Tragödie im Wald

Verlassenes Schloss in Junglinster: So kamen die Besitzer vor 20 Jahren ums Leben

Im Winter 2004 kamen die letzten Bewohner von Schloss Weymerich tragisch ums Leben. Auf dem Weg nach Hause haben sie sich im Wald verirrt und sind erfroren. Ihre Geschichte fasziniert bis heute. Doch wer waren die Menschen hinter der Tragödie? Ein Zeitzeuge aus Junglinster erinnert sich.

Schloss Weymerich ist seit 20 Jahren verlassen

Schloss Weymerich ist seit 20 Jahren verlassen Foto: Editpress-Archiv/Didier Sylvestre

Graue Wolken treiben über den Friedhof von Junglinster. Kalter Regen peitscht auf die Grabsteine. Hier ruhen Alphonse Burg und seine Ehefrau, die letzten Bewohner von Schloss Weymerich. Ihr Ende kam im Winter 2004, im Wald, nicht weit von ihrem Zuhause. Verirrt, verloren in der Finsternis, bis die Kälte sie schließlich umschloss. Eine Tageblatt-Reportage vor 14 Tagen erzählt davon und von ihrem Haus, in dem heute die Fledermäuse nisten. Ein Zeitzeuge liefert nun etliche Details. Fränz Ries erinnert sich gut. Er war Bürgermeister der Gemeinde, kannte das Ehepaar. Und er war es, der sie schließlich zur letzten Ruhe bettete.

„Nette Leute, aber anders“

Fränz Ries ist öfters mit seinem Hund am Haus vorbeispaziert. Man hätte sich gegrüßt und miteinander gesprochen. „Saatguthändler war der Mann. Samen für den Garten und wohl auch für die Bauern und ihre Felder. Die Frau kümmerte sich um den Haushalt. Eigentlich waren sie in guter Form.“ Wenige Stunden vor ihrem Tod seien sie noch im Cactus einkaufen gewesen. „Sie lebten zurückgezogen, gingen nicht viel unter die Leute. Nette Leute, aber, wie soll ich sagen, etwas anders als die anderen.“

Friedhof Junglinster: Seit 2004 liegen die letzten Bewohner von Schloss Weymerich hier begraben

Friedhof Junglinster: Seit 2004 liegen die letzten Bewohner von Schloss Weymerich hier begraben Foto: Marco Goetz

Die letzten Bewohner von Schloss Weymerich stammten nicht aus der Gemeinde. Der Mann müsse wohl ein Verwandter des kinderlosen Vigil Burg, dem Erbauer des Anwesens, gewesen sein. In welchem familiären Verhältnis sie zueinander standen, weiß der frühere Bürgermeister nicht. Beim Begräbnis, einer zivilen Beerdigung, seien wenige Leute gewesen, „Menschen, die ich noch nie gesehen hatte, die mir aber erzählten, vom Todesfall erfahren zu haben.“

Alphonse Burgs Ehefrau stammte aus Deutschland, erinnert sich Fränz Ries. Deshalb sei auch der Erbe, ein weitläufiger Verwandter, nach intensiver Suche, in der Gegend von Köln ausfindig gemacht worden. Dieser verkaufte das Haus für 135.000 Euro an die Gemeinde.

Falscher Feldweg

Wie konnte es zu diesem tragischen Todesfall kommen? „Das Ehepaar muss sich verirrt haben“, erklärt Fränz Ries. Damals gab es eine Umleitung in der Nähe. Die Straße von Eschweiler nach Rodenborn war gesperrt, und in der Dunkelheit wählte der Mann einen Feldweg – den falschen. Ein Stück weiter hätte ein anderer Weg zum Haus geführt, doch dieser erste führte den 64-Jährigen nur in lehmigen, klebrigen Schlamm. Ein fataler Fehler für den alten Mercedes, der steckenblieb.

Spuren deuteten darauf hin, dass der Mann sich zu Fuß auf den Weg gemacht hatte. Doch anstatt Hilfe zu holen – „das schien nie in ihrer Art zu liegen“ –, kehrte er zu seinem Haus zurück, gut einen Kilometer entfernt. Dort holte er Bretter, vermutlich in der Hoffnung, den Wagen damit freizubekommen – vergeblich.

„Viel Pech war im Spiel“, sagt der ehemalige Bürgermeister. Schließlich fand man den Mann tot neben dem Auto – Herzinfarkt, Unterkühlung? Die Autopsie ergab keine unnatürliche Todesursache. Ebenso wenig bei seiner Frau, die regungslos auf dem Beifahrersitz sitzend verstorben war. Warum Mann und Frau den Wagen nicht einfach stehen ließen und sich gemeinsam auf den Weg nach Hause machten, habe man nicht verstanden.

Es ist heute eine Baracke und es war damals schon nicht viel mehr. Ein Ort, an dem niemand wirklich gerne wohnen wollte.

Fränz Ries

ehemaliger Bürgermeister von Junglinster

Mit dem von der Gemeinde erworbenen Haus sei man sich nicht sicher gewesen, was man damit anfangen sollte, erklärte der Bürgermeister. „Es gab viele Ideen, doch finanziell war die Gemeinde nicht in der Lage, sie umzusetzen.“ So blieb das Gebäude sich selbst überlassen. „Es ist heute eine Baracke und es war damals schon nicht viel mehr. Ein Ort, an dem niemand wirklich gerne wohnen wollte.“

Nach Fränz Ries’ Erzählung täuschte die eindrucksvolle Fassade über das Innere hinweg. Luxus oder Gemütlichkeit habe man dort vergeblich gesucht. Statt solider Renovierung wurde immer wieder umgebaut, improvisiert, geflickt. „Es wurde viel gebastelt, aber nie richtig instand gesetzt.“ Das galt, so erinnert sich Ries, auch für den Garten. Alles ohne wirkliche Substanz.

Zu Lebzeiten hätten die Bewohner ihn stets freundlich gegrüßt, doch nie ins Haus gebeten, erinnert sich der frühere Bürgermeister am Schluss unseres Gespräches. „Vielleicht schämten sie sich einfach und wollten es niemandem zeigen? Erhaltenswert war das Gebäude jedenfalls nicht. Wenn man wirklich etwas hätte aus dem Ort machen wollen, hätte man es abreißen müssen.“

Genau das, der Abriss, wird wahrscheinlich nun das unausweichliche Schicksal von Schloss Weymerich sein.

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Seine letzten Bewohner verirrten sich im Wald – Schloss mit spukiger Geschichte droht der Abriss

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