Düdelinger Start-up 

Thalus versucht sich mit „Water in a Box“ auf dem Luxemburger Markt

Die Start-ups im Düdelinger Innovation Hub setzen auf das Thema Umweltbewusstsein. Seit drei Monaten hat Pit Romersa dort sein Büro. Er ist der Kopf hinter „Thalus – Water in a Box“. Das Tageblatt hat sich mit ihm darüber unterhalten, welcher nachhaltige Gedanke hinter dem jungen Unternehmen steckt.

Sogenannte „Boxed Waters“ gibt es bereits in anderen Ländern. Pit Romersa hat das Wasser im Tetra Pak auf den Luxemburger Markt zugeschnitten.

Sogenannte „Boxed Waters“ gibt es bereits in anderen Ländern. Pit Romersa hat das Wasser im Tetra Pak auf den Luxemburger Markt zugeschnitten. Foto: Editpress/Tania Feller

Noch sieht es im Büro von Pit Romersa ziemlich leer aus: Eine typische cleane Büroeinrichtung ist bisher alles, was er zum Arbeiten benötigt. Nicht zu vergessen die Wasserboxen und Plakate seiner Marke „Thalus“, die in dem Raum nicht fehlen dürfen. Im Mai hat der studierte Supply-Chain- und Logistic-Manager „Thalus“ auf den Markt gebracht: Quellwasser, das in 500-ml-Tetra-Paks abgefüllt ist. Der Namensgeber für das Produkt ist Thales von Milet, ein griechischer Mathematiker und Philosoph. Für ihn ist Wasser das Prinzip aller Dinge.

„Die Umsetzung einer romantischen Idee in die harte Realität hat mehr als ein Jahr intensive Arbeit in Anspruch genommen“, erzählt der gebürtige Düdelinger. „Thalus“ funktioniert quasi als Ein-Mann-Betrieb. Ein Freund kümmert sich um die rechtliche Seite des Unternehmens. Romersa ist mit der grünen Idee gestartet, sein Projekt so lokal und nachhaltig zu gestalten wie möglich. Nach und nach sei ihm dann bewusst geworden, dass sein Vorhaben doch nicht so einfach umsetzbar sei.

Regionale Produktion

In Luxemburg stehen nicht massenweise Quellen zur Verfügung. Deswegen arbeitet er jetzt mit einem Betrieb aus Nordrhein-Westfalen zusammen, einem Familienunternehmen, das demselben nachhaltigen Gedanken folgt, wie Romersa erklärt: Sie verfügten über zertifizierte Bioquellen, produzierten ausschließlich mit grünem Strom und ihr Fuhrpark bestehe aus Elektroautos. Zusätzlich unterstützen sie lokale Vereine und Landbau. Das Unternehmen befindet sich drei Autostunden von Luxemburg entfernt. Der 34-Jährige bezeichnet dies immer noch als Großregion und auch als regional. Das sei immer Ansichtssache. 

Pit Romersa (34) führt quasi einen Ein-Mann-Betrieb

Pit Romersa (34) führt quasi einen Ein-Mann-Betrieb Foto: Editpress/Tania Feller

Das Innovation Hub in der route de Volmerange ist als Inkubator für Start-ups gedacht mit Fokus auf Öko-Technologien. Bei „Thalus“ ist die Verpackung das Innovative. „Zu Beginn wollte ich eigentlich die perfekte biologisch abbaubare Verpackung produzieren.“ Doch mit der Zeit habe er gemerkt, dass er irgendwo Abstriche machen musste. In Luxemburg gibt es nicht viele Unternehmen, die alles recyceln können. Da war die Auswahl bezüglich Verpackung nicht sehr groß.

Er hat sich letzten Endes für biobasiertes Tetra Pak entschieden. Die Verpackung wird dort vor Ort bedruckt und anschließend nach Deutschland gebracht. Ihm sei vor allem wichtig, dass die Lieferkette stimmt und so effizient wie möglich organisiert ist. Während seines Masterstudiums in Madrid ist Romersa auf die Idee für „Thalus“ gekommen, als er dort ein ähnliches Produkt gesehen hat. Da wollte er etwas Ähnliches für den Luxemburger Markt herstellen. In Madrid hat er sich auch auf das Thema Nachhaltigkeit spezialisiert. 

Wasser zum Mitnehmen

„Thalus“ konzentriert sich auf den To-Go-Markt. „Aus diesem Grund sehe ich mich nicht in Konkurrenz zu den anderen Luxemburger Herstellern, sondern als Ergänzung“, so der 34-Jährige. Im Supermarkt würden so viele Plastikflaschen gekauft und weggeschmissen, sobald sie leer sind. „Ich möchte, dass sich die Menschen für etwas entscheiden, das besser ist als die billigen Plastikprodukte.“ Er wisse, dass das Ganze nicht perfekt ist, doch deswegen kommuniziere er auch: „Not perfect, but better“.

Auch sieht er seine Box nicht als Einwegprodukt. Die Tetra Paks könnten mehrfach wiederverwendet werden, bevor sie in die Valorlux-Tüte kommen und recycelt werden können. Kritik nimmt er relativ gelassen hin. Er habe schon öfters gehört, dass es doch besser sei, Wasser einfach aus dem Wasserhahn zu trinken. „Irgendwo muss ich doch anfangen“, wehrt er sich. Ein langfristiges Ziel ist, mit NGOs zusammenzuarbeiten. Er könne sich auch vorstellen, eine Kooperation mit örtlichen Vereinen oder sozialen Projekten auf die Beine zu stellen. 

Langfristig bekannt bleiben

Für den Vertrieb hat er sich hauptsächlich lokale Unternehmen herausgesucht, die ebenfalls in seiner grünen Idee zu Hause sind: Dazu gehören vegane Restaurants, Bio-Supermärkte, Lebensmittelgeschäfte oder Foodtrucks. Eine Zusammenarbeit mit der Düdelinger Stadtverwaltung steht bereits. 

Damit sich „Thalus“ überhaupt rechnet, muss Romersa seine Boxen in großer Anzahl verkaufen. Sein Preis liegt dabei etwas über dem von anderen Produkten. Das liege zum Teil auch an der Verpackung. Doch Wasser sei ein neutrales Produkt, das sich einfacher verkaufe als beispielsweise ein neuer Maracuja-Eistee. Trotzdem könne er sich jetzt nicht von heute auf morgen ein neues Auto leisten. „Das Wichtigste ist, dass es überhaupt funktioniert“, sagt Romersa.

Mit den ersten Monaten in seinem Business zeigt er sich jedenfalls zufrieden: „Mir ist durch verschiedene Aktionen schnell gelungen, Aufmerksamkeit zu bekommen.“ Eine bekannte Luxemburger Bloggerin habe ihm gesagt, dass sie „Thalus“ mittlerweile überall begegne. Alte Bekannte hingegen hätten noch nie davon gehört. Die Herausforderung für die nahe Zukunft sei jetzt, dass „Water in a Box langfristig in den Köpfen bleibt“.

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