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Von kleinen Köpfchen und großen Sprüngen – Wallabys im „Parc Merveilleux“

Wallabys gehören zu den kleineren Verwandten der Kängurus. Im „Parc Merveilleux“ zeigen Bennett- und Parmawallabys, wie unterschiedlich sich ähnliche Arten entwickeln und verhalten können.

Wallabys gehören zur Familie der Känguruartigen und sind vor allem in Australien und auf benachbarten Inseln verbreitet

Wallabys gehören zur Familie der Känguruartigen und sind vor allem in Australien und auf benachbarten Inseln verbreitet Foto: Carole Theisen

Bei Wallabys beginnt das Leben mit einer Kletterpartie. Nach nur wenigen Wochen Tragzeit kommt das Jungtier winzig, blind und unbehaart zur Welt – Tierarzt Guy Willems vergleicht es mit einem kleinen „Gummibärchen“. Trotzdem sind seine Vorderbeine bereits kräftig genug, um sich aus eigener Kraft durch das Fell der Mutter bis in den Beutel vorzuarbeiten. Dort sucht es eine Zitze und wächst monatelang weiter, weitgehend unsichtbar für Besucher und Tierpfleger.

Wallabys gehören wie Kängurus zur Familie der Känguruartigen. Der Begriff bezeichnet mehrere kleinere bis mittelgroße Arten, die vor allem in Australien und auf benachbarten Inseln vorkommen. Einen klaren biologischen Schnitt zwischen „Känguru“ und „Wallaby“ gibt es dabei nicht – meist werden schlicht die kleineren Vertreter als Wallabys bezeichnet.

Im „Park Merveilleux“ fällt der Nachwuchs meist erst auf, wenn sich der Beutel sichtbar wölbt oder plötzlich ein kleiner Kopf herausragt. Bei Bennettwallabys dauert das Leben im Beutel ungefähr neun Monate. Selbst wenn die Jungen bereits selbstständig durchs Gehege hüpfen, kehren sie noch eine ganze Weile dorthin zurück. Bei Unsicherheit geht es kurzerhand wieder hinein – manchmal kopfüber, während die Hinterbeine noch draußen hängen.

Ein Geburtstag ohne Datum

So war es auch beim jüngsten Bennettwallaby im „Parc Merveilleux“. Im April 2026 bemerkten die Tierpfleger erstmals ein kleines Köpfchen. Die eigentliche Geburt lag zu diesem Zeitpunkt schon längst zurück. Weil dieser Moment nur selten beobachtet wird, gilt im Park der Zeitpunkt als Orientierung, an dem der Nachwuchs erstmals sichtbar wird. Beim jüngsten Tier ist das deshalb April – obwohl es zu diesem Zeitpunkt bereits seit Monaten im Beutel heranwuchs.

Noch erstaunlicher ist, was parallel im Körper der Mutter passieren kann. Kurz nach einer Geburt kann ein Bennettwallaby bereits wieder trächtig werden. Ist noch ein Jungtier im Beutel, kann der neue Embryo seine Entwicklung unterbrechen und in eine sogenannte Keimruhe gehen. Gleichzeitig kann die Mutter sogar noch ein älteres Jungtier außerhalb des Beutels säugen. Damit können sich theoretisch drei Generationen Nachwuchs gleichzeitig in unterschiedlichen Entwicklungsstadien befinden.

Für Willems macht das die Zuchtplanung nicht unbedingt einfacher. Wird zwischenzeitlich das Männchen gewechselt, ist später nicht immer eindeutig, wer der Vater des nächsten Jungtiers ist.

Bennettwallabys gehören seit 2001 zum Tierbestand des „Parc Merveilleux“

Bennettwallabys gehören seit 2001 zum Tierbestand des „Parc Merveilleux“ Foto: Carole Theisen

Bennettwallabys leben seit 2001 im „Parc Merveilleux“. Mehr als 60 Tiere wurden seither registriert. Heute besteht die Gruppe aus einem Männchen, zwei Weibchen und dem diesjährigen Jungtier.

Die Art wird auf dem australischen Festland auch Rotnackenwallaby genannt; in Tasmanien gehören Bennettwallabys zu den häufigsten heimischen Säugetieren und können mehr als 20 Kilogramm wiegen.

Kleine Verwandte mit großem Temperament

Seit 2023 hält der Park auch Parmawallabys. Mit etwa vier bis sechs Kilogramm sind sie deutlich kleiner als ihre Bennett-Verwandten. In Australien führen sie ein ausgesprochen zurückgezogenes Leben: Tagsüber verstecken sie sich im dichten Unterholz, erst am Abend kommen sie hervor, um Gräser und Kräuter zu fressen.

Im „Parc Merveilleux“ leben derzeit vier Männchen. Vor allem auf engem Raum kann es unter ihnen zu heftigen Auseinandersetzungen kommen. Im größeren Außengehege funktioniert das Zusammenleben besser, weil die Tiere sich dort aus dem Weg gehen können. Gegenüber ihren Pflegern zeigen sie sich dagegen erstaunlich neugierig. Einer der Böcke warte regelmäßig hinter der Tür, erzählt Tierpflegerin Corinna Müller, strecke die Nase vor, lasse sich kurz anstupsen – und gehe dann wieder.

Wallabys sind Pflanzenfresser und verbringen einen großen Teil des Tages mit der Nahrungssuche.

Wallabys sind Pflanzenfresser und verbringen einen großen Teil des Tages mit der Nahrungssuche. Foto: Carole Theisen

Gerade im Außengehege lauerte allerdings eine andere Gefahr. Mehrfach gelangte ein Fuchs hinein. Ein Wallaby verschwand vollständig, ein weiteres wurde tot aufgefunden. Die Tiere dauerhaft im Innenbereich unterzubringen, war wegen ihrer Streitigkeiten keine Lösung. Deshalb wurde das Gelände zusätzlich elektrisch gesichert.

Der Fuchs wurde nicht nur für die Parmawallabys zum Problem. Auch eine Bennett-Mutter verlor vor zwei Jahren während einer Verfolgung ihr noch nacktes Jungtier aus dem Beutel.

Schon einmal ausgestorben

In freier Wildbahn ist das Parmawallaby ebenfalls alles andere als auf der sicheren Seite. Die kleine, nachtaktive Art galt zeitweise sogar als ausgestorben. Erst in den 1960er-Jahren tauchte sie überraschend wieder auf. Heute gilt die Art als gefährdet und kommt nur noch lückenhaft vor. Umso bemerkenswerter ist, dass ausgerechnet eine Art, die schon verschwunden schien, bis heute überlebt hat.

Wallabys wirken kompakt, sind aber erstaunlich beweglich und können mit ihren kräftigen Hinterbeinen große Sprünge machen

Wallabys wirken kompakt, sind aber erstaunlich beweglich und können mit ihren kräftigen Hinterbeinen große Sprünge machen Foto: Carole Theisen

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