Kritik
Vom Stolperstein Sprache und außerirdischen Herrschern: „Idiomatic“ im Escher Theater
Sprache kann Menschen zusammenbringen oder sie voneinander entfernen. Wie reagiert man auf die eigene Unsicherheit, wenn man sich in einer Sprache ausdrücken muss, die man nicht vollends beherrscht? Und wie verhält sich der Gesprächspartner dazu? „Idiomatic“ führt auf scherzhafte Weise vor, wie schwierig es ist, eine gemeinsame Basis zu finden, wenn Sprachbarrieren die Kommunikation erschweren.
Hier sitzen die Darsteller in einer Reihe (von l. nach r.): Andrej Zalesjak, Rita Reis, Miguel Decleire, Renelde Pierlot und – auf dem Bildschirm – Sophie Langevin Foto: Patrick Galbats
Sprachen sind Brücken und Mauern zugleich. Diese Erfahrung hat wohl schon fast jeder persönlich gemacht, in Luxemburg wohl noch öfter als anderswo. Eine bestimmte Sprache zu beherrschen – gut zu beherrschen – kann Türen öffnen, den sozialen Status erhöhen, (eine neue) Zugehörigkeit markieren und den gesamten Lebensweg beeinflussen. Einer Sprache nicht mächtig zu sein, bedeutet im Umkehrschluss Ausgrenzung und Nicht-Teilhabe an der Gesellschaft – wobei sich Sprachen, die an einem Ort gesprochen werden, meist in ihrer Funktion, ihrer Wichtigkeit und ihrem Prestige unterscheiden. Es ist also, leider, nicht immer gleich schlimm, eine Sprache nicht zu sprechen. Der sozialen Rangordnung entsprechend erscheinen verschiedene Idiome mehr und andere weniger vernachlässigbar. Das schafft natürlich eine Unzahl von Problemen – und erhält den gesellschaftlichen Status quo. Wie geht man nun mit der linguistischen Unsicherheit, die mit dem Sprechen einer fremden Sprache einhergeht, um? Was bringt sie mit sich an Verwirrung und Distanz, wie leistet sie Missverständnissen Vorschub und inwiefern spielen dabei stereotype Vorstellungen von Nationalitäten eine Rolle?