Twing Raid Tag IV
Vor der großen Überfahrt nach Marokko belegen die LGE-Twingos den 18. Platz
Am Mittwoch sind die beiden LGE-Twingos am Meer angekommen. Am Donnerstagmorgen steht die Überfahrt nach Marokko auf dem Programm und dann eine Etappe von 570 Kilometern. Ein Erfahrungsbericht, Teil 3.
Gianni Mersch, Verantwortlicher des „Uelzechtkanal“ im LGE, wähnt sich offensichtlich bereits am Ziel. Doch noch fehlen einige Kilometer. Foto: Christian Schaack
Eigentlich sind wir am Dienstag die 603 km zwischen Irun und Plasencia problemlos durchgedüst. Der Motor schnurrt wie ein Schweizer Uhrwerk, Ölverschleiß ist minimal, Wassertemperatur optimal, unser Fliegender Teppich fliegt, pardon, läuft bis jetzt tadellos.
Bei bereits 1.631 gefahrenen Kilometern liegt unser Durchschnittsverbrauch bei 6 Litern auf 100 km. Geeinigt haben wir uns auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit so um die 115-120 km/h, gerade um den Motor nicht überzustrapazieren, um den Verbrauch zu zügeln, die Bremsen zu schonen und auch um den Lärmpegel im Innenraum im Bereich des Erträglichen zu halten. Eigentlich ist das Motorgeräusch der einzige Störfaktor bei diesem 1,2-l-16V Modell, der Wagen ist halt für urbane Ausflüge oder Landstraßenspritztouren gedacht, nicht für endlose Autobahnstrecken.
Out für 40 Teilnehmer
In Sachen Technik gab es bisher eine Menge Streiks: Über 40 Teilnehmer sind bereits ausgefallen. Nach dem Motto ‚zehn kleine Twingolein‘ … Im Klassement belegten wir am Mittwoch vor der Abfahrt den 18. Platz – gemessen an den bereits zurūckgelegten Kilometern. Ein Team ist sage und schreibe die 1.100-km-Strecke über Nacht durchgefahren … Strategien gibt’s! Für uns bleibt dies unverständlich … Dank eines aufgeklebten Trackers kann jedes Team jederzeit lokalisiert werden, und jeder Teilnehmer kann dies genauso im Auge behalten.
In puncto Strecke bleibt zu bemerken, dass Spanien dünn besiedelt erscheint und viele Ortschaften geisterhaft isoliert wirken. Im Baskenland erscheint die Landschaft saftig grün, nach 100 km eher in Erdtönen, anfangs stark hügelig, nach und nach immer flacher.
Ab Salamanca bemerken wir, dass unser Auto 1.000 Höhenmeter erreicht hat: Es ging konstant vom Atlantik aus bergauf. Auch der Benzinverbrauch ist einen Liter in die Höhe geschnellt.
Nach Salamanca tun sich aßerdem zwei Sierras auf: de Béjar und de Francia. Hier liegt noch Schnee auf den Gipfeln und mit einer stolzen Höhe von 2.428 Metern ist der Canchal de la Ceja Platzhirsch. Sogar das Skigebiet La Covatilla erstreckt sich zwischen 2.000-2.369 Höhenmetern. Auf der rechten Seite staffeln sich mehrere Gebirgszüge in Reih und Glied, aber bitte schön im Gegenlicht der untergehenden Sonne – ein echter Augenschmaus!
Kontrastreiches Spanien
Mal öde verdörrt, mal stramme Olivenplantagen, mal gottverlassene Orte mit Horrorfilm-Ambiente. Auch die Einwohner haben es uns angetan: Es wird laut und bewegt diskutiert, die Leute sind hilfsbereit, ohne sich aufzudrängen, sehr dankbar, wenn man Spanisch spricht, und das Fernsehen bleibt in der Hand von Moderatorinnen mit übertriebener Schönheitschirurgie. Wir lieben diese Kontraste, essen tolle Gerichte und fühlen uns pudelwohl.
So haben wir am Mittwoch auf dem Weg nach Algeciras auf 514 km gleich fünf Sierras von nah und fern gesehen: de Fuentes, de San Pedro, de Montánchez, de los Olivos und de Tendudia. Spanien bietet viel und diese Rallye ist bis jetzt die reinste Entdeckungsfahrt! Hasta la vista Babe …

Das Schöne an Spanien scheinen die Landschaften und die improvisierten Raststätten zu sein Foto: Christian Schaack