Kino
Verblasste Farben, sehnsuchtsvolle Bluesmusik: Die Welt von Aki Kaurismäki
Der Welt entweicht die Farbe. Die Natur stirbt. Es wird Herbst. Zwei Menschen finden sich, versuchen sich in der Liebe. Spärlich eingerichtete Interieurs und desolat erscheinende Exterieurs bilden den filmischen Raum aus, getaucht in blaugraue Farben, der blassen Tönung, hin und wieder von einem Tupfer Rot durchzogen. Dazu melancholische Musik, Blues und französische Chansons – man kennt diese Welt, die der finnische Regisseur Aki Kaurismäki seit rund vierzig Jahren immer wieder heraufbeschwört. Mit „Fallende Blätter“ kehrt der mittlerweile sechsundsechzigjährige finnische Regisseur nun wieder in die Kinos zurück – ein Alterswerk der ungemeinen Zurückhaltung bei gleichzeitiger Bestätigung seiner eindringlichen Werkkonstanz.
Kaurismäki arrangiert seine Figuren präzise in dem filmischen Raum, lässt ihre Blicke in die Ferne schweifen, sie verweilen dort, träumend; da wird eine ungestillte Sehnsucht, das Verlangen nach etwas mehr spürbar. Hier in „Fallende Blätter“. Copyright: Sputnik Oy/Pandora Film, Foto: Malla Hukkanen
Seit den Anfängen seiner Regiekarriere wurde Aki Kaurismäki als ein entschiedener Vertreter eines proletarischen Kinos wahrgenommen, das Ansätze einer Milieustudie mit Versatzstücken einer Märchenerzählung kombiniert – seine Filme sind ein Eindringen in spezifische Lokalitäten, Schilderungen eines menschlichen Habitus innerhalb eines vollumfänglichen Zustandes des Ausgeschlossenseins. Viele von Kaurismäkis Filmen wurden zu Trilogien zusammengefasst, manchmal im Nachhinein, da zwischen den einzelnen Filmen selten ein Zusammenhang erkennbar ist. Auch die übergreifenden, ordnenden Betitelungen dieser Filme sind fließend. In seiner mittlerweile zwanzig Werke umfassenden Filmographie stechen besonders drei Filme hervor, die von starker inhaltlicher und formaler Kohäsion geprägt sind: Seine Arbeitertrilogie, besteht aus „Schatten im Paradies“ (1986), „Ariel“ (1988), der ihm zum internationalen Durchbruch verhalf, und „Das Mädchen aus der Streichholzfabrik“ (1990). Die von 1996 bis 2006 reichenden Filme „Wolken ziehen vorüber“, „Der Mann ohne Vergangenheit“ und „Lichter der Vorstadt“ werden die „Loser-Trilogie“ genannt – beide Bezeichnungen sind ob der gestellten Themenkomplexe dabei aber austauschbar: Es geht um Menschen, die von den vorherrschenden Umständen unterdrückt werden, die darum kämpfen, sich angesichts der unerträglichen gesellschaftlichen Widrigkeiten ein bescheidenes Leben aufzubauen.