Lust zu lesen

„Vorstadtprinz – Roman meiner Kindheit“ ist viel mehr als nur Spaß

Matthias Egersdörfer

Matthias Egersdörfer Foto: Stephan Minx

Bekannt dürfte der Mann aus Sendungen in den dritten bundesdeutschen Fernsehprogrammen sein – wie er so dasteht auf der Brettlbühne in rotem Hemd und dunklem Lotteranzug, untersetzt, schmerbäuchig, mit wenig Haupthaar und viel zu breiten Koteletten, grollend mit der Welt und überhaupt. Wer Matthias Egersdörfer schon einmal gesehen hat, der weiß, dass früher oder später eine Brüllattacke zur Aufführung kommt, bei der immer zu befürchten ist, dass der Schreihals mit puterrotem Kopf umkippt und wiederbelebt werden muss. Aber der Kabarettist fällt nicht, denn die Ausraster sind wohl kalkuliert, sie unterstreichen sein Image des bärbeißigen Originals, dessen Komik beängstigend sein kann und dessen fränkisches Idiom sich zuweilen anhört, als wäre dem Sprecher urplötzlich die Zunge im Mund angeschwollen. Dass Egersdörfer auch Bücher veröffentlicht, ist nicht verwunderlich, denn das gehört schließlich zu den Pflichtübungen eines jeden halbwegs bekannten Spaßmachers im deutschsprachigen Kulturraum. Aber Matthias Egersdörfers „Vorstadtprinz“ überrascht dann doch, denn er geht über das Maß der üblichen Zweitverwertung weit hinaus und ist tatsächlich, wie der Untertitel „Roman meiner Kindheit“ behauptet, ein Buch, das die Lebenserinnerungen eines Menschen zum Thema hat, dessen Bekanntheit in krassem Gegensatz zu seiner Herkunft steht.

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