CSV-Schöffe
Dass stark befahrene Straßen heller beleuchtet sind als Neben- oder Wohnstraßen, folgt klaren Regeln. Die Stadt Esch hält sich dabei an europäische Vorgaben in DIN-Normen, welche Lichtplanung und -qualität europaweit festlegen. Außerdem dient das Programm „Gutes Licht“, das 2018 vom Umweltministerium ausgearbeitet wurde, als Leitfaden. „Es gibt etwa verschiedene Beleuchtungsklassen“, erklärt Wagner. Eine Hauptverkehrsachse benötigt deutlich mehr Licht als ein reiner Fußgängerweg oder ein Bereich mit wenig Durchgangsverkehr. Diese Normen bestimmen nicht nur die Helligkeit, sondern auch Abstände, Ausrichtung und Art der Leuchten.
Helles Licht zur Sicherheit
Zugleich gibt es bewusste Ausnahmen: So wurde die Alzettestraße auf Wunsch der Anwohnerinnen und Anwohner stärker beleuchtet, um dem Gefühl von Unsicherheit entgegenzuwirken. Allerdings nicht die ganze Nacht – nach Mitternacht wird die Beleuchtung automatisch auf rund 60 Prozent gedimmt, am Morgen fährt sie wieder hoch.
Ähnliche Tests laufen auch rund um das „Cinquantenaire“, wo Wege hinter Häusern nachts heruntergedimmt werden, um Anrainer weniger zu stören. Auf Wunsch der Escher Polizei soll die verstärkte Beleuchtung künftig auch auf angrenzende Nebenstraßen der rue de l’Alzette ausgeweitet werden.
Der Brillplatz wird ebenfalls bewusst hell beleuchtet. Die beiden Pavillons leuchten dort teilweise bis ein Uhr nachts. „Aus Sicherheitsgründen“, sagt Zwally. „Die Menschen fühlen sich so wohler.“ Außerdem: Würde man die Pavillons nicht beleuchten, könnte es zu Vandalismus kommen, so Wagner. Neben den Pavillons, den Sitzbankleuchten und hohen Lichtmasten ist auch die Fassade des Escher Theaters angestrahlt und die LED-Bildschirme am Resistenzmuseum sorgen ebenfalls für Helligkeit. – Ob man hier nicht doch einige Lichtquellen einsparen könnte? „Bisher hat es keine Beschwerden gegeben“, so Zwally.
Die Lichter am „Bridderhaus“ in der rue Léon Metz gehen um Mitternacht aus Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Mitte Januar kam es auf dem Parkplatz am Friedhof Saint-Joseph zu einer Panne, die zu einer längeren Lichteinschränkung führte, da bestellte Ersatzteile auf sich warten ließen. Hinzu komme, dass Ausfälle nicht immer sofort gemeldet werden. Oft gehe man davon aus, dass Nachbarin oder Nachbar es bereits signalisiert haben, dann dauert es Wagner zufolge noch länger. Dass der Friedhof Saint-Joseph selbst überhaupt beleuchtet ist, sei eher unüblich. „Friedhöfe bleiben normalerweise dunkel. In diesem Fall handelt es sich jedoch um einen öffentlichen Spazierweg“, erklärt Wagner.
Dennoch Energieverschwendung?
Nicht überall kann die Stadt selbst eingreifen. Der spärlich beleuchtete Bürgersteig am Boulevard John F. Kennedy in Richtung Avenue de la Gare ist ein Beispiel dafür. Da es sich um eine Staatsstraße handelt, liegt die Zuständigkeit bei der Straßenbauverwaltung „Ponts et Chaussées“, an die entsprechende Beschwerden weitergeleitet werden.
Als die globale Energiekrise 2021 ausbrach, entschieden sich zahlreiche Luxemburger Gemeinden dazu, die Lichter nachts abzuschalten und auf überflüssige Beleuchtung zu verzichten. Auch in Esch testete man damals die komplette Abschaltung der Straßenbeleuchtung in der Nacht – der Testlauf wurde aber nach nur wenigen Tagen beendet. „Die Angst der Menschen war groß, es kamen zu viele Beschwerden rein“, erinnert sich Zwally. Wagner ergänzt: „Bei mir lief das Telefon heiß.“ Konsequenzen wurden laut Zwally trotzdem aus der Krise gezogen: Öffentliche Gebäude wie das „Bridderhaus“ oder das Rathaus werden seither ab Mitternacht nicht mehr beleuchtet.
Ob diese Form der Beleuchtung nicht dennoch an Energieverschwendung grenze, legitimiert Zwally folgendermaßen: „Es wirkt vielleicht widersprüchlich – wir versuchen auf der einen Seite Lichtverschmutzung zu reduzieren und setzen auf der anderen Seite auf die Beleuchtung unserer Strukturen. Diese gehören eben einfach zu unserer Stadt.“