ProVelo
Unfall bei einer Radtour im Februar: Wie gut kennt Luxemburgs Polizei die Verkehrsregeln?
ProVelo sieht Verbesserungspotenzial bei der Sicherheit von Radfahrern. Am Freitag, dem 13. Februar, wurde die Vereinigung in ihrer Kritik bestätigt. Bei einer Radtour kam es zu einem Unfall mit einem Auto. Dessen Fahrer sowie die Polizeistreife vor Ort seien unsicher beim Auslegen der Verkehrsregeln gewesen, heißt es.
Eine familienfreundliche und sichere Karnevals-Radtour war geplant, doch es kam anders Foto: Editpress/Alain Rischard
Verkleidet, familienfreundlich, aber mit politischer Botschaft: mehr Sicherheit für den Radverkehr. Nach Darstellung des Vereins nahmen rund 25 bis 30 Personen an der Radtour teil, darunter auch Kinder. Die Gruppe startete am Glacis und fuhr unter anderem über den Knuedler, die Gare, Gasperich und Bonnevoie.
Doch die fröhliche Stimmung in der Gruppe sei gekippt Laut ProVelo eskalierte die Situation auf dem Rückweg in der rue des Trévires, die als Fahrradstraße ausgewiesen ist. Ein Autofahrer habe versucht, die Gruppe zu überholen. Dabei sei am Ende des Pelotons ein Radfahrender angefahren worden, als die Straße enger wurde. Der Betroffene erlitt leichte Verletzungen. Der Notruf 112 wurde verständigt, Rettungswagen und Polizei waren vor Ort.
Betroffener schildert Hergang
In einem Telefongespräch mit dem Tageblatt beschreibt der betroffene Radfahrer den Moment so: Er habe als Schlusslicht gefahren, um die Gruppe im Blick zu behalten. Ein Auto hinter ihm habe wiederholt geblinkt und den Motor aufheulen lassen. Ein Handzeichen, damit aufzuhören, sei ignoriert worden. Als der Wagen links habe vorbeifahren wollen, habe er ihn gestreift. Daraufhin sei er gestürzt. Das Fahrrad sei stark beschädigt, er selbst sei glimpflich davongekommen.
ProVelo kritisiert in seiner Mitteilung den Umgang mit den Regeln vor Ort. Die aufnehmende Streife habe zunächst die Sicht des Autofahrers geteilt und dem Radfahrenden eine Mitschuld gegeben, unter anderem, weil dieser zu zweit nebeneinander gefahren sei und der Autofahrer habe überholen dürfen. Weder die Streife noch eine zur Überprüfung konsultierte Dienststelle seien ausreichend über die Regeln informiert gewesen, die in Fahrradstraßen gelten, schreibt ProVelo.
Nach den Regeln der Stadt Luxemburg gilt in einer „rue cyclable“ unter anderem Tempo 30. Radfahrende dürfen die gesamte Fahrbahnbreite nutzen, nebeneinander fahren und motorisierte Fahrzeuge dürfen weder andere Fahrzeuge noch Radfahrende überholen.
Mehr Aufklärung nötig
ProVelo betont, dass der Verein seit vielen Jahren bestimmte Fahrradstraßen kritisiert, weil sie infrastrukturell und/oder durch ihre Regelungen nicht ausreichend ausgestaltet seien, um Durchgangsverkehr zu begrenzen. Bemängelt wird von Radfahrern und Autofahrern zum Beispiel auch, dass sich Fahrradstraßen farblich nicht abheben. Dabei spiele es keine Rolle, ob blau, rot oder regenbogenfarben. Allgemein seien Radfahrer in solchen Straßen nicht ausreichend vor Konfliktsituationen geschützt.
Der Vorfall zeige zudem die Notwendigkeit, sowohl die breite Öffentlichkeit als auch die Ordnungskräfte besser über Verkehrsregeln aufzuklären, insbesondere über jene, die vulnerable Verkehrsteilnehmende schützen sollen. Er werfe außerdem Fragen zur Wirksamkeit von Sensibilisierungskampagnen auf, die von der Polizei, dem Ministerium oder der „Sécurité routière“ durchgeführt werden.
Die Radfahrt im Februar habe gezeigt, wie wichtig es sei, die Bemühungen für mehr Sicherheit im Radverkehr, bessere Infrastruktur und gegenseitigen Respekt zwischen allen Verkehrsteilnehmenden fortzusetzen. ProVelo werde deshalb auch künftig ähnliche Touren organisieren, um dieses Anliegen voranzubringen.
Eine bei der Polizeipressestelle angefragte Stellungnahme zum Zwischenfall und zu den Vorwürfen liegt bisher nicht vor.