Junglinster im Wandel

Vom Abriss der Sendemasten bis zu Shopping-Center und Rathaus-Renovierung

Während die drei ikonischen RTL-Masten sicher verschwinden, entsteht ein neues Shopping- und Freizeitzentrum, und das historische Rathaus kämpft nach dem Brand um seine Renaissance. Ein Ortsbesuch.

Historisches Rathaus Junglinster im Renaissance-Stil, im Hintergrund RTL-Sendetürme kurz vor Abriss, Landschaftsaufnahme

Das historische Rathaus von Junglinster kämpft noch um seine Renaissance, während die RTL-Sendemasten im Hintergrund auf den Abriss warten Foto: mago

Die drei RTL-Sendetürme prägen das Bild von Junglinster seit den 1950er-Jahren. Würde man sie heute neu errichten wollen, wäre der Aufschrei wohl groß und Proteste wegen Landschaftsverschandelung, Vogelschutz und Sichtachsen programmiert.

Heute stehen sie einfach nur noch da. Funktional mittlerweile bedeutungslos, abgeschnitten von der großen, weiten Radio-Welt, die sie einst mitgeprägt haben. Die Türme würden aber weiterhin hohe Unterhaltskosten verursachen und müssten bewacht werden, heißt es. Für manche seien sie weniger Industriedenkmal als vielmehr eine Herausforderung, die keine Kletterhalle bieten kann.

Eigentümer der Masten ist die RTL-Gruppe. Diese habe beschlossen, sie abzureißen, erklärt Junglinsters Bürgermeister Ben Ries. Und zwar unabhängig davon, was in Zukunft auf dem Areal entstehen wird. Ob ein neues Wohnviertel realisiert wird oder nicht: Die Türme werden verschwinden. Daran werde auch eine öffentliche Petition nichts ändern, die kurz vor Ablauf bis heute lediglich 582 Unterschriften von 5.500 nötigen gesammelt hat.

Geschützt ist hingegen das Hauptgebäude am Fuß der Masten. Es thront dort wie ein architektonisches Juwel, außen wie innen. Wie es heißt, habe die RTL-Gruppe zeitweise erwogen, diesen Schutzstatus anzufechten. Letztlich scheint es dem Medienhaus jedoch gleichgültig zu sein, was konkret mit dem Gebäude geschieht. Ben Ries weist darauf hin, dass es Pläne gebe, wie das historische Gebäude aus den 1930er Jahren in ein Wohnprojekt integriert werden könne.

Ob und wann solch ein Projekt Realität wird, sei allerdings noch offen. Derzeit laufen zahlreiche Studien: Abwasser- und Starkregenanalysen, Untersuchungen zu möglichen Umleitungen, Verkehrsstudien. Geprüft wird, wie alles zusammen funktionieren kann, von der Infrastruktur über Schulen bis hin zu Geschäften. Auch archäologische Ausgrabungen sind nicht ausgeschlossen.

Ein Masterplan könnte 2028/2029 vorliegen. Es wird also noch eine ganze Weile dauern. Unabhängig davon steht eines fest: Die Türme kommen weg.

Shoppingcenter

Deutlich weiter fortgeschritten scheint dagegen das Projekt Shopping- und Freizeitzentrum „Avenue“ zu sein, oder, wie Ben Ries es nennt, „Langwies 3“, da es sich um den dritten Teil der Gewerbezone Langwies handelt. Es soll eine Ergänzung zum bestehenden Angebot werden. Der Bebauungsplan ist bereits abgesegnet, konkrete Gebäudepläne liegen vor.

Geplant sind ein Hotel mit 120 Zimmern, ein Haus für Senioren und Pflege sowie Wohnungen für Studenten der Uni.lu in Luxemburg-Stadt. „Das verspricht Leben, nahe am Zentrum, und ein Angebot, wegen dem niemand mehr nach Luxemburg-Stadt oder Trier fahren muss“, sagt Ben Ries. Er rechnet damit, dass das Projekt 2027 starten kann. Eine angepasste Straßenführung soll dabei für Verkehrsberuhigung sorgen.

Abgebranntes Rathaus

Was das vor fast genau zwei Jahren teilweise abgebrannte, gerade erst renovierte alte Rathaus betrifft, ist die Zukunft noch ungewiss. Zwar sei bereits viel Arbeit geleistet worden, insbesondere an einem Neubau, der durch Löschwasser stark beschädigt wurde. Doch es bleibe noch sehr viel zu tun. Im historischen Rathaus gleiche das Innere derzeit einem Rohbau.

Die Rekonstruktion werde so teuer, dass die Gemeinde nicht um eine öffentliche Ausschreibung herumkomme. Eine langwierige Prozedur, so Ben Ries. Vor allem deshalb, weil vieles nicht einfach eins zu eins wieder aufgebaut werden kann: Gesetzliche Bestimmungen haben sich geändert, etwa bei der Isolation und der Gebäudetechnik.

Am 6. März steht das Rathaus auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Die Ausschreibungen könnten nach den Sommerferien starten. Möglich sei, dass 2029 alles fertiggestellt ist, rechtzeitig für den dann neu gewählten Gemeinderat. Ben Ries will jedenfalls bei den Kommunalwahlen in drei Jahren wieder antreten: „Es macht einfach unglaublich viel Spaß.“

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