Theater
Verloren in der Social-Media-Blase: Die erfrischende Neufassung von „Spring Awakenings“ im Kapuzinertheater
Regisseurin Anne Simon, Autor Antoine Pohu und Singer-Songwriter Edsun zeigen in einer erfrischenden Neufassung von „Spring Awakenings“, wie sich Jugendliche in der verheißungsvollen Online-Welt verlieren. Eine zeitgemäße Interpretation von Wedekinds Klassiker.
Ein Symbol der Gefühlsschwankungen beim Entdecken der Sexualität: die Wippe auf der Bühne von „Spring Awakenings“ Foto: Alfonso Salgueiro
Auf einmal wirkt die Bühne des Kapuzinertheaters sehr beengend. Hunderte Emojis flimmern über die schrägen Bühnenwände, die in peppiges Lila getaucht sind. Eine junge Frau lechzt nach einem Prinzessinnenkleidchen, streift es sich über und filmt sich für TikTok. In der Mitte der Bühne ist ein Kreis, so wähnt man sich grell im Mittelpunkt: Eine Frau (Jill Devresse als Sonya) schaukelt darin verspielt und träumt versonnen. „You can also get a sugar daddy“ liest man – und unter den Jugendlichen poppen Ideen hoch: Man könne Geld mit dem Körper und dem richtigen Outfit machen. In der Social-Media-Bubble ist der Körper das Kapital, das es zu vermarkten gilt. Dazu fällt der Musiker Edsun live ein: „All about the body“ – body, body, body“ und ein lautes Seufzen ist zu hören.